Kapitel 2 – Ein Atemzug entfernt: Traum & Morgen
Ich erwachte und spürte sofort ihre Nähe. Ein leichter Schauer lief über meinen Rücken, und mein Herz schlug schneller. Neben mir lag sie, still und friedlich, ihr Haar schimmerte im Mondlicht, und die Wärme ihres Körpers zog mich magisch an. Doch als ich die Augen öffnete, holte mich die Wirklichkeit zurück. Die Wärme war verschwunden. Ich lag allein in meinem Bett, der kalte Wintermorgen kroch durch meine
Wohnung.
Ich hatte geträumt. Wieder von ihr.
In meinem Traum war sie bei mir. Ihre Hand lag in meiner, ich konnte ihren Duft riechen, die Nähe spüren, die ich mir so oft gewünscht hatte. Ihr Lächeln war sanft, vertraut, ihre Augen so intensiv, dass ich sie fast berühren konnte.
Die Spannung zwischen uns wuchs wie ein leiser Tanz – ein Spiel aus Blicken, kleinen Berührungen, ungesprochen und doch so nah. Doch in dem Moment, als ich mich ihr näherte, verschwand sie. Ein
flüchtiger Moment, so nah und doch unerreichbar. Ein Atemzug entfernt, und doch unendlich weit.
Da klingelte der Wecker. Das vertraute Geräusch riss mich aus dem Traum. „Doofer Wecker!“, murmelte ich leise, während ich nach dem klingelnden Gerät griff. Die Stille meiner Wohnung, das leise Ticken der Uhr und der kalte Raum empfingen mich. Der Traum verblasste langsam, doch die Sehnsucht blieb. Ein leises Lächeln blieb auf meinen Lippen, als ich mich in den Tag kämpfte.
Ich setzte mich auf, rieb mir die Augen und atmete tief durch. Der Blick aus dem
Fenster, der sanfte Schneefall und das Licht hinter Ellas Fenster erinnerten mich daran, dass sie nur ein Atemzug entfernt war – in meinen Gedanken, immer noch da, und doch nie wirklich nah.
Ich griff nach meiner Kaffeetasse, trank langsam und ließ die Erinnerung nachklingen. Ein Hauch von Wärme blieb.
Auf dem Tisch lag das Buch mit den Kreide-Umrissen einer Frau, das ich neulich von der Malerin bekommen hatte.
Ich blätterte kurz hindurch, die feinen Linien und Schatten erinnerten mich daran, wie nah und doch unerreichbar Nähe sein kann. Dann legte ich es beiseite und sah wieder aus dem Fenster, zu Ellas Licht, zu dem Atemzug, der zwischen uns lag.
Träume waren flüchtig. Realität anders. Aber manchmal reichte ein Atemzug, eine Erinnerung, ein kleines Detail – der Duft von Pfannkuchen, der Klang von Musik, das Licht hinter einem Fenster –, um die Welt ein kleines Stück heller zu machen.