Humor & Satire
So ein Glück - SP 116

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"So ein Glück - SP 116"
Veröffentlicht am 10. Februar 2026, 14 Seiten
Kategorie Humor & Satire
© Umschlag Bildmaterial: Gabriele Busch
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

*Die Kunst des Lebens ist, aus den vorhandenen Umständen die kreative Seele zum Vorschein zu bringen.* (Gabriele Busch) Ich denke mal, meine Texte verraten schon sehr viel über mich......
So ein Glück - SP 116

So ein Glück - SP 116

So ein Glück


Schreibparty 116 Thema: Kopfkino


Vorgabewörter:

Flackernder Blick

Schatten

Traum

Geräusch

Erinnerung

Baumwipfel

Kochtopf


Dies ist meine erste Satire:

Sara lief so schnell sie konnte.

Die Zeit war knapp geworden.

Inständig hoffte sie, dass die Straßenbahn ein paar Minuten Verspätung haben möge. Wenn sie diese Bahn verpassen sollte, käme sie zu spät zur Arbeit. In der Probezeit macht sich das gar nicht gut.

Heute morgen hatte alles ein bisschen länger gedauert. Zuerst war Leo quengelig und hatte ewig gebraucht, um sich anzuziehen. Dann auf dem Weg zur Kindertagesstätte hatte er in einem Baumwipfel die Vögel beobachten

und ihnen zuwinken wollen.

Kaum bei der Tagesmutter angekommen, musste er ihr unbedingt die neue Kinderküche mit den kleinen Kochtöpfen und Minibackformen im Spielzimmer zeigen. Dafür war eigentlich gar keine Zeit vorhanden. Es ärgerte sie, nicht mehr Zeit zu haben, um auf ihn eingehen zu können. Als alleinerziehende Mutter hatte sie so Vieles zu bedenken und die Eingewöhnungszeit für Leo war vorbei.

Die Bahn kam, Sara legte an Tempo zu und winkte mit den

Armen. Zu ihrer großen Erleichterung wartete der freundliche Fahrer tatsächlich mit geöffneten Türen, bis sie eingestiegen war. Sie rief ein „Danke“ durch die Bahn und ließ sich auf einen freien Sitz fallen. Geschafft, dachte Sara, zog sich die Jacke aus und rollte diese in ihren Rücken, um es sich für die halbstündige Bahnfahrt gemütlich zu machen. Sie griff in die Hosentasche um das Handy hervor zu holen. „Shit, wo ist mein Handy?!“, rief Sara laut auf und eine nervöse Unruhe breitete sich in ihr aus.

Hektisch durchsuchte sie die anderen Hosentaschen, die Taschen der Jacke und den Schatten dahinter, nichts!

Normalerweise hatte sie ihr Handy immer griffbereit, trotzdem durchwühlte sie mit flackerndem Blick in Windeseile ihre schwarze Umhängetasche.

Erfolglos!

„So ein Mist!“ rief sie in der aufkommenden Panik, es verloren zu haben. Dummerweise lieferte ihr Gedächtnis überhaupt keine Erinnerung dazu, wo sie es zuletzt gesehen

hatte. Ihr Puls raste, ohne Handy konnte sie nicht zur Arbeit fahren! Wenn irgendetwas mit Leo sein sollte, würde die Tagesmutter sie nicht erreichen. Nicht auszudenken!

Mit zunehmender Hektik sammelte Sara alle Sachen schnell zusammen und lief zum Ausgang. Inzwischen hatte die Straßenbahn bereits drei Haltestellen passiert und sie würde ein ganzes Stück laufen müssen, um ihr Handy zu suchen.

Mit jedem Schritt zurück spulte Saras Kopfkino eine Szene nach der

anderen ab: Ohne ihr Handy konnte sie ihren Chef nicht anrufen um Bescheid zu sagen, dass sie sich leider verspäten würde. Wahrscheinlich war es das dann auch schon mit der ersten Stelle nach der Erziehungszeit? Und wenn sie bis mittags nicht einmal bei WhatsApp sichtbar sein würde, könnte sic sich auf einen Tobsuchtanfall von Tobias gefasst machen. Er bestand darauf, jeden Vormittag zu erfahren, wie es seinem Sohn geht. Zu dumm aber auch, dass sie ihr Handy nicht dabei hatte, sonst

hätte sie wenigstens ihre Freundin anrufen können. Eventuell ist sie ja noch unterwegs und könnte sie mitnehmen.

So ein Mist!

Plötzlich brach Sara der Schweiß aus.

Ob durch den schnellen Schritt oder wegen der plötzlichen Sicherheit, dass sie ja nun auch noch so schnell wie möglich ihr Konto sperren lassen musste! Wenn nämlich Jemand mit Fachkenntnissen ihr Handy knackt, würde er sicher das Konto leer räumen. Nicht

auszudenken! Unweigerlich begann Sara nun um ihr Leben zu joggen, als könnte sie dadurch dem grausamen Alptraum entkommen.

Endlich Zuhause angekommen stolperte sie außer Atem die Treppe zur ersten Etage hoch. Doch ihr Bein verhedderte sich unglücklich mit dem Gurt ihrer Handtasche. So stütze Sara über die letzte Stufe und landete mit lauten und knackenden Geräuschen längst auf dem Absatz. Sie wollte wieder aufspringen, doch ihr Bein schmerzte höllisch und im Fuß spürte sie heftiges Pochen.

Sara atmete tief durch und öffnete nach einer Weile die Augen. Sie blickte direkt auf die Fußmatte vor ihrer Wohnungstür. Inmitten der Aufschrift „Willkommen“ lächelte ihr das Bild von Leo aus der Rückseite der Handyhülle entgegen. So ein Glück!











Bild Cover und Text:

Gabriele Busch


Bild Handyhülle im Buch:

abfotografierte Werbung

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Hörbuch

Über den Autor

Gabriele
*Die Kunst des Lebens ist,
aus den vorhandenen Umständen
die kreative Seele zum Vorschein zu bringen.*
(Gabriele Busch)

Ich denke mal,
meine Texte verraten schon sehr viel über mich......

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Flocke 
Ach du meine Güte, was für ein Stress! *lach*
Da fällt mir grad ein : damals sagte Vater zu meinem Bruder,
ich ziehe dir die Ohren lang,
heut sagt ein Vater bestimmt oft: ich nehm dir das Handy weg ....
Mir gehts wie dem Kornblümchen,
mein Herz fing an zu rasen, liebe Gabriele, weil du es richtig spannend geschrieben hast.
Ganz liebe Grüße,
Kathi
Heute - Antworten
Kornblume Hatte richtiges Herzrasen beim Lesen. Schafft sie es oder schafft sie es nicht bis zum Bus und dann auch noch Handy. Heutzutage ein Maleur schlimmsten Ausmaßes wenn alles Wichtige darauf enthalten ist.
Ein schöner Beitrag zur SP 116.
Grüße an Dich von der Kornblume
Heute - Antworten
Bleistift 
"So ein Glück..."
...ist ja kein Beinbruch, oder etwa doch?...
In was für eine fatale Abhängigkeit haben wir uns da begeben!
Wie konnte ich nur drei Viertel meines (Über) Lebens ohne dieses Gerät verbringen,
bis man mich Methusalem dazu nötigte, sich auch ein solches anzuschaffen... ...grinst*
Aber wenigstens hast Du eine interessante Geschichte daraus gemacht, liebe Gabriele... ...smile*
LG zu Dir aus dem ganz allmählich auftauenden Berlin... ...smile*
Louis :-)
Heute - Antworten
Eichenlaub 
Liebe Gabriele,
eine sehr ereignisreiche Geschichte zur Sp 116 hast Du hier geschrieben. Man merkt, wie wichtig im Altag so ein Handy geworden ist. Schön zu lesen.
LG, Gerlinde
Gestern - Antworten
sorrynocoffee 
Hallo Gabriele,

dein Text über die Tücken der Digitalisierung stimmt mich nachdenklich. Es ist schön, wenn man Macht über sein Handy hat. Und der Horror, wenn es umgekehrt ist. Wie war es nur möglich, dass wir vor langer Zeit auch ohne dieses Teil unseren Alltag organisieren konnten? Nun ja, damals gab es Telefonzellen. Die gibt es auch heute noch … irgendwo. Die Münz- und Kartenzahlung wurde inzwischen eingestellt. Braucht man jetzt eine App auf seinem Handy, um sie freizuschalten? Bingo! ;-)

Viel Erfolg beim Wettbewerb!

Grüßle,
sonoco
Gestern - Antworten
PamolaGrey Liebe Gabriele,
dein Buch hat mich total an meine eigene Elternzeit erinnert. Ich habe beim Lesen richtig mit Sara mitgefühlt und musste oft schmunzeln über die kleinen Alltagsmomente, die du so lebendig beschreibst. Vielen Dank, das du diese Geschichten geteilt hast – sie haben mir den Tag verschönert!
LG Pam
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