Kurzgeschichte
Ein Atemzug entfernt Kapitel 5

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"?Er sieht sie nur aus der Ferne. Ein Blick, ein Moment ? und die Sehnsucht bleibt.?"
Veröffentlicht am 09. März 2026, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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?Er sieht sie nur aus der Ferne. Ein Blick, ein Moment ? und die Sehnsucht bleibt.?

Ein Atemzug entfernt Kapitel 5



Kapitel 5 – Ein Atemzug entfernt:

Geheimnisse unter Regen & Begegnung in der Bäckerei

Es regnet stark, und der Schirm schützt mich nur mäßig vor dem Guss, als ich an der kleinen Bäckerei vorbeigehe. Ich wollte Ben treffen – einen Männerabend, Karten spielen, einfach mal nicht an Ella denken. Doch dann bleibe ich stehen, als ich sie im Schaufenster sehe. Ellen. Sie steht in der Schlange vor der Theke,

der Regen tropft von meinem Schirm, der inzwischen völlig durchnässt ist. Ben ist überraschenderweise auch da, obwohl wir uns doch eigentlich für den Abend verabredet haben. Er, immer auf Achse, spielt nebenbei in einer kleinen Band und scheint selbst an diesem regnerischen Tag unterwegs zu sein. Die Tür zur Bäckerei steht einen Spalt offen, und ein schwacher Windzug trägt ihre Worte nach draußen. Durch diese kleine Öffnung kann ich ihr Gespräch hören. Ihr Gespräch ist locker und

vertraut. Ben lacht, als er auf den Käsekuchen schaut, ihren Lieblingskuchen. „Käsekuchen zum Abendessen, wirklich?“, sagt er mit einem Grinsen, das irgendwie zu gut gelaunt für meinen Geschmack klingt. Ich kann nicht anders, als mich zu fragen, wie gut sie sich eigentlich kennen. Aber es geht mich nichts an, oder? Sie spricht mit ihm, lacht mit ihm – und das tut mir weh. Ben ist ein Frauenheld, immer auf der Jagd nach einer neuen Affäre, aber was,

wenn er sich diesmal anders fühlt? Was, wenn er Ella für sich gewinnen will, so wie ich es nie gewagt habe? Ich merke, wie meine Eifersucht in mir hochkriecht. Aber ich kann nichts tun. Ich kann ihnen nicht hinterhergehen, sie stören. Die Vorstellung, sie in diesem Moment zusammen zu sehen, reizt mich zu sehr. Ich will Ben nicht mit Ella teilen, aber ich weiß, dass es nichts gibt, was ich dagegen tun könnte. Vielleicht ist es einfach nur der Gedanke, dass sie etwas haben, was mir für immer verwehrt bleiben

wird. Ein kurzer Blickwechsel zwischen Ella und mir, fast unmerklich. Ihr Lächeln. Es trifft mich wie ein Schlag. Ich weiß, dass sie jemand anderem gehört, dass ich nie an sie herankommen werde. Aber dieser kleine Moment, dieser flüchtige Blick, reicht aus, um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich schüttle den Kopf, drehe mich um und gehe weiter, ohne einen Schritt in die Bäckerei zu machen. Ich will nicht in ihre Nähe kommen, will

nicht hören, was sie sich noch zu sagen haben. Die Wärme der Bäckerei, der Duft von frisch gebackenem Brot und Kaffee, all das dringt von außen zu mir, aber ich will es nicht. Ich will nichts mehr sehen, nichts mehr hören.

Ich bleibe draußen stehen, der Regen trommelt leise auf meinen

Schirm. Für einen Moment fühle ich mich leer. Nichts von dem, was ich erhofft hatte, wird je wahr werden. Und trotzdem bleibe ich hier, einfach stehen, in diesem Moment. Vielleicht ist es besser so.

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drachenzaehmer

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