Schreibparty 117
Die Wunsch - Limo
Thema:Wenn Wünsche Nebenwirkungen haben
Vorgabeworte: Geisterhand, Flasche, absurd, Phantasie, Scheinwerfer, Edelstein
Cover und Text Schnief
Leon liebte es sehr mit seinen Freunden draußen zu spielen, egal ob Fussball, Verstecken oder Sonstiges. Drinnen spielte er sehr gerne mit seinen Legosteinen. Eine Sache allerdings mochte ganz besonders nicht und fand es absurd, nämlich Aufräumen. Eigentlich jeden Abend, wenn seine Mutter rief: „Leon, es ist Zeit zum Schlafengehen, räum bitte dein Spielzeug in die Kisten weg!“, seufzte er tief.
Eines Tages, besser gesagt es dämmerte bereits und mit seiner Scheinwerfertaschelampe fand Leon im Garten eine alte, verstaubte Glasflasche mit einer gelblichen Flüssigkeit. Auf
dem Etikett stand in krakeliger Schrift: „Wunsch-Limo! Ein Schluck, ein Wunsch und in sehr kleiner Schrift „Vorsicht, Wünsche sind wie Söckchen, sie sind selten allein!“ Leon dachte nicht lange nach und seine Fantasie gaukelte ihm vieles vor. So öffnete er die Flasche und nahm einen winzigen Schluck. Mit leiser Stimme rief er: „Ich wünsche mir, dass sich alles, was ich benutze, von ganz alleine aufräumt!“.
Zuerst fand er es fantastisch. Leon baute einen riesigen Turm Legosteinen, doch kaum setzte er den letzten Stein, schwebten alle Steine wie von Geisterhand zurück in die Kiste. In der
Küche ließ er seinen leeren Joghurtbecher auf dem Tisch stehen und sofort flog der Becher in den Mülleimer. Leon grinste breit. Das war das Beste aller Zeiten!
Doch dann begannen die Nebenwirkungen mit denen Leon nicht gerechnet hatte, zum Beispiel beim Abendessen. Als Leon seine Gabel kurz ablegte, um einen Schluck Saft zu trinken, hielt die Gabel das für fertig benutzt und sie sauste sofort in die Spülmaschine. Leon musste für den Rest eine neue Gabel nehmen, um nicht seine Nudeln mit den Händen essen.
Als er bei den Hausaufgaben gerade ein
Wort in sein Heft geschrieben hatte, hielt er kurz inne, um nachzudenken, das Heft klappte sich einfach zu und verschwand sofort in seinen Schulranzen.
Als Leon abends im Bett lag und seinen Kuschelbären nur ganz kurz losließ, um sich umzudrehen, verschwand der Bär sofort im Regal und Leon lag allein in seinem Bett.
Leon merkte ganz rasch, wenn alles sofort verschwindet, kann man nichts zu Ende bringen. Plötzlich war das Leben furchtbar stressig, weil er alles sozusagen festkrallen musste, was er behalten wollte.
Er rannte in den Garten und suchte verzweifelt die Flasche. Als er sie endlich unter der Tanne fand, nahm er einen letzten Schluck und wünschte sich: „Ich möchte alles wieder selbst aufräumen, aber bitte mit viel Spaß dabei!“
Seit diesem Tag räumt Leon seine Sachen selbst weg. Oft tut er so, als wären seine Legosteine kleine Raumschiffe, die beladen mit wertvollen Edelsteinen in ihre Basis zurückkehren müssen. Es dauert zwar länger als mit der Wunsch-Limo, aber dafür blieb sein Teddybär genau da, wo er hingehört, nämlich in
seinem Arm.