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Ein Neuanfang/Nur für mich
Die Straße ist still, nur das ferne Rauschen eines Autos in der Ferne, ein leiser Wind streicht durch die Bäume.
Die Sonne sinkt langsam hinter den Häusern, taucht die Welt in ein warmes, goldenes Licht. Ich packe die letzten Sachen ins Auto, spüre das Gewicht der Kartons, die Struktur des Leders in meiner Hand. Die Kofferraumklappe schließt mit einem dumpfen Klang. Ich halte inne, atme tief ein. Bevor ich einsteige, werfe ich einen letzten Blick über die Straße – zu Ellas Fenster. Licht brennt noch, Schatten bewegen sich. Ein letzter Blick, flüchtig, traurig, aber notwendig. Ich schlucke den Kloß im Hals hinunter, ein kleiner Atemzug nur für mich.
Ich steige ein, spüre das Leder unter
meinen Händen, drehe den Zündschlüssel um. Der Motor summt, die Luft riecht nach Asphalt und Sonnenwärme. Ein tiefer Atemzug – endlich weg von den alten Schatten. Um die Ecke sehe ich Ben laufen. Er bemerkt mich nicht, sieht nicht, dass ich verschwinde. Ein flüchtiger Moment, und doch sagt er alles über die Vergangenheit aus. Mein Handy vibriert. Ein Anruf von Ben. Ich sehe die Nummer – drücke weg. Kein Wort, kein Zögern. Hier ist Ruhe. Hier ist ein Neuanfang.
Die Fahrt durch die leeren Straßen fühlt sich seltsam leicht an. Ich lasse den Blick über Häuserdächer, Bäume und
Gärten schweifen. Kein Fensterblick, kein altes Lachen – nur ich, das Summen des Motors und das Gefühl von Freiheit, das sich langsam in meiner Brust ausbreitet.
Endlich halte ich vor meiner neuen Wohnung. Die Schlüssel fühlen sich schwer in meiner Hand an – schwer, weil sie Freiheit versprechen, leicht, weil alles noch so fremd ist. Die Tür öffnet sich mit einem leisen Knarren, der Geruch von frischer Farbe und Holz schlägt mir entgegen, vermischt mit einem Hauch von alten Teppichen, die noch in der Ecke
liegen.
Ich trage die letzten Kisten hinein. Jede Berührung des Kartons fühlt sich an wie ein Schritt weg von der Vergangenheit. Mein Blick fällt auf die Windschutzscheibe des Autos draußen – und erst jetzt bemerke ich den kleinen Zettel, festgeklemmt am Scheibenwischer. Ein Gruß, vielleicht ein Hinweis, vielleicht nur ein Rätsel, das meine Ruhe kurz unterbricht. Ich zucke mit den Schultern. Noch nicht wichtig.
Die Autotür schließt sich hinter mir, ein leises Klicken hallt durch den Flur. Ich stelle die Kisten ab, spüre die leeren
Räume um mich herum, die Stille, die jetzt nur mir gehört. Das Licht fällt durch die Fenster, bricht sich in den frisch gestrichenen Wänden, zeichnet schmale Schattenlinien auf den Boden. Jeder Atemzug fühlt sich tief und befreiend an, und zugleich zieht ein kleines, merkwürdiges Ziehen in meiner Brust – eine Erinnerung daran, dass nichts einfach so endet.
Ich gehe ans Fenster, lehne mich gegen den Rahmen. Draußen ist es still, nur ein Vogel singt irgendwo, die Luft riecht nach frischem Regen, leicht und klar. Ich spüre die Wärme der letzten Sonnenstrahlen auf meinen Händen, höre
die leisen Geräusche der Nachbarschaft: das entfernte Lachen von Kindern, das Knarren einer Tür, das leise Rauschen des Windes in den Blättern. Ich schließe die Augen, fühle mein Herz, meinen Atem, die ruhige Schwere des Augenblicks.
Vielleicht ist alles vorbei. Vielleicht beginnt gerade erst etwas. Ich weiß es nicht, und das ist genau richtig. Ein neuer Atemzug. Ein neuer Anfang.
The End...
Buch 1 ist beendet...