Frühlingsreigen
Gedicht
von
Flocke
Die Tage werden täglich etwas länger,
ich muss nicht mehr im Dunkeln aus dem Haus.
Im Städtchen hört man wieder Straßensänger,
Herr Müller geht jetzt gern mit Waldi raus.
Er sagt, er will die Frühlingsfreude teilen
und schwärmt, es läg schon Flieder in der Luft.
Ganz viel im Freien will er jetzt verweilen,
er liebe diesen wundervollen Duft .
Es grünt und blüht schon auf der Wiesen Meere
das Gras sehnt sich nach Sonne, so wie ich.
Im Vogelhäuschen herrscht stets Futterleere,
hier fressen alle um die Wette sicherlich.
Die Amsel sang ganz früh, lud ein zum Träumen,
dass sich ein Drosselmann in sie verliebt.
Auch Starenvögel sitzen schon in Bäumen,
liebäugeln wo es schöne Kästen gibt.
Wenn ich heut heim komm, werde ich was kochen,
mein Küchenherd, er blieb schon lange kalt
und in der Truhe liegt seit vielen Wochen
ein Suppenhuhn, das wird mir sonst zu alt.
Frau Krüger hat das Fenster auf, ich höre,
wie sie Klavier spielt und dazu laut singt,
dazwischen plärrt die Stimme ihrer Göre,
die heimlich aus der Whiskyflasche trinkt.
Wir Nachbarn werden uns nun öfter sehen,
im Winter klingelts nur, wenn wer was braucht.
Doch manchmal seh ich Horst im Garten stehen,
weil er dann eine Zigarette raucht.
Heut nehm ich Abschied von den Wintertönen,
mein Herz wiegt sich in Frühlingsmelodien,
am Abend werde ich mich selbst verwöhnen
und wieder fröhlich um die Häuser ziehn.