Kapitel 1:
Die letzten Schritte als Streetworkerin
Ich stehe am Fenster, die Tränen laufen unkontrolliert. Zehn Jahre Ehe – einfach weg. Und ich, Pamola, bin schwanger, spüre die Bewegungen meines Babys im Bauch und das schwere Gewicht der Verantwortung auf meinen Schultern. Heute kommt Adam, um seine Sachen zu holen. Ich will ihm nicht begegnen, die Sehnsucht nicht spüren, die sofort
hochkriecht.
Also ziehe ich meine Schwangerschaftshosen an, atme tief durch und gehe. Die Arbeit wartet noch. Ein Mann, dessen Bruder vor Jahren verschwunden ist, erwartet mich draußen. Eine traurige Geschichte, die jetzt Teil meines Tages ist.
Es sind meine letzten Arbeitstage als Streetworkerin vor dem Mutterschutz. Danach beginnt etwas Neues – Zeit für mich, für mein Baby. Vielleicht hole ich meine Mutter zu mir, ich weiß, dass sie oft allein ist, und ich weiß, wie es sich anfühlt, jemanden an meiner Seite zu
haben.
Kapitel 2:
Die Entbindung
Dann ist der Tag da. Die Wehen setzen ein, die Zeit scheint stillzustehen und gleichzeitig rast alles. Hebamme Ines ist ruhig, professionell und verständnisvoll. Ihre Stimme gibt mir Sicherheit. „Pam, alles wird gut, du bist stark.“
Nach Stunden voller Anstrengung höre ich endlich das erste Schreien meines Kindes. „Herzlichen Glückwunsch zu einem gesunden Mädchen!“, sagt Ines, und mein Herz springt. Ich halte meine
Tochter zum ersten Mal in den Armen. Sie ist warm, lebendig und riecht nach Leben. Ein überwältigender Moment voller Liebe, Erleichterung und Staunen.
Kapitel 3:
Krankenhauszeit
Die ersten Tage im Krankenhaus sind anders, als ich sie mir vorgestellt habe. Meine Tochter hat kurzzeitig Gelbsucht und muss unter der Wärmelampe bleiben. Ich sehe sie durch das warme Licht, mein Herz zieht sich zusammen und gleichzeitig öffnet sich ein Gefühl der Fürsorge, das mich trägt.
Nach der Entlassung muss ich noch zwei
Tage täglich fünfmal ins Krankenhaus kommen, um zu stillen. Es ist anstrengend, der Rhythmus zerrt an meiner Kraft, aber es ist notwendig. Ich spüre die Nähe zu meinem Kind, die Verantwortung und die Freude, sie gesund und lebendig zu sehen.
Kapitel 4:
Heimkehr und Ankommen zu Hause
Endlich dürfen wir nach Hause. Meine Mutter holt uns ab, trägt die kleine Tasche, und wir steigen ins Auto. Ihr Lächeln beruhigt mich, und ein wenig erleichtert atme ich auf. Zuhause ist es
still, nur die kleinen Geräusche meiner Tochter sind zu hören.
Adam hat sich nicht gemeldet, fragt meine Mutter, aber die Antwort bleibt leer. Ich lege meine Tochter in die Wiege, sehe ihr Gesicht an und atme den Duft ein. Alles andere – Sorgen, Angst, die leeren Räume in meiner Wohnung – tritt für einen Moment zurück.
Meine Mutter hilft, richtet den kleinen Alltag, bringt Tee, wechselt Windeln und summt leise ein Lied. Wir drei, wir kommen an. Es gibt keine großen Antworten, nur kleine Momente, die uns tragen: ein Lächeln, eine Berührung, ein
tiefes Ein- und Ausatmen. Schritt für Schritt.