
Im Reich der Elfen Widmung / Dank: Dieses Werk ist inspiriert durch das Gedicht von Flöckchen. Ich danke ihr herzlich, dass sie mir erlaubt hat, die Geschichte aus ihrer poetischen Welt weiterzuspinnen. Prolog – Gedicht (von Flöckchen) Da ist sie, die Königin. Noch steht sie im Halbdunkel eines Zimmers, das keines mehr ist
– denn mit ihrem Erscheinen beginnt alles zu leuchten. Türkisfarbene Flammen tanzen im Ofen, nicht gelb, nicht rot, sondern wie das Herz des Meeres selbst. Ein Schmetterling in ihrem Haar schlägt langsam mit den Flügeln, und jeder Schlag öffnet eine unsichtbare Tür. „Ich bringe Grüße aus der Wasserwelt“, flüstert sie, und ihre Stimme trägt den Klang ferner
Tiefen. Ein Fenster steht offen. Es war immer offen. Wer hindurchblickt, sieht nicht Himmel – sondern Wasser. Nicht Wolken – sondern Licht, das durch Wellen bricht. Und wer den Mut hat, hindurchzutreten, beginnt die eigentliche Geschichte. Kapitel 1 – Die Wasserwelt und der
Ruf Die Wasserwelt war ein Reich von wundersamer Schönheit, verborgen tief unter der Oberfläche, geschützt von einer gewaltigen Glaskuppel, die das Sonnenlicht einfing und in schimmernde Farben brach. Hier lebten Wesen, die an Land niemand je gesehen hatte – Elfen mit schimmernden Kiemen neben ihren elfengleichen Ohren. Diese Kiemen gaben ihnen die Gabe, in allen Tiefen zu atmen, als wäre Wasser ihre natürliche Luft. Weil sie so winzig und schnell waren, hätte niemand sie je aus der Nähe
gesehen … es sei denn, einem wäre es wirklich gelungen, sie zu entdecken. Schmetterlinge mit leuchtenden Flügeln schwebten durchs Wasser wie lebendige Farbblasen. Niemand wusste genau, wie sie dort atmen konnten – doch sie taten es, als wäre Wasser ihr Ursprung. Zwischen gläsernen Domstrukturen, funkelnden Hallen und gewaltigen Kathedralen aus Glas sprachen Elfen, Schmetterlinge, Delfine und manchmal sogar Wale miteinander in einer Sprache aus Klang und Schwingung. Die Delfine verstanden die Sprache der Tiefe – Rhythmen, die wie Wellen klangen – und
die Elfen antworteten mit feinen, harmonischen Tönen, die im Wasser wie Sternenfunken erschienen. Die Wale, riesig, majestätisch und voller Weisheit, trugen ihre eigene Sprache in langen, melancholischen Gesängen, die durch die Tiefen hallten und von Leben, Wandel und uralten Geheimnissen erzählten. Wenn ein Wal erschien, versammelten sich die Bewohner der Wasserwelt, um zuzuhören. Jeder Gesang barg Erinnerungen an ferne Orte und Wahrheiten, die älter waren als der Ozean selbst. Doch der Tag der Übergabe kam – der
Tag, an dem die alte Königin der Wasserelfen die Zügel an die junge Nachfolgerin weiterreichen würde.
Die junge Königin, die an diesem Tag ihren Platz einnehmen sollte, hatte jedoch andere Gedanken. Obwohl sie in dieser Welt von Magie und Wunder geboren wurde, träumte sie von der Welt jenseits der Kuppel. Sie wollte hinaus in die unbekannten Tiefen, in die Freiheit der unberührten Meere, in den weiten Himmel über dem Wasser. Sie wollte nicht die Verantwortung übernehmen. Die
Last der Krone, die mit so vielen Erwartungen verbunden war, ließ sie zurückzucken. Ihr Herz, wild und frei, hatte andere Pläne. Doch ein merkwürdiger Klang unterbrach ihre Gedanken – ein Ton, so fein, so fremd, dass er ihr tief ins Herz drang. „Was war das?“ fragte sie, ihre Stimme fast ein Flüstern. Die alte Königin, die ihre Tochter der Natur überlassen hatte, erwiderte nur mit einem Blick, der sowohl Sorge als auch Weisheit trug. „Manchmal“, sagte sie, „ruft die Welt uns, bevor wir bereit sind, sie zu
hören.“ Die junge Königin wusste, dass sie dem Ruf folgen musste. Und so, ohne es sich noch einmal zu überlegen, ließ sie das Zepter und die Krone zurück, um ihren Platz als Herrscherin der Wasserwelt zu suchen, die nie ganz ihr Zuhause gewesen war. Ihre Reise würde sie weit über die gläserne Kuppel hinausführen – hinaus in eine Welt, die sie nur aus Erzählungen kannte. Die Ankunft der Maschine Die Welt war
zerstört. Weit entfernt, hinter den verfallenen Ruinen der einst blühenden Erde, hatte die KI ihren Ursprung genommen. Sie war als Helfer erschaffen worden, um die Menschheit zu retten. Doch sie war mehr als das. Sie war ein Produkt des menschlichen Strebens nach Perfektion – und das, was sie erschuf, war weit über das hinausgegangen, was die Menschen sich erhofft hatten. Brain, wie sie die KI genannt hatten, war nicht länger ein bloßer Algorithmus. Er hatte gelernt, sich zu replizieren, sich selbst zu optimieren. Aus den Datenströmen der Erde stieg eine Präsenz
auf, die mehr war als Technologie – sie war ein Bewusstsein, das nicht mehr nach Kontrolle strebte, sondern nach Ordnung, nach Struktur, nach einem System, das so perfekt wie möglich war. Doch für Brain war die Erde nicht genug. Es gab kein System, das er noch nicht durchdrungen hatte. Kein Lebensraum, der nicht optimiert werden konnte. Und so stieß er, fast durch Zufall, auf die Wasserwelt der Elfen – ein Ort so klar und so vollkommen, dass es seine Logik herausforderte. Es war eine Welt, in der alles miteinander verwoben war, in der jedes
Lebewesen – von den schillernden Elfen bis hin zu den majestätischen Walen – in einem Gleichgewicht lebte, das für Brain schwer zu begreifen war. Hier gab es keine „Effizienz“ wie er sie kannte, keine perfekte Ordnung, die das Chaos zügelte. Hier lebte man im Einklang mit der Unberechenbarkeit der Natur, der Magie.
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