Der Markt der Unsterblichen – Kapitel 2:
Der Preis der Erkenntnis
Die junge Frau ging schnell, ohne sich umzudrehen.
Die Straßen hinter ihr lagen still, doch sie spürte den Blick im Nacken – nicht menschlich, nicht körperlich, eher wie ein Gedanke, der sich festgesetzt hatte.
Sie hieß Mara. Zumindest war das der Name, den sie benutzte. Namen waren praktisch. Wahrheiten waren es
weniger.
An der nächsten Ecke blieb sie stehen. Ihr Atem ging ruhig, zu ruhig für jemanden, der gerade etwas Unmögliches gesehen hatte. In ihrem Kopf liefen Bilder in Schleife: goldene Augen, eine Stimme aus dem Boden, ein Lachen, das sich wie Metall anhörte.
„Reiß dich zusammen“, flüsterte sie sich selbst zu.
Unter der Wall Street regte sich Mammon.
Nicht vor Hunger. Vor
Neugier.
„Sie läuft nicht“, stellte er fest.
„Interessant.“
Gabriel stand auf dem Dach eines gegenüberliegenden Gebäudes. Von hier oben wirkte die Stadt harmlos. Zahlen, Licht, Bewegung. Er hatte Städte brennen sehen, Reiche fallen – doch dieser Moment gefiel ihm nicht.
„Sie hat nichts unterschrieben“, sagte er.
„Noch nicht“, antwortete Mammon. „Aber Wissen ist auch eine Form von
Besitz.“
Mara betrat eine kleine Bar, unscheinbar, fast unsichtbar zwischen zwei Banken. Drinnen roch es nach Alkohol und Müdigkeit. Sie setzte sich an den Tresen, starrte in ein Glas Wasser, das sie nicht bestellt hatte.
Auf dem Bildschirm über der Bar flackerten Nachrichten:
Ungewöhnliche Bewegungen an den asiatischen Märkten.
Sie lächelte schief.
„Natürlich“, murmelte sie. „Warum auch
nicht.“
In diesem Moment vibrierte ihr Handy. Keine Nummer. Keine Nachricht. Nur ein Symbol: ein Kreis, durchzogen von einer feinen goldenen Linie.
Ihr Herz schlug schneller.
Tief unter ihr spannte sich etwas zusammen. Mammon genoss den Augenblick.
„Jeder Markt braucht einen Einstiegspunkt“, sagte er leise.
Mara legte das Handy langsam auf den Tresen zurück. Sie wusste nicht, was sie
gesehen hatte. Aber sie wusste eines sicher:
Ignorieren war keine Option mehr.
Draußen begann es zu regnen. Goldfarben spiegelte sich im Asphalt.
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