Das blaue Veilchen
Neulich, als mich die Sonnenstrahlen im Zimmer zublinzelten, nur um mich hinauslocken zu wollen, erreichten sie ihr Ziel.
Ich schnappte tatsächlich meine Jacke, steckte in die Umhängetasche das frisch aufgeladene Smartphone. Denn es brauchte immer genügend Saft, wenn ich unterwegs war, um Naturaufnahmen damit festzuhalten.
Viele Fotomotive lagen inzwischen während des Wanderns im Handy verborgen und warteten auf eine Begutachtung. Gleich Vorort wurde jedes einzelne Foto betrachtet, beschnitten und etwas farblich eingestellt. Ein unscharfes Foto wurde wortlos, aber knallhart von mir gelöscht.
Am Parkweg in Straßennähe, stand eine Bank und hinter dieser hörte ich, als ob kleine, blaue Veilchen mir zuriefen: "Komm Eichenlaub, fotografiere uns."
Die Sonne strahlte genau diese Blüte an und da konnte ich nicht anders, ging leicht in die Knie und beugte mich zu ihnen hinunter.
Verdammt, das Foto war unscharf. Einige Autofahrer fuhren vorbei und werden gedacht haben: "Was macht die denn da?"
Also kniete und beugte ich mich erneut zum Alpenveilchen hinunter, wartete in dieser Körperstellung einige Sekunden mit dem Rücken zur Straße gewand. Drei Sekunden genügten und das Handy machte die Alpenveilchenblüte scharf.
Es ist doch immer wieder schön ein blaues, duftendes Veilchen, nicht auf dem Auge im Gesicht, sondern in der blütenhaften Natur zu entdecken.
Text und Fotos von Gerlinde (Eichenlaub)
Ich bitte um Beachtung der Urheberrechte!