Bildnachweis:
Die Fotos der Blumen in dieser Geschichte wurden von mir selbst aufgenommen, auch das Coverbild.
Das Bild des Blumendrachens stammt von Pixabay, der Künstler ist, Jcoope 12
„Ich bückte mich, um den Krokus zu berühren.“
Maiglöckchen
Heute war ein besonderer Tag. Die Sonne schien warm auf meine Schuppen, und ein leichter Wind spielte in meinen kleinen Flügeln. Ich hüpfte vorsichtig durch die Wiese, die noch feucht vom Morgentau war, und überall lugten winzige Krokusse aus dem Gras. Lila, gelb, weiß – wie kleine, bunte Sterne auf der Erde.
„Oh, wie schön ihr seid!“, flüsterte ich und schnupperte vorsichtig an den Blumen. Ich wollte sie nicht zerdrücken, also bewegte ich mich langsam, wie ein Tänzer. Jeder Schritt fühlte sich an wie
ein kleines Abenteuer. Mein Herz klopfte schneller, und plötzlich spürte ich ein Kitzeln in meiner Brust – so etwas Schönes hatte ich noch nie gesehen.
Mitten zwischen den Krokussen setzte ich mich hin und breitete vorsichtig meine Flügel aus. Die Blumen schienen mit dem Wind zu tanzen, und ich hatte das Gefühl, sie würden mir zuzwinkern. „Habt ihr das auch gespürt?“, murmelte ich leise. „Die Welt kann so klein sein und gleichzeitig so groß.“
Plötzlich raschelte es hinter einem Haufen Blätter. Ein kleiner Marienkäfer krabbelte hervor und kletterte neugierig
an meinem Schuppen vorbei. Ich lächelte. „Keine Angst, ich tue dir nichts. Schau nur, wie schön die Krokusse blühen.“
Dann bemerkte ich etwas Beunruhigendes: Ein Windstoß hatte ein paar zarte Blütenblätter von den Krokussen gelöst. Sie rollten davon, als wollten sie weglaufen. Schnell breitete ich meinen warmen Lichtnebel aus – das, was ich immer benutze, um Dinge zum Leuchten zu bringen. Die Blüten blieben in der Luft schweben, funkelten wie kleine Sterne, und ich konnte sie vorsichtig wieder auf die Erde legen.
„Puh“, seufzte ich erleichtert. „So, jetzt
seid ihr wieder sicher.“ Die Krokusse nickten fast dankbar, als ob sie verstanden, dass ein kleiner Blumendrache auf sie aufpasste.
Ich rollte mich in der Sonne zusammen, schloss die Augen und ließ die Wärme auf mir ruhen. Manchmal muss man einfach still sitzen, die kleinen Dinge ansehen und staunen. Heute waren es die Krokusse, und ich, der kleine Blumendrache, fühlte mich besonders stark und glücklich.
„Vielleicht bin ich nicht der Drache, der Feuer spuckt oder hoch fliegt“, dachte ich. „Aber ich kann Licht und Freude schenken.“
bringen. Das ist auch eine besondere Gabe.“
Maiglöckchen die sich verneigen.
Und so blieb ich noch eine Weile in der Wiese, zwischen den Krokussen, und hörte dem leisen Summen der Bienen und dem Rascheln der Blätter zu. Denn kleine Abenteuer können auch ganz leise sein – und sie können das Herz ganz groß machen.