Experiment
Einleitung:
Nach einem ausgedehnten Spaziergang sitze ich mit Stift und Kladde bei einem Latte Macchiato gemütlich im Cafe und überlege, was ich schreiben kann. Weil ich mir vorgenommen habe, meine Vergangenheit „ruhen“ zu lassen, überlege ich krampfhaft, worüber ich schreiben könnte. Ich denke darüber nach, dass ich ein Experiment wagen möchte und wünsche mir, etwas zu schreiben, was mich überhaupt nicht betrifft. Zunächst denke ich, dass mir mein Verstand nichts „liefern“ kann, was
ich nicht in irgendeiner Weise erlebt oder zumindest beobachtet habe. Nach den ersten schmackhaften Schlucken des Latte Macchiato kommt mir die Idee, einen ausgefallenen Namen zu suchen und über diese fiktive Person zu schreiben. Zunächst denke ich an den Namen „Mirabella“, da schmunzele ich, denn der Namen enthält meine bisherige Protagonistin. Nein, es muss ein anderer Name her und der Bequemlichkeit halber google ich „seltene Frauennamen“ und von den vier Vorgeschlagenen gefällt mir „Allegria“ am ehesten. Natürlich möchte ich nun auch wissen, was der Name bedeutet und „google“ liefert mir die Bedeutung des im Spanischen und
Italienischen vorkommenden Namens: „Freude, Fröhlichkeit, Glück“. Na wie schön, denke ich, dass ist wirklich etwas Anderes!
Ich setze also meinen Kugelschreiber an der nächsten unbeschriebenen Seite an, schreibe wie üblich das Datum oben rechts, darunter links den Namen „Allegria“ mit seinen Bedeutungen und wie von selbst beginnt meine Hand etwas zu schreiben, während mein innerer Beobachter dabei staunend zusieht.
Als ich irgendwann feststelle, dass mein Latte leer ist und nur noch ein bisschen vom Schaum an den Glasrändern klebt, klappe ich die Kladde zu und murmle; „Was ist das denn? So was kann ich im
Leben nicht veröffentlichen!“
Doch auf dem Weg zum Bus entdecke ich plötzlich die herrlich rote Verfärbung am Himmel durch den Sonnenuntergang und ich freue mich darüber, gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und so fühle ich mich ein bisschen mutiger und fasse den Entschluss; Experiment ist Experiment. Also habe ich den spontanen Text Zuhause überarbeitet und einem Ende zugeführt.
Allegria
Allegria wurde von ihren Zofen im beheizten Vorraum zum Bad sachte und behutsam ausgekleidet. Ein mächtiger Leinenvorhang schütze die jungen Frauen vor den Blicken der männlichen Hausangestellten und Knechte, welche das heiße Wasser in Kesseln zum Bade trugen. Während Daria und Eileen die bauschigen Ärmel des Rokokokleides anhuben, halfen Lotus und Verona der feinen Dame mit den kastanienbraunen Locken aus dem kostbaren Kleid heraus, welches die Zofen mit glättenden Handbewegungen geübt über die massive
Truhe legten. Eileen öffnete geschickt mit ihren geübten Fingerspitzen die langen Bänder der Schnürbrust, dann hielt sich Allegria vertrauensvoll an den Händen der anderen Zofen fest, um der weißen stützenden Korsage und dem Rüschenunterrock zu entsteigen. Nur noch mit dem Baumwollunterhemdchen bekleidet wartete Allegria, bis auch ihre Zofen sich bis auf ihre langen Leinenunterhemden entkleidet hatten. Daraufhin schicke sie Daria zum Badesaal vor, um das Handzeichen des Hausdieners abzuwarten, welches den Zofen das Ende des Wassereinlassens anzeigen würde.
Als die Zofe wieder auf der Innenseite
des schweren Vorhangs erschien, befreiten Verona und Lotus Allegria aus dem Baumwollunterhemd. Nun schüttelte die bildhübsche Schönheit ihre dunklen Locken und ließ sich von ihren Zofen an dem Vorhang vorbei in den Baderaum begleiten. Das aus handgefertigten Fliesen bestehende, mit goldenen Ornamenten verzierte, Bad war bereits vom Wasserdampf vernebelt und alle Hausangestellten hatten geräuschlos den Raum verlassen. Allegria trat mringt von ihren jungen Zofen an den Beckenrand. Leise summend stützten die vier Frauen in weißen Unterhemden ihre Herrin, und führten sie sanft durch das Wasser bis zum Sockel aus Marmor, auf dem
Allegria mit ihren perfekten weichen Rundungen Platz nahm. Die Zofen ihrerseits schütteten am Beckenrand das bereitgestellte teure Patchouli-Öl von der kleinen Glaskaraffe auf ihre Naturschwämme und widmeten sich liebevoll ihrer Aufgabe, den ebenmäßigen weiblichen Körper der adeligen Allegria mit gleichmäßig sanften Bewegungen zu reinigen. Augenblicklich mischte sich der erdige Duft von Patchouli mit dem aufsteigenden Wasserdampf und tauchte die Stimmung der Frauen in ein genussvolles Bad. Allegria ließ ihre Augenlieder sinken und erlaubte sich, die wohltuende Entspannung zu genießen.
Daria und Eileen strichen sich ihre am Körper klebenden nassen Hemdchen glatt, während Lotus und Verona ihre Hemdchen der Leichtigkeit halber unter ihre hängenden Brüste schoben, um sich im Wasser besser bewegen zu können. Die Zofen stimmten ein Gayatri-Mantra an, zunächst langsam und leise, und mit jeder sanft massierenden Bewegung sangen sie es etwas lauter, bis auch Allegria in den beruhigen monotonen Gesang mit einstieg. Die kreisenden Bewegungen der Naturschwämme wurden nicht mehr durch die Willenskraft der Zofenhände gelenkt, sondern richteten sich nach dem spürbaren Wunsch der atemberaubenden Schönheit nach
Berührung, nach Patchouliduft, nach Zärtlichkeit, nach Klang und Wärme. Bald wurden die Schwämme der Wasseroberfläche überlassen und zarte Zofenhände massierten den zierlichen Hals von Allegria, ihre glänzenden hübschen Arme, die schmale Taille, das weiche sitzende Becken und die lustvollen Innenseiten der Schenkel.
Nach einer geraumen Zeit des intensiven körperlichen Genusses im wohl duftenden warmen Bad hob Allegria ihren rechten Arm zum Zeichen dafür, dass sie ihr Bad beenden möchte und veranlasste somit, dass der Singsang leiser wurde und zwei ihrer Zofen die Berührungen beendeten, um die großen
Handtücher zu holen. Die anderen Beiden strichen daraufhin mit ausgestreckten glatten Händen den ebenmäßigen Körper der Herrin in Bodenrichtung aus, um ein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen. Dann begleiteten sie Allegria stützend zum Beckenrand, wo Eileen und Verona mit den großen Handtüchern warteten, um die frisch gebadete Dame des Hauses mit sanft klopfenden Bewegungen zu trocknen und anschließend in ein großes mit bunten Blüten besticktes Baumwolltuch einzuhüllen. Nun standen die vier Zofen in ihren am Körper klebenden nassen Unterhemden um Allegria herum und warteten still auf Allegrias Wahl, welche
von ihnen ihre Schönheit in das private Gemach zur weiteren Körperpflege begleiten sollte. Heute wählte Allegria ihre jüngste Zofe Lotus aus.
Ende