Die Geisterhand von Victor Heller
Bild gefunden auf Pixabay, der Künstler ist Gerald
© 2026 Pamola Grey
Schreibparty 117 zum Thema:
"Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben"
Vorgaben:
Flasche, Edelstein, Geisterhand, absurd, Phantasie, Scheinwerfer
Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben…
In der Stille meines Ateliers hörte ich plötzlich das unheilvolle Kratzen einer unsichtbaren Hand – und wusste, dass Wünsche Nebenwirkungen haben können.
Es war spät in der Nacht, und ich, Victor Heller, saß allein zwischen zerknüllten
Blättern und leeren Kaffeetassen. Mein Stift wartete einsam auf dem Schreibtisch. Seit Wochen hatte ich keine Inspiration – kein einziger Gedanke wollte mir einfallen.
Verzweifelt griff ich nach einer alten Flasche, die ich vor Monaten auf einem Flohmarkt gefunden hatte. Im Korken funkelte ein winziger Edelstein, der im Licht der hängenden Scheinwerfer unheilvoll glitzerte. Halb im Flüstern murmelte ich:
„Ich wünschte, meine Geschichten würden endlich wie von Geisterhand
geschrieben.“
Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, begann mein Stift von selbst über das Papier zu tanzen. Eine unsichtbare Hand kratzte, schabte und zeichnete Zeilen voller Phantasie. Anfangs war ich fasziniert – doch dann wurde mir klar: Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben, können sie grausam und absurd zugleich sein.
Die Geisterhand hatte ihre eigene Meinung. Helden starben an den unheimlichsten Stellen, Dialoge verdrehten sich ins Grauen, und jeder Versuch, einen Satz zu ändern, wurde mit
einem eiskalten Klopfen auf meine Finger beantwortet. Manchmal hörte ich nachts leise Kratzgeräusche, als würde die Hand durch das Zimmer wandern, selbst wenn ich nicht schrieb.
Bald standen Verlage Schlange, Leser wollten meine Geschichten – und ich fand mich ständig im grellen Scheinwerferlicht wieder, nicht auf Bühnen, sondern in dunklen Interviews, bei denen mich alle anstarrten, als hätte ich etwas Unaussprechliches getan.
Und die Geisterhand? Sie schrieb weiter, völlig eigenständig, manchmal so absurd und grausam, dass ich oft
zusammenzuckte, wenn ich das Papier aufschlug. Jede Zeile schien ein Flüstern aus der Dunkelheit zu sein.
Am Ende lehnte ich mich zurück, den Kopf in die Hände gestützt, und murmelte:
„Vielleicht hätte ich mir lieber nur ein bisschen Inspiration gewünscht … und keine übermotivierte Mitarbeiterin aus dem Jenseits.“
Der Edelstein in der Flasche glitzerte immer noch im schwachen Licht der Scheinwerfer. Ich wusste: Die Geisterhand würde niemals aufhören –
ihre Geschichten würden mich jagen, bis ich selbst Teil einer von ihr geschriebenen Zeile geworden war.
The End