Kapitel 9 – Der Krach vom anderen Haus
Ich stehe noch am Fenster, die Tasse in der Hand, als das Türenschlagen nachhallt. Mein Herz rast. Ich merke, wie sich der Knoten in meinem Magen zusammenzieht. Irgendetwas stimmt hier nicht.
Dann höre ich Ellas Stimme, scharf und aufgeregt, gefolgt von Tims. Ein Rufen, ein Poltern, ein Knall – als würde das Haus selbst beben. Ich weiß sofort, dass es ernst ist. Die beiden streiten, wütend, unvermittelt.
Ich will mich abwenden, will mich nicht
einmischen, will nicht der stille Beobachter in diesem Moment sein. Doch etwas hält mich, wie ein Magnet. Ich kann nicht wegsehen.
Die Schatten hinter Ellas Fenster flackern, sie gestikuliert, er brüllt. Ich spüre die Angst, die Wut, die Verzweiflung – alles durch die dünne Wand meiner eigenen Wohnung gedrungen.
Meine Finger umklammern die Tasse, die ich kaum noch halten kann. Das Bild der Malerin kommt mir wieder in den Sinn –
– Linien und Schatten, Nähe und Distanz, alles gleichzeitig. Ein Symbol für das, was ich fühle: nah dran, aber
unberührt.
Der Streit erreicht seinen Höhepunkt. Ein weiterer Schlag auf die Tür lässt mich zusammenzucken. Dann Stille. Ein Atemzug, ein Flüstern, ein leises Knarren des Bodens. Ich weiß, dass nichts mehr wie vorher sein wird.