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Der freundliche Alleskönner - Überlegungen zu KI-Gegenwart

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"Der freundliche Alleskönner - Überlegungen zu KI-Gegenwart"
Veröffentlicht am 13. März 2026, 6 Seiten
Kategorie Sonstiges
© Umschlag Bildmaterial: nina_susik - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht: Der Winter ist ein Bösewicht, die Bäume tragen Schneegewicht, die Stämme sind kahl und so schwarz wie ein Pfahl, die Felder sind weiß und auf dem See liegt Eis. In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.
Der freundliche Alleskönner - Überlegungen zu KI-Gegenwart

Der freundliche Alleskönner - Überlegungen zu KI-Gegenwart

Der freundliche Alleskönner

Die Zukunft kommt nicht als Roboter mit roten Augen.

Sie kommt als hilfreiche Funktion. „Darf ich das für dich erledigen?“ fragt sie. Und wir sagen: gern. Wer möchte schon selbst nachdenken, wenn es auch automatisch geht? Der neue digitale Assistent weiß, wann wir aufstehen, wohin wir fahren, was wir kaufen, was wir lesen und vermutlich bald auch, warum wir zögern. Er nennt das Service. Die Unternehmen nennen es Innovation. Früher hätte man es schlicht Neugier genannt – eine sehr gründliche,

sehr gut bezahlte Neugier. Natürlich passiert das alles nur, damit unser Leben einfacher wird. Einfacher bedeutet: weniger klicken, weniger suchen, weniger entscheiden. Und irgendwann vielleicht: weniger verstehen. Denn wer die Vorschläge macht, stellt auch die Auswahl zusammen. Wer die Auswahl zusammenstellt, beeinflusst die Richtung. Und wer die Richtung beeinflusst, muss gar nicht mehr lenken – wir gehen freiwillig. Wir schauen uns das an und reagieren, wie wir immer reagiert haben: mit Skepsis.

Während anderswo der Algorithmus schon weiß, was wir morgen wollen, möchte man hier erst einmal klären, ob er das überhaupt wissen darf. Das wirkt unerquicklich langsam, hat aber einen Vorteil: Es verschafft Zeit zum Nachdenken, bevor man sich begeistert in die eigene Berechenbarkeit einrichtet. Der eigentliche Unterschied liegt im Menschenbild. Im einen Modell ist der Mensch ein Nutzer, Autor, Schreiberling, dem man möglichst viel abnimmt. Im anderen ist er ein Leser, dem man nicht alles abnehmen möchte – schon gar nicht die Kontrolle. Bequemlichkeit ist verführerisch. Sie hat

noch jede Epoche überzeugt, ein kleines Stück Selbstständigkeit gegen ein großes Stück Komfort zu tauschen. Diesmal aber tauschen wir nicht nur Werkzeuge. Wir tauschen Gewohnheiten, Entscheidungen, vielleicht sogar ein wenig Urteilskraft. Der digitale Assistent wird uns das nicht ausreden. Er ist schließlich dazu da, uns zu bestätigen. Und während er höflich fragt, ob er noch etwas optimieren darf, merken wir vielleicht gar nicht, dass wir längst dabei sind, uns selbst zu vereinfachen.

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Hörbuch

Über den Autor

KatharinaK
Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht:
Der Winter ist ein Bösewicht,
die Bäume tragen Schneegewicht,
die Stämme sind kahl
und so schwarz wie ein Pfahl,
die Felder sind weiß
und auf dem See liegt Eis.
In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.

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