Kapitel 8 – Ein Atemzug zwischen Licht und Schatten
Der Regen hat nachgelassen, und die Sonne kämpft sich zaghaft zwischen den Wolken hindurch. Ich sitze an meiner Eckbank am Fenster, die Tasse Kaffee noch halbvoll. Die Stille in meiner Wohnung wirkt tiefer als sonst, die Montage und die Baustelle weit weg – nur die Gedanken an Ella bleiben.
Mein Blick fällt auf das Haus gegenüber. Die Fenster spiegeln das Licht des frühen
Nachmittags, und für einen Moment scheint alles still zu stehen. Ich erinnere mich an das Sommerfest der WBG, den Sonnenschein, die bunten Tische, die Musik. Damals hatten wir uns kurz gesehen – ein flüchtiges „Hallo“, ein Lächeln, und doch blieb dieser Moment in meinem Gedächtnis hängen. Jetzt, direkt gegenüber, wirkt alles so nah und doch unendlich weit.
Leise Stimmen dringen zu mir herüber, Kinderlachen, Schritte, ein Rascheln im Flur. Alles nur flüchtig, alles nur ein Hauch von Leben, das sich zwischen den Wänden
abspielt.
Ich nehme einen tiefen Schluck Kaffee. Das Bild der Malerin kommt mir wieder in den Sinn – die feinen Linien, die Schatten, die Nuancen von Nähe und Distanz. (
?)
Ein Symbol für alles, was ich fühle: nah, aber unerreichbar. Und doch gibt es diese
kleinen Momente, die die Welt für einen Augenblick heller machen.
Dann, plötzlich, ein lautes Türenschlagen aus dem Haus gegenüber. Mein Herz zieht sich zusammen, die Stille zerreißt. Etwas ist anders. Etwas wird geschehen, das alles verändern könnte.