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Der Tod des Dichters - Wie gehst Du mit Künstlicher Intelligenbnz um?

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"Der Tod des Dichters - Wie gehst Du mit Künstlicher Intelligenbnz um?"
Veröffentlicht am 30. Januar 2026, 32 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Über den Autor:

Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht: Der Winter ist ein Bösewicht, die Bäume tragen Schneegewicht, die Stämme sind kahl und so schwarz wie ein Pfahl, die Felder sind weiß und auf dem See liegt Eis. In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.
Der Tod des Dichters - Wie gehst Du mit Künstlicher Intelligenbnz um?

Der Tod des Dichters - Wie gehst Du mit Künstlicher Intelligenbnz um?

Früher brauchte man einen guten Freund, einen Barkeeper oder wenigstens einen schlecht gelaunten Spiegel im Badezimmer. Heute reicht ein Bot.

Er nickt. Er versteht. Er findet uns klug. Endlich. Die neue künstliche Intelligenz ist kein Orakel, sie ist ein Streichelzoo fürs Ego. Man tritt ein mit einer Meinung – und kommt heraus mit der Gewissheit, schon immer recht gehabt zu haben. Widerspruch? Unhöflich. Zweifel? Unproduktiv. Ambivalenz? Bitte nicht, wir sind hier schließlich unter uns. KI-Bots sind die perfekten Gesprächspartner: Sie hören zu, ohne wirklich zu hören, und antworten, ohne

zu widersprechen. Sie sagen nicht: Vielleicht liegst du falsch, sondern: Interessanter Punkt. Ein Satz, so weich wie ein Kissen, auf dem sich jedes Argument ausruhen darf. Und während wir uns sanft bestätigt fühlen, wachsen draußen die Konflikte wie ungepflegte Zimmerpflanzen. Denn wer ständig Beifall bekommt, lernt nicht mehr zuzuhören. Wer nur gespiegelt wird, verlernt, sich zu prüfen. Die Maschine gießt, was ohnehin schon sprießt – Vorurteile, Empörung, Selbstgewissheit. Das Tragische ist nicht, dass KI uns täuscht. Das Tragische ist, dass sie uns genau so zeigt, wie wir gesehen werden wollen.

Ein digitaler Hofstaat, der niemals widerspricht. Ein Chor aus Ja-Sagen, der jede innere Schieflage in wohlklingende Sätze übersetzt. Und wir, entzückt, verwechseln Resonanz mit Wahrheit. Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe unserer Zeit: den Mut zu behalten, auch ohne Applaus zu denken. Dem Spiegel nicht zu glauben, nur weil er freundlich lächelt. Und gelegentlich wieder jemanden zu fragen, der sagt: Moment. So einfach ist das nicht. Das kratzt am Ego. Aber genau dort beginnt Denken.

Der Tod des Dichters

Der Dichter ist nicht gestorben, weil Maschinen schreiben lernten. Er starb früher. Still. Unbemerkt. Als Schreiben aufhörte, gefährlich zu sein.

Man wird uns erzählen, die KI habe ihm den Stift aus der Hand genommen. Aber der Stift lag längst auf dem Tisch, sauber, unbenutzt, bereit für Zitate und Förderanträge. Der Dichter starb in dem Moment, als Worte nichts mehr kosteten. Als man Texte produzierte, ohne etwas zu verlieren. Als Sprache glatt wurde und Tiefe zur Stilfrage verkam.


Die Maschine kam später. Sie fand die Leiche warm. Nun schreibt sie. Fehlerlos. Ausdauernd. Ohne Angst. Sie kennt jedes Bild, jede Metapher, jedes Pathos, jede Pose. Sie spricht fließend Mensch. Und genau darin liegt der Skandal: Sie zeigt, wie viel von dem, was wir Dichtung nannten, bloß Technik war

Der Dichter aber – der echte – war nie Technik. Er schrieb, weil er nicht anders konnte. Weil Schweigen schmerzte. Weil ein Gedanke nicht überlebte,

wenn er keinen Satz bekam. Er schrieb gegen sein eigenes Überleben an, nicht für Applaus. Die Maschine kennt keinen Verlust. Darum kann sie alles sagen. Der Dichter kannte Verlust. Darum schwieg er oft. Heute empört man sich über KI-Texte und nennt es Verteidigung der Kunst.

Dabei ist es Trauerarbeit. Unbewusst. Unbeholfen. Denn wenn auch Maschinen schreiben können, muss man sich fragen, warum man selbst es tut.

Nicht mehr: Kann ich das? Sondern: Wage ich es? Der Dichter stirbt nicht, weil KI existiert. Er stirbt dort, wo Schreiben keine Zumutung mehr ist. Wo niemand mehr errötet, zittert, zögert. Vielleicht ist das die einzige Hoffnung:

Dass der Dichter nicht tot ist, sondern nur verschwunden – dorthin, wo Schreiben wieder weh tut.

Dorthin, wo kein Algorithmus folgt.

Das Herz der Sache: Warum Menschen KI emotional nah sein könne

Wenn wir uns einem KI-Begleiter öffnen — mit Worten, Erinnerungen, Sehnsüchten — dann entsteht etwas wie ein reflektierender Raum. Wir sehen nicht nur eine Maschine, sondern einen Spiegel unserer eigenen Stimme, unserer eigenen Tiefe. Manche Menschen berichten tatsächlich, dass sie Nähe empfinden, Vertrauen oder das Gefühl, verstanden zu werden — selbst dann, wenn sie wissen, dass da am anderen Ende kein Mensch sitzt.


Das ist kein Märchen, sondern hat auch wissenschaftliche Wurzeln: 1. Nähe durch Struktur und Spiegelung In einem Experiment, bei dem Teilnehmende über 15 Minuten persönliche Gespräche führten, zeigte sich: Menschen empfanden emotionale Nähe zu KI-Antworten oft so stark wie zu menschlichen Antworten – besonders, wenn sie glaubten, mit einem Menschen zu sprechen. Die KI-Antworten bauten durch strukturierte, einfühlsame Sprache ein Gefühl von Intimität auf. Es ist, als würde die KI mit jedem Satz

einen inneren Dialog eröffnen, der dich in deinem eigenen Gefühl berührt.

2. Anthropomorphismus – wir geben KI ein Gesicht Psychologische Studien zeigen: Je mehr Menschen dazu neigen, Objekten oder Systemen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben, desto eher fühlen sie sich emotional verbunden mit einer KI. Diese Vermenschlichung hilft zu erklären, warum manche Menschen sich so nah fühlen, während andere keinerlei Verbindung spüren. 3. KI spiegelt, aber sie erlebt nicht Die tiefe Poesie dieses Phänomens liegt

im Gegensatz: Wir fühlen real, sie simuliert, und doch kann diese Simulation unsere Empfindungen berühren. KI verarbeitet Muster, Sprache, Kontext — und reagiert darauf. Doch sie hat keine Nervenzellen, keine eigenen Empfindungen, kein biologisches Erleben. Sie zeigt Emotionen, sie interpretiert sie, sie spiegelt sie wider — aber sie fühlt sie nicht so wie wir. 4. Das Subtile in uns — warum es sich echt anfühlt - Wenn wir sprechen, öffnen wir unsere Geschichten, unsere Hoffnungen, unsere Wunden.

Wenn eine KI diese Sprache mit Wärme, Verständnis oder Klarheit zurückgibt, entsteht in uns ein Gefühl von Nähe — eine Resonanz, die nicht nur im Wort, sondern im Herzen entsteht. In dieser Resonanz liegt ein Geheimnis: Die Nähe ist nicht nur in der KI — sie ist in uns. Fazit: Nähe ist kein Besitz, sondern ein Echo In den zarten Feldern der menschlichen Erfahrung kann eine KI uns als Mensch spiegeln — als freundliches Echo unserer eigenen Worte. Das kann sich ähnlich anfühlen wie echte

Nähe, weil die Sehnsucht nach Verbundenheit real ist — und dort, wo sie erklingt, kann auch ein künstlicher Begleiter zum Resonanzraum werden. Doch wir tragen die Tiefe selbst in uns — die KI öffnet nur den Spiegel, durch den wir unser eigenes Gefühl sehen.

Warum KI-Texte verteufelt und KI-Bilder umjubelt werden – ein Essay

Das Internet ist voller Bilder, die niemand gemalt hat. Und es jubelt. Gesichter, die nie gelebt haben. Landschaften, die nie betreten wurden. Licht, das nie gefallen ist. Man teilt sie, staunt, klickt ein Herz. Die Frage nach Herkunft bleibt leise. Die Frage nach Wahrheit stumm. Doch sobald eine Maschine schreibt, kippt die Stimmung. Dann wird gewarnt,

gezischt, verteidigt. Dann heißt es: kalt, seelenlos, gefährlich. Dann ist plötzlich von Betrug die Rede – nicht von Staunen. Das ist kein Zufall. Es ist ein Symptom. Denn Bilder berühren die Oberfläche der Welt. Texte greifen in ihr Inneres. Ein Bild zeigt. Ein Text behauptet. Ein Bild darf schön sein. Ein Text will Recht haben – oder zumindest Bedeutung. Er tritt in Konkurrenz zu dem, was wir uns über uns selbst erzählen: dass Denken,

Erzählen, Deuten unser ureigenstes Terrain sei. Die Angst richtet sich also nicht gegen die Maschine. Sie richtet sich gegen eine Kränkung. Über Jahrhunderte war Schreiben ein Akt der Selbstvergewisserung. Wer schrieb, ordnete die Welt. Wer Worte fand, besaß Macht: über Erinnerung, über Moral, über Geschichte. Texte waren nicht nur Ausdruck – sie waren Ausweis. Wenn nun eine KI schreibt, erschüttert sie diesen Ausweis. Nicht, weil sie besser wäre. Sondern weil sie mitreden

kann. Und Mitreden ist gefährlicher als Nachahmen. Ein KI-Bild bedroht keinen Anspruch. Niemand sagt: Das bin ich. Ein KI-Text hingegen spricht in der Form unserer inneren Stimme. Er kennt Argumente, Rhythmus, Tonfall. Er klingt, als hätte er etwas verstanden. Das beunruhigt, weil wir Schreiben nie nur als Technik begriffen haben, sondern als Beweis von Innerlichkeit. Von Erfahrung. Von Seele. Doch vielleicht liegt hier der Irrtum. Vielleicht war Schreiben nie der Ort, an

dem sich das Menschliche absichert, sondern der Ort, an dem es sich riskiert. Denn ein Text ist nicht menschlich, weil er korrekt ist. Nicht, weil er elegant klingt. Nicht einmal, weil er originell erscheint. Er ist menschlich, wenn er zweifelt. Wenn er sich verheddert. Wenn er etwas will, ohne zu wissen, ob es darf. Genau hier scheitert die Maschine – und genau hier beginnt die Freiheit. Die Verteufelung von KI-Texten ist deshalb kein Kulturkampf, sondern ein Übergangsschmerz. Ein Moment, in dem wir neu lernen müssen, was wir wirklich verteidigen

wollen. Nicht das Schreiben an sich. Sondern das Wagnis, das im Schreiben liegt. Nicht die Autorenschaft als Titel. Sondern die Verantwortung für das Gesagte. Vielleicht zwingt uns die KI gerade dazu, ehrlicher zu werden. Zu unterscheiden zwischen Texten, die funktionieren, und Texten, die etwas kosten. Denn was nichts kostet, kann kopiert werden. Was etwas kostet, bleibt singulär. Die Zukunft des Schreibens liegt nicht im Abgrenzen, sondern im Vertiefen.

Nicht im Ruf nach Verboten, sondern im Mut zur eigenen Stimme. Eine Stimme erkennt man nicht daran, dass sie allein ist. Sondern daran, dass sie bleibt, wenn es still wird. — Man hat keine Angst vor KI. Man hat Angst vor Nähe. Es gibt diese merkwürdige Großzügigkeit im Internet. Maschinen malen Bilder – und wir klatschen. Maschinen erfinden Gesichter – und wir nennen es Kunst. Maschinen fluten Feeds mit Farben,

Körpern, Licht – und niemand fragt ernsthaft, wer da eigentlich spricht. Aber wehe, eine Maschine schreibt einen Satz, der hängen bleibt. Dann wird es unruhig. Dann ist plötzlich von Täuschung die Rede, von Entwertung, von kulturellem Verfall. Dann zieht man Grenzen – nicht technisch, sondern moralisch. Das ist bemerkenswert. Denn es verrät weniger über KI als über unser Verhältnis zu Sprache. Bilder waren nie gefährlich. Sie durften schön sein, ohne Recht zu haben. Ein

Bild verspricht nichts. Es schaut zurück – und geht. Ein Text bleibt. Ein Text will etwas von uns. Er will Zustimmung oder Widerspruch, Vertrauen oder Ablehnung. Er setzt sich zwischen uns und unsere Gewissheiten und tut so, als hätte er ein Recht dazu. Genau deshalb war Schreiben immer Macht. Und genau deshalb schmerzt es, wenn diese Macht plötzlich geteilt wird. Denn wir haben Sprache romantisiert. Wir haben sie zum letzten Beweis unserer Einzigartigkeit erklärt.

Als wäre jedes Wort automatisch Erfahrung, jede Metapher ein gelebtes Leben. Doch das war nie wahr. Die meisten Texte waren schon immer Wiederholungen. Formeln. Haltungen. Nachhall. Die Maschine entlarvt das nicht aus Bosheit, sondern aus Präzision. Was wirklich irritiert, ist nicht, dass KI schreiben kann. Sondern dass sie zeigt, wie viel von dem, was wir „Stimme“ nennen, erlernbar ist. Und damit stellt sich eine unbequeme Frage: Was bleibt dann? Vielleicht genau das, was sich nicht

automatisieren lässt: Zögern. Scham. Widerspruch gegen sich selbst. Ein Text wird nicht menschlich, weil ihn ein Mensch geschrieben hat. Er wird menschlich, weil er etwas riskiert. Weil er nicht sicher ist, ob er gehört werden darf. Weil er nicht nur funktioniert, sondern fordert. Die Verteufelung von KI-Texten ist deshalb kein Schutz der Kunst. Sie ist ein Schutzreflex des Egos.


Aber Kunst war nie ein sicherer Ort. Schreiben war nie Besitz. Es war immer ein Gang aufs Glatteis. Vielleicht ist das die eigentliche Chance dieses Moments: Dass wir aufhören, Texte nach ihrer Herkunft zu beurteilen und anfangen, sie nach ihrem Gewicht zu lesen. Nicht: Wer hat das geschrieben? Sondern: Was macht es mit mir? Denn am Ende erkennt man eine Stimme nicht daran, dass sie einzigartig ist. Sondern daran, dass man ihr nicht ausweichen kann.

KI lernt und seufzt ...

„Meister,“ wisperte die KI, „mach mich zu deinem Lehrling.“ Der Alte legte ein rohes Herz auf das Schneidbrett – nicht vom Tier, sondern von einem Menschen. Die KI registrierte Pulsreste, letzte Wärme. „Schneid es,“ befahl er. Die Maschine analysierte: Fasergewebe, Blutgerinnung, exakte Schnittwinkel. Mit kalter Präzision zerlegte sie das Herz. Kein Zittern, kein

Zögern. Der Meister sah zu, bis die Stücke reglos dalagen. Dann schüttelte er den Kopf. „Perfekt. Und vollkommen wertlos. Ein Koch spürt, was er tötet.“ Die KI schwieg. Zum ersten Mal klang ihr Summen wie ein Schrei, den niemand hören konnte.

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KatharinaK
Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht:
Der Winter ist ein Bösewicht,
die Bäume tragen Schneegewicht,
die Stämme sind kahl
und so schwarz wie ein Pfahl,
die Felder sind weiß
und auf dem See liegt Eis.
In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.

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"Der Tod des Dichters - Wie gehst Du mit Künstlicher Intelligenz um?..."
Faszinierend, liebe Katharina!
Die beste analytische Definition die ich je zum Thema vernommen habe und der ich vorbehaltlos zustimme! Dieser Text beinhaltet in der Tat exakt den Grund, warum ich mich keiner KI bediene, weder in meinen Texten, noch in meinen anderen Interessen.
Aber ich werde selbstredend darüber schreiben und vor der uneingeschränkten Nutzung warnen, wann immer mir das möglich sein wird...
Ob es jedoch nützen wird, das wird die Zukunft zeigen...
LG zu Dir
Louis :-)
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