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Vorgabewörter:
( Geisterhand ), ( Flasche ( absurd ), (Phantasie ), ( Scheinwerfer), (Edelstein)
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„Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben, dann sollte man sie vielleicht erst schütteln wie eine Flasche Limonade“, pflegte Oma immer zu sagen. Lena verstand nie so ganz, was das bedeutete – bis zu dem Abend, an dem etwas Seltsames
passierte.
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Denn Lena war schon seit Wochen sehr traurig.
Ihr Hund Apollo war gestorben.
Er hatte immer neben ihrem Bett geschlafen, war mit ihr zur Schule gelaufen und hatte sie begrüßt, wenn sie nach Hause kam. Jetzt war es still im Haus.
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In der Schule konnte Lena sich kaum noch konzentrieren.
Die Buchstaben verschwammen manchmal ein bisschen, und ihre
Gedanken wanderten immer wieder zu Apollo.
Darum ging sie oft zu ihrer Oma.
Bei Oma fühlte sich alles wärmer an.
Es roch nach Tee und Apfelkuchen, und Oma hatte immer Zeit zuzuhören.
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Wenn Mama und Papa arbeiten mussten, durfte Lena oft dort bleiben.
An diesem Abend saß Lena im kleinen Gästezimmer bei Oma am Fenster.
Draußen war es schon dunkel.
Die Autoscheinwerfer warfen lange Schatten an die Zimmerwand und ließen die Nacht leise glitzern.
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Lena dachte an Apollo.
„Ich wünsche mir…“, flüsterte sie leise.
Doch bevor sie den Satz zu Ende sprechen konnte, klirrte es plötzlich ganz leise.
Auf ihrem Schreibtisch stand eine kleine, staubige ( Flasche ).
Sie war vorher ganz sicher nicht da gewesen.
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In der Flasche funkelte etwas – wie ein winziger ( Edelstein ).
„Hallo?“ fragte Lena vorsichtig.
Die Flasche wackelte.
Und plötzlich öffnete sie sich wie von
(Geisterhand ).
Ein kleiner Wirbel aus glitzerndem Staub schwebte heraus und setzte sich auf Lenas Nase.
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„Ups“, sagte eine kleine Stimme aus der Luft.
„Das passiert manchmal, wenn Wünsche Nebenwirkungen haben.“
Lena blinzelte.
„Wer bist du?“
„Ich bin nur der Hüter der ( Phantasie),“ antwortete die Stimme.
„Und du hast gerade aus Versehen den Deckel geöffnet.“
„Von
was?“
Die Stimme kicherte.
„Vom Emmawusel ( absurd ) natürlich.
Der lebt in jeder Flasche voller Phantasie.“
„Und was macht der?“ fragte Lena.
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Der kleine Geist räusperte sich und sagte:
„Ich komme nur heraus, wenn ein Herz ganz rein ist, oder wenn jemand in großer Not ist.
Wer an Elfen und Geister glaubt, der kann mich sehen. Dann stehe ich hier, direkt vor dir, und kann Wünsche erfüllen. Doch hör gut zu, denn das sage
ich jedem: Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben, liegt das meist daran, dass man nicht weise gewählt hat. Nur wer ein gutes Herz hat und sehr klug wünscht, dessen Wunsch bleibt manchmal ohne Nebenwirkungen. Aber das passiert selten. Sehr selten. Vielleicht einmal. Vielleicht zweimal. Darum sage ich immer meinen Spruch, damit jeder, der sich etwas wünscht, erst gut nachdenkt… bevor er den Wunsch ausspricht.“
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Der Geist zwinkerte.
„Also… was ist dein Wunsch?“
Der kleine Geist sah Lena eine Weile still
an.
„Du bist traurig“, sagte er schließlich leise.
Lena nickte.
„Mein Hund ist gestorben.“
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Der Geist setzte sich auf den Rand der Flasche und ließ seine Beine baumeln.
„Viele Kinder wünschen sich dann, dass ihr Tier wieder zurückkommt“, sagte er.
„Das verstehe ich.“
Lena sah hoffnungsvoll auf.
„Kannst du das?“
Der kleine Geist schüttelte langsam den Kopf.
„Manche Dinge darf selbst die stärkste
Magie nicht verändern.“
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Lena schaute auf ihre Hände.
„Aber…“, sagte der Geist plötzlich und lächelte ein bisschen,
„das bedeutet nicht, dass alles verschwunden ist.“
„Nicht?“
Der Geist schnippte mit den Fingern.
Plötzlich begann der kleine Edelstein in der Flasche zu leuchten.
Ganz weich und warm, wie ein winziges Sternlicht.
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„Schließ kurz die Augen“, sagte der
Geist.
Lena tat es.
Und auf einmal hörte sie etwas.
Ein leises Tapsen.
Dann ein fröhliches Hecheln.
Und das Geräusch eines wedelnden Schwanzes.
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Lena lächelte, obwohl ihre Augen noch geschlossen waren.
„Das ist…“
„Apollo“, sagte der Geist sanft.
Lena spürte plötzlich eine warme Erinnerung:
Wie Apollo morgens auf ihr Bett gesprungen
war.
Wie er draußen über die Wiese gerannt war.
Und wie er sich abends neben sie gelegt hatte, als wollte er sagen: Ich passe auf dich auf.
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Langsam öffnete Lena die Augen.
Der Edelstein leuchtete noch immer warm.
„Apollo ist vielleicht nicht mehr hier“, sagte der Geist leise,
„aber alles, was ihr zusammen erlebt habt, ist noch da.“
Lena legte ihre Hand auf ihr Herz.
„Hier“, sagte der Geist und tippte sanft
auf ihre Brust.
„Da wohnt er jetzt.“
Und zum ersten Mal seit vielen Wochen fühlte sich Lenas Herz ein kleines bisschen leichter an.
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Lena kuschelte sich in die Decke und schaute noch einmal auf die kleine, leuchtende Flasche.
Der Emmawusel saß ruhig darin und funkelte leise wie ein winziges Sternchen.
„Danke…“ flüsterte Lena.
„Für Apollo… und für alles.“
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Der Geist zwinkerte.
„Manche Wünsche brauchen Zeit.
Und manchmal muss man nur die Augen schließen, um zu sehen, was man schon hat.“
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Lena schloss die Augen.
Und plötzlich war es, als würde Apollo ganz sanft neben ihr liegen.
Sein Fell duftete nach Sommerwiesen, und sein Schwanz wedelte leise.
Sie spürte, wie all die Erinnerungen an ihn ihr Herz erwärmten.
Nicht traurig, sondern voller Liebe und Freude.
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Bald hörte sie nur noch das leise Ticken der Uhr und das leise Rauschen der Blätter draußen.
Die Flasche funkelte noch ein bisschen, dann wurde das Licht ganz sanft.
Lena atmete tief ein.
„Gute Nacht, Apollo“, flüsterte sie.
„Bis morgen.“
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Und langsam, ganz langsam, glitt sie in einen ruhigen, friedlichen Schlaf.
Mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Wissen, dass Liebe niemals verschwindet – sie bleibt im Herzen,
immer.