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Seelenreise - Emilie Flöge

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"Seelenreise - Emilie Flöge"
Veröffentlicht am 19. März 2026, 18 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Über den Autor:

Die Nachtkerze stand im Garten meiner Mutter am hintersten Ende des Grundstücks, wo der Jägerzaun das Ferienhäuschen zum Kiefernwald abgrenzte. Als Kind war ich verwundert, dass die hauchdünnen Blütenblätter immer geschlossen waren, bis wir wegen dem schönen Wetter lange aufbleiben durften. Wie durch ein Wunder entblätterte sich die gelbe Blüte ausgerechnet zu der Zeit, als es dunkel geworden war. Die Sonne der Nacht nannte meine Mutter ihre ...
Seelenreise - Emilie Flöge

Seelenreise - Emilie Flöge

Seelenreise

Einleitung Auf meiner Seelenreise durchlebte ich verschiedene Leben. Während dieser hatte ich viel Zeit und Gelegenheit, das Verhältnis zwischen Frauen und Männern auf unterschiedlichste Art und Weise zu erleben. Rückblickend auf diese verschiedenen Leben in unterschiedlichen Zeitepochen kann ich mehrere Aspekte zur Entstehung und Entwicklung von Beziehungen zwischen den Geschlechtern nachvollziehen und denke, dass es letztendlich wohl dabei

bleiben wird, dass sich Männer und Frauen durch ihre real körperlichen und mentalen Unterschiede nur begrenzt wahrhaft näher kommen können. Es sei nebenher angemerkt, dass ich aufgrund der seelischen Existenz in den Zwischenräumen von Leben zu Leben, davon ausgehe, dass sich mit dem Abschied aus der Weltlichkeit auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern auflösen. An dem „Ort“ wo sich die Seelen zwischen den einzelnen Leben „aufhalten“ sind sie geschlechtsneutral und diese irdische „Problematik“ hat dort keine Bedeutung.

Emilie Flöge


In einem meiner Leben

für das Studium von unterschiedlichen Geschlechterbeziehungen wurde ich Mitte des 18 Jahrhunderts als weibliches Geschöpf geboren. Da ich im allgemeinen Aufschwung des Bürgertums einer Doppelmonarchie das Glück hatte, in diesen hinein geboren zu sein, erlebte ich einen gewissen Grad an Wohlstand. Ich wuchs wohlbehütet mit meinen Schwestern im Wohlstand einer Unternehmerfamilie auf.


Emilie Flöge:

Für die Prägung meiner persönlichen Wahrnehmung der Weiblichkeit war natürlich zunächst die allgemeine Rolle als Frau in der damaligen Gesellschaft und das Vorbild meiner Mutter verantwortlich. Doch für die ganz individuelle Wahrnehmung der Weiblichkeit und die Prägung meines Charakters war im Wesentlichen mein Onkel, der Bruder meines Vaters, verantwortlich. Denn schon früh zu Beginn der Pubertät mit elf Jahren erfuhr ich das weibliche Dasein einer Geliebten. Aufgewachsen als heimliche Geliebte meines Onkels, blieb ich dieser Rolle treu ergeben und traf stets auf Männer, welche den Anblick

meines nackten Körpers liebten, entweder zur persönlichen Befriedigung, oder als Model für Aktzeichnungen und Gemälde. Auf diese Weise lernte ich einige Maler kennen, die meisten von ihnen waren standesgemäß verheiratet und hatten neben mir weitere Modelle. Einen dieser Maler jedoch habe ich wirklich und intensiv geliebt und für einige Jahre hatte ich das Vergnügen, als seine treue Geliebte mit ihm zusammen zu leben. Ich genoss seinen aufmerksamen Blick auf meinen weiblichen Körper, während ich ihm Model stand. Natürlich liebten wir uns im Laufe eines Gemäldes mehrmals,

während die Farben auf der Leinwand trockneten. Doch auch Ausflüge in die Natur und auf den nahegelegenen See gehörten zu unserem Miteinander. Ich hatte unsere gemeinsame Zeit im besagten Leben nie wieder vergessen und auch nach seinem Tod, den ich um mehr als dreißig Jahre überlebte, war ich inspiriert und beflügelt von unser Liebe und Kreativität. Denn unsere gemeinsame Zeit, unser beider Wunsch, die Welt als einen freien Ort für Sexualität, Schönheit und Kreativität anzusehen, und Regeln durchbrechend neu zu gestalten, hat mich auch nach seinem Tod weiterhin begleitet. Ich hatte mir gewünscht, er möge sehen können, dass ein Großteil

der von mir kreierten und erschaffenen Frauenmode die von ihm gemalten Ornamente und Formen trugen. Gemeinsam mit meinen Schwestern waren wir einige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg erfolgreich mit einem Modesalon in der Großstadt. Während und nach dem Krieg habe ich oft gedacht, diese massiven Einbrüche und Veränderungen des vorher wohlständigen Lebensweise hätten ihm sehr schwer zugesetzt, schlimmer noch als mir. Ein paar Jahre vor Ende meines Lebens schrieb ich aus einem inneren Bedürfnis heraus einen Brief an die große Liebe meines Lebens. Doch ebenso wie viele meiner Skizzen, Modeentwürfe,

Aufzeichnungen und ein Großteil meines Inventars, verbrannte dieser Brief einige Tage nach meinem Tod bei einem Brand in meiner Wohnung.



Ich jedoch erinnere mich noch ziemlich genau an seinen Wortlaut, ungefähr so:








Gustav Klimt "Der Kuss":


„Mein geliebter Gustav, ich träume von unseren gemeinsamen Zeiten, sie waren herrlich aufregend. Es ist kein Tag vergangen, an dem wir nicht die Lust an unserer Körperlichkeit und unserer Kreativität verspürt und ausgelebt haben. Es ist kein Tag vergangen, ohne dass wir kreativ waren. Du im Atelier an deinen Staffeleien mit den nackten Frauen. Ich mit den Entwürfen und dem Schneidern von ausgefallenen Kleidern für Frauen. Damals lebten wir im Rausch von Ideen, intensiven Empfindungen, von Inspirationen durch kleinste Berührungen oder durch die tiefe Wahrnehmung von Farben und Formen.

Wir liebten Beide die detaillierte Wahrnehmung des weiblichen, und ich natürlich auch des männlichen, Körpers. Unsere Augen blickten auf die Schultern einer Frau, tasteten deren Breite ab, schauten auf das Dekolleté. Unsere Blicke wanderten über die Brüste einer Frau, wie weich, wie groß sind sie? Du mochtest die Frauen in ihrer Nacktheit und genussvoller Haltung, ich sah sie liebend gerne in einem meiner selbst kreierten Kleider ohne Korsage. Allein das Gesicht eines Menschen erlaubte ein ewiges Studium der Partien, Falten, Grübchen, Hautfarben und Farbnuancen. Doch wir Beide liebten ebenso wie einige Freunde, dass

Infragestellen des Herkömmlichen, das Außerkraftsetzen von Erwartungen und Rollenverhalten. Wir liebten den kreativen widerstand. Künstler schauen über den Tellerrand. Aber sie sehen halt auch mehr als der durchschnittliche Bürger. Mir ist es auch heute in meinem Alter ein Rätsel, wie es sein kann, dass die meisten Menschen beim Anblick deiner Bilder, wie zum Beispiel „Der Kuss“, nur das Gold, die Blumen und Kästchen auf dem Stoff erkennen und zum Schluss feststellen, obenauf sind doch noch zwei Köpfe. Da ist doch so viel mehr auf dem Gemälde zu sehen und zu fühlen!

Doch allmählich werde ich wirklich alt

und bin längst nicht mehr so kreativ, wie ich einst mit dir und später mit meinen Schwestern war. Es ist sehr viel in meinem Leben geschehen; nach den wunderbaren aufregenden Jahren mit dir, der Erfolg gemeinsam mit meinen Schwestern im eigenen Modesalon in Wien, dann der große Krieg und danach die vielen Veränderungen. Geblieben sind mir die Erinnerungen und meine Schwestern mit Familien. Ich vermisse dich sehr, Gustav! Und wenn es tatsächlich so sein sollte, dass es ein Zuhause für die Seele gibt, dann werde ich zuerst nach dir Ausschau halten, wenn ich dort ankomme. In tiefer Liebe, deine Emilie"

Emilie Flöge

30.08.1874 - 26.05.195

östereichische Modeschöpferin und Designerin, Modesalon in Wien

Geliebte und Partnerin von Gustav Klimt


Gustav Klimt

14.07.1862 - 06.02.1918

Östereichischer Maler




Foto von Emilie Flöge

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Foto "Der Kuss" von Gustav Klimt

vom einer Biografie abfotografiert

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Hörbuch

Über den Autor

Nachtkerze
Die Nachtkerze
stand im Garten meiner Mutter am hintersten Ende des Grundstücks, wo der Jägerzaun das Ferienhäuschen zum Kiefernwald abgrenzte. Als Kind war ich verwundert, dass die hauchdünnen Blütenblätter immer geschlossen waren, bis wir wegen dem schönen Wetter lange aufbleiben durften. Wie durch ein Wunder entblätterte sich die gelbe Blüte ausgerechnet zu der Zeit, als es dunkel geworden war.
Die Sonne der Nacht
nannte meine Mutter ihre Lieblingsblume.
Wenn mir heutzutage der intensive Geruch in die Nase steigt, muss ich an meine Mutter und ihren Garten denken.
So geht es mir mit vielen Erlebnissen in meinem Leben:
Ich erinnere mich ganz plötzlich an eine Situation, und dann habe ich das starke Bedürfnis, dieses frühere Erlebnis aufzuschreiben und nochmal zu erleben. Aus der Vogelperspektive.

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Eichenlaub 
Ich habe Dein Buch in aller Ruhe durchgelesen.
Interessant dieser Tatsachenbericht über Emilie Flöge.
LG, Gerlinde
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