Kurzgeschichte
Kreativer Feriensommer - SP 116

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"Ein Traum in der Erinnerung: Es wäre so schön gewesen ..."
Veröffentlicht am 07. Februar 2026, 18 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Franck Sezelli, gestaltet mit Bildern aus Pixabay
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich lebe mit meiner Frau in Frankreich. Erst in meiner neuen Heimat habe ich mit dem Schreiben begonnen. Es bereitet mir Freude, mit meiner Fantasie den Leserinnen und Lesern vergnügliche und unterhaltsame Stunden schenken zu können. http://franck-sezelli.jimdo.com/
Ein Traum in der Erinnerung: Es wäre so schön gewesen ...

Kreativer Feriensommer - SP 116

Mein Beitrag zur Schreibparty 116


Das Thema zur SP 116 ist „Kopfkino“: Gedanken, Bilder, Erinnerungen und Träume, die in euren Köpfen entstehen, dürfen in euren Texten Platz finden. Vorgabewörter: Flackernder Blick, Schatten, Traum, Geräusch, Erinnerung, Baumwipfel, Kochtopf

Kreativer FeriensommeR

Ihr Lieben, ihr wisst ja, alte Leute erinnern sich nicht so gut an das, was gestern war, aber an lange zurückliegende Ereignisse und Erlebnisse umso besser. Gern denke ich an einen besonderen Sommer in den 70er Jahren zurück. Diese Erinnerung möchte ich euch jetzt erzählen Wir durchfuhren ein offenstehendes, schmiedeeisernes Tor und hielten gleich hinter einer hohen Hecke, die das Grundstück umfriedete, im Schatten eines Baumwipfels. Es war eine erstaunlich große, hochgewachsene

Pinie. Jetzt begriff ich auch, woher die winzigen Dellen auf dem Autodach kamen, die mir schon beim Einsteigen aufgefallen waren. Pinien verlieren immer mal ihre Zapfen! »Herzlich willkommen in unserem Arkadien! Ich hoffe, dir wird es hier gefallen. Gleich wird Uta kommen und dir dein Zimmer zeigen.« Hans räumte mein Gepäck aus dem Fiat, brummte noch etwas vor sich hin und verschwand im nächstgelegenen Atelier. Etwa eine Stunde waren wir durch die hügelige, grüne Landschaft der Toskana gefahren, seit Hans, der wortkarge grauhaarige Mann, mich am Bahnhof in Siena abgeholt hatte. Ich war sehr gespannt,

was mich erwartete. Diese Ferien nach dem Abitur läuteten einen völlig neuen Lebensabschnitt ein! Im Herbst würde mein Studium beginnen. Der Sommer davor sollte noch meinem Hobby gehören. Die bildende Kunst hatte es mir angetan. Ich hoffte, meine künstlerischen Fähigkeiten vervollkommnen, neue Techniken lernen und praktisch üben zu können. Der Gedanke, einmal selbst Künstler zu werden, Maler oder Bildhauer, hatte etwas Anziehendes für mich. Deshalb hatte ich auch die Möglichkeit zu diesem Praktikum in einer Künstlerkolonie wahrgenommen. Eine Gemeinschaft von Malern und Bildhauern nutzte hier dieses schöne

Grundstück in der Toskana für die künstlerische Arbeit. Von mir wurde nur erwartet, dass ich bei Bedarf den Künstlern als Modell zur Verfügung stünde. Außerdem konnte ich den Künstlern über die Schulter schauen und mir dies und das beibringen lassen. Ich freute mich auf einen kreativen Sommerurlaub. Uta, eine Bildhauerin, führte mich in das Gästehaus. Ein helles, geräumiges Zimmer erwartete mich. Das Auffallendste darin war das Bett. Da passten bestimmt ohne Schwierigkeiten vier Personen hinein. »Wir haben für dich das größte und komfortabelste unserer Gästezimmer

ausgewählt. Hier nebenan ist die Küche, da können unsere Gäste sich auch einmal selbst etwas zubereiten. Wirf ruhig einen Blick hinein.« Das tat ich, aber erblickte nur eine ganz normale Kücheneinrichtung. Nur der Kochtopf erschien mir ziemlich groß, da konnte man sicher für alle Gäste im Haus gemeinsam eine Suppe kochen. »Die anderen Zimmer im Haus sind etwas kleiner, wir erwarten morgen ja noch weitere Praktikanten. – Zufrieden mit dem Quartier?« »Aber natürlich! In dem riesigen Bett werde ich mich aber bestimmt verlaufen«, versuchte ich zu scherzen. »Wer weiß? Ein Bett kann eigentlich nie

zu groß sein.« Die Antwort erschien mir damals etwas rätselhaft, aber was sollte ich dazu sagen? Am nächsten Tag schaute ich mich in dem großen, parkähnlichen Gelände gründlich um. In einer Ecke entdeckte ich hinter hohen Hecken einen kleinen Swimming-Pool. Prima! Da kann man sich in der großen Hitze immer mal gut abkühlen, freute ich mich. Schnell lief ich in die Unterkunft, zog mir eine Badehose an, nahm eine Decke und machte es mir neben dem Pool bequem. Vielleicht war ich eingeschlafen, auf

einmal plätscherte es. Ich schaute zum Becken hinüber und erblickte Bodo, den ich gestern schon beim gemeinsamen Abendessen kennengelernt hatte. Der Maler kam gerade aus dem Wasser, völlig nackt, und grüßte mich: »Guten Morgen! Na, lässt du es dir hier gut gehen?« Ich glaube, damals bekam ich einen flackernden Blick, lächelte den nackten Künstler trotzdem verlegen an und nickte. »Aber du frierst doch nicht etwa an deinen Hintern? Bei dem Wetter!«, grinste Bodo. »Du weißt aber schon, dass wir Textilien im Pool nicht mögen? Das käme uns so vor, als würdest du deine Hosen darin waschen wollen. Wenn du

ins Wasser willst, also bitte vorher ausziehen! Bis später dann!« Bodo winkte mir noch einmal zu und verschwand hinter der Hecke. Na gut, da ziehe ich mich zum Baden halt aus, im Moment bin ich eh allein. Gedacht, getan! Ich ließ mich ins Wasser gleiten und machte ein paar Schwimmzüge. Es war irgendwie völlig ungewohnt! Dort, wo sonst die Badehose schlabberte, fühlte es sich richtig frei an. Es war, als ob mein Körper erst jetzt ein einheitliches Ganzes wurde. Ein schönes Gefühl! Trotzdem schaute ich verschämt um mich, ob nicht noch jemand käme, aber ich blieb allein. So traute ich mich auch, mich nackt auf die Decke zu legen

und die Sonnenstrahlen an den ganzen Körper zu lassen. Nachdem ich mir eine Weile die Vorderseite gewärmt hatte, drehte ich mich auf den Bauch, den Kopf auf den Armen – und schlief bald ein. Laute Geräusche ließen mich aus einem etwas bizarren Traum hochschrecken. Was war das? Es waren laute, helle Mädchenstimmen. Wie ein Blitz durchfuhr mich die Erkenntnis, dass ich hier nackt lag. Schnell streifte ich mir wieder die Hose über und schlich an die trennende Hecke. Offenbar waren die anderen Feriengäste angekommen. Neben dem Fiat parkte nun ein Käfer, und drei junge Mädchen in kurzen Sommerkleidern warteten aufgeregt

schwatzend, dass sie jemand bemerkte. Alle drei, zwei Blondinen, eine davon etwas dunkler als die andere, und eine Schwarzhaarige sahen sehr adrett aus. Sie waren wirklich hübsch anzusehen, alle etwa in meinem Alter, mit guter Figur. Sie gefielen mir auf Anhieb. Ob sie es waren, die in die Zimmer neben mir einziehen würden? Ich zog mich erst einmal zurück und wartete ab. Bald wurden die Mädchen abgeholt und es wurde wieder ruhig. Voller Herzklopfen schlich ich in mein Zimmer. Da pochte es schon an meine Tür und im selben Moment traten vier nackte Schönheiten herein: Uta voran, und die

drei Mädchen, die ich schon gesehen hatte, hinterher, nun aber splitterfasernackt. »Hallo Daniel, ich wollte dir die Mitbewohnerinnen deines Bungalows vorstellen, die gerade angekommen sind und wie du hier im Sommer ein künstlerisches Praktikum machen werden. Weil wir hier sowieso so frei sind, uns fast immer nackt zu bewegen, und die Mädchen wollen, dass du ihnen gleich den Pool zeigst, haben sie sich auch schon ausgezogen.« Dann stellte die Bildhauerin mir Claudia, die Dunkelblonde, die mich neugierig und zugleich frech ansah, und ihre Freundinnen mit Namen vor. Sandra hieß

die Blonde, die etwas blasse Schwarzhaarige war Franziska. Alle drei küssten mich nacheinander auf die Wange. Dabei streiften die spitzen Brüste von Claudia und Sandria zart meinen Oberkörper, während sich Franziska zurückhielt, sodass es, obwohl sie recht große Brüste hatte, bei einer kleinen körperlichen Distanz blieb. Uta fragte: »Ihr kommt jetzt allein zurecht? Ich muss arbeiten.«


»Ich denke doch«, antwortete ich und blickte die drei Mädchen nacheinander an, die mir freundlich zulächelten.


Bei diesen Musen sollte sich meine gestalterische Schöpferkraft voll entfalten können. Der gerade begonnene kreative Sommerurlaub bekam für mich völlig neue Facetten, so dachte ich damals.

Ihr habt es sicher bemerkt: In den siebziger Jahren war die Toskana für mich weiter entfernt als der Mond. Reisen in den Westen waren quasi unmöglich, geschweige denn dort ein künstlerisches Praktikum die ganzen Ferien hindurch. Aber erträumt habe ich mir so etwas schon. Und auch heute noch

kann ich in meinem Kopfkino dieses nie Erlebte weiterspinnen und in den verrücktesten Farben ausmalen. Glaubt mir, dabei werde ich selbst in meinem Alter wieder jung. © Franck Sezelli 6. Februar 2026

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Hörbuch

Über den Autor

FranckSezelli
Ich lebe mit meiner Frau in Frankreich. Erst in meiner neuen Heimat habe ich mit dem Schreiben begonnen. Es bereitet mir Freude, mit meiner Fantasie den Leserinnen und Lesern vergnügliche und unterhaltsame Stunden schenken zu können.
http://franck-sezelli.jimdo.com/

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Kornblume Na, das nenne ich doch mal Kopfkino, nicht nur bei Dir als Texter, sondern auch bei mir als Leserin.
Wäre gern dabei gewesen. Mit Nacktheit hatte ich noch nie ein Problem.
Die wilden 70 waren auch in der DDR ziemlich wild. Ich erinnere mich öfter mal daran.
Schicke Dir kornblumenblaue Grüße aus dem langsam auftauenden Sachsen-Anhalt.
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Flocke 
Hallo Franck,
Das Cover ist einmalig schön. Die Geschichte endet genau da,
wo sie spannend wird *lach*
Ein klein wenig mehr hätte ich schon gern gewusst,
dazu hab ich dann "mein Kopfkino" eingesetzt und daraus wurde ein zauberhaft romantischer Liebesfilm.

Gratuliere zu diesem Buch und wünsch dir viel Erfolg damit!

Liebe Grüße, Flocke
Heute - Antworten
FranckSezelli Liebe Flocke,
vielen Dank für dein Lob zum Cover.
Das Theme lautet ja "Kopfkino" und dieses wollte ich durchaus anwerfen – bei der Leserin und dem Leser.

Liebe Grüße
Franck
Heute - Antworten
Flocke 
und DAS ist dir wunderbar gelungen!
Heute - Antworten
Eichenlaub 
Hallo Franck,
eine köstich herrlich geschriebene Schreibparty-Geschichte präsentierst Du uns heute. Ich musste unweigerlich an einigen bestimmten Stellen schmunzeln. Und das große Bett hätte ich mir auch mal gern angeschaut...
Du hast es sehr unterhaltsam geschrieben, so, wie es auch sein sollte.
Viel Erfolg!
Lieben Gruß
Gerlinde
Heute - Antworten
FranckSezelli Liebe Gerlinde,
vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren. Man soll sich hier an manchen Stellen schon so seine eigenen Gedanken machen und die weiterführende Fantasie spielen lassen ...
Liebe Grüße
Franck
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