Kapitel 12 – Gedanken im warmen Wasser
Als ich die Wohnungstür hinter mir schließe, spüre ich erst, wie sehr mein Körper schmerzt.
Meine Hände zittern noch leicht. Die Knöchel sind rot, eine kleine Schramme brennt. Der Streit mit Ben hängt mir noch in den Knochen.
Ich gehe ins Bad, drehe das Wasser auf und lasse die Wanne volllaufen. Das
Rauschen erfüllt den Raum und übertönt für einen Moment meine Gedanken.
Langsam lasse ich mich in das warme Wasser sinken.
Die Wärme breitet sich über meinen Körper aus, löst die Spannung in meinen Schultern, aber in meinem Kopf wird es nicht ruhiger.
Immer wieder sehe ich Bens Gesicht vor mir.
Und seine Worte.
„Du liebst sie,
oder?“
Ich schließe die Augen.
Vielleicht hätte ich ihm antworten sollen. Vielleicht hätte ich ihm sagen sollen, dass er sich irrt. Aber wir beide wussten in diesem Moment, dass das eine Lüge gewesen wäre.
Ich starre an die Decke.
Vielleicht sollte ich einfach wegziehen.
Der Gedanke kommt plötzlich, aber er
bleibt.
Eine andere Wohnung. Eine andere Stadt. Eine andere Baustelle. Irgendwo, wo ich nicht jeden Morgen aus dem Fenster schauen und daran erinnert werden muss.
Nicht an Ben.
Und nicht an Ella.
Das warme Wasser wird langsam kühler.
Aber der Gedanke bleibt.
Vielleicht wäre es einfacher, einfach zu gehen.