Kapitel 10 – Ein Atemzug zwischen Angst und Entscheidung
Die Stille nach dem Sturm hallt noch in meiner Wohnung nach. Ich stehe am Fenster, die Hände um die Kaffeetasse geklammert, und versuche, das Bild der Malerin
wieder in meinem Kopf aufzurufen – die feinen Linien, die Schatten, die Nuancen von Nähe und Distanz. Ein Moment, der mich beruhigt, während draußen das
Chaos nachwirkt.
Der Krach, die Schreie, Tims Wut – alles liegt schwer in der Luft. Ich frage mich, was ich tun soll. Soll ich eingreifen? Soll ich mich zurückziehen? Ich weiß nur, dass ich ein stiller Zeuge war, unfähig zu handeln, gefesselt von der eigenen Angst, von der Unsicherheit, von der Sehnsucht nach Ella.
Ich lehne mich zurück, lasse mich auf die Eckbank sinken. Meine Gedanken kreisen: Die Trennung, die Montage, die Winterabende, die kleinen Momente, in denen Nähe möglich war, aber nie greifbar. Ella… sie ist so nah und doch
unerreichbar.
Ich atme tief durch. Irgendetwas muss ich tun – oder zumindest einen Plan schmieden, wie ich damit umgehe. Ich weiß, dass dieser eine Augenblick alles verändert hat. Ich bin kein passiver Beobachter mehr. Etwas muss geschehen, sonst wird mich die Stille zerreißen.
Ein Atemzug entfernt liegt die Entscheidung – und ich spüre, dass ich bereit bin, den nächsten Schritt zu gehen, wie immer vorsichtig, wie immer leise, aber nicht mehr nur Zuschauer.