Kurzgeschichte
Begegnung auf der Brücke 2 - Lukas und der Winterhimmel

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" Begegnung auf der Brücke 2 - Lukas und der Winterhimmel"
Veröffentlicht am 27. Januar 2026, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. ;)) Schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleine Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?
Begegnung auf der Brücke 2 - Lukas und der Winterhimmel

Begegnung auf der Brücke 2 - Lukas und der Winterhimmel




CoverBild ist vom Künstler Jakodona


Begegnung auf der Brücke – Teil 2

Lukas und der Winterhimmel





Ihre Augen – genau die, die du auf dem Bild siehst, das hier irgendwo in diesem Buch steckt – tragen alles in sich, was sie gesehen hat: die schneidende Kälte der Winter, das Schweigen der Straßen, die Stimmen derer, die niemand mehr

hören wollte. Sie sind ruhig, fast müde, und doch so wach, als entginge ihnen selbst das leiseste Zittern der Welt. Der Wind fährt über die Brücke, schneidend und unerbittlich. Schnee tanzt in kleinen, rastlosen Wirbeln über das steinerne Pflaster. Winterburg liegt unter einer schweren, grauen Decke, gedämpft, als hielte die Stadt den Atem an. Ich sehe Lukas am Geländer stehen. Der Mantel, zu dünn für diese Jahreszeit, hängt eng um seine Schultern. Seine Finger umklammern das Notizbuch, als könnte es ihn festhalten. Er starrt ins Leere, dorthin, wo Worte manchmal

auftauchen – und manchmal einfach ausbleiben. „Sam … ich schreibe, um nicht zu vergessen“, sagt er. Der Wind verschluckt fast den Satz, aber ich höre ihn trotzdem. Ich trete neben ihn. Der kalte Stein der Brüstung drückt gegen meine Hüften, durch die Kleidung hindurch. „Was schreibst du?“ Er zuckt kaum merklich mit den Schultern. „Alles. Was passiert. Wer hilft, wer wegschaut.“ Eine kurze Pause. „Manchmal auch nur das Chaos in

meinem Kopf.“ Sein Atem malt flüchtige Wolken in die Luft. Ich ziehe die Thermoskanne aus meiner Tasche und drücke sie ihm in die Hand. Er schaut sie einen Moment an, als wüsste er nicht recht, ob er sie annehmen darf, dann trinkt er vorsichtig. Die Anspannung in seinem Gesicht löst sich ein kleines Stück, kaum sichtbar – aber echt. „Manchmal reicht ein Gespräch“, sagt er leise, „damit man nicht ganz erfriert.“ Er meint nicht nur die Kälte. Ich nicke und blicke über die Stadt:

verschneite Dächer, leere Straßen, Fenster ohne Licht. Alles wirkt fern und gleichzeitig bedrückend nah. Wir reden. Erst zögerlich, dann freier. Über seine Familie, die irgendwo anders lebt. Über Freunde, die irgendwann aufgehört haben, sich zu melden. Über Kleinigkeiten, die im Winter plötzlich alles bedeuten: ein warmes Getränk, ein Name, der ausgesprochen wird, jemand, der bleibt. „Warum machst du das, Sam?“ Seine Stimme ist kaum mehr als ein Hauch. „Warum gehst du immer wieder raus? Warum hilfst

du?“ Ich muss kurz nach Worten suchen. „Weil jemand hinschauen muss“, sage ich schließlich. „Und weil jemand erzählen muss, dass ihr nicht unsichtbar seid.“ Er nickt. Kein großes Nicken. Eher ein stilles Anerkennen. Wir sagen nichts mehr. Der Wind fährt uns durch die Haare, der Schnee knirscht unter unseren Schuhen. Lukas blättert eine Seite in seinem Notizbuch um. Für einen Augenblick huscht etwas über sein Gesicht – ein Lächeln, so vorsichtig, als könnte es zerbrechen, wenn man es zu lange

ansieht. „Danke, Sam“, sagt er. „Man vergisst leicht, dass Hoffnung noch da ist.“ Ich lege ihm die Hand auf die Schulter. Sie fühlt sich schmal an, fast zerbrechlich. „Kleine Gesten“, sage ich. „Große Wirkung. Vergiss das nicht.“ Vielleicht sage ich es auch mir selbst. Dann gehe ich weiter, die Kälte brennt auf meiner Haut. Lukas bleibt zurück, das Notizbuch in der Hand. Für einen Moment frage ich mich, ob er seine Worte je wieder lesen wird. Aber vielleicht ist das nicht wichtig.

Manchmal geht es nicht darum, etwas später zu verstehen – sondern darum, es jetzt festzuhalten.


© [2026] [Pamola Grey]. Alle Rechte vorbehalten. Keine Teile dieses Buches dürfen ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors reproduziert oder in irgendeiner Weise verbreitet werden.

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PamolaGrey
Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. ;)) Schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleine Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?

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drachenzaehmer Eine sehr berührende Geschichte, gut geschrieben.
LG Mike
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PamolaGrey Liebe Gabriele,

vielen Dank für deine lieben Worte! ?
Es freut mich sehr, dass dich Lukas’ Geschichte berührt hat. Genau das wollte ich damit ausdrücken – wie wichtig manchmal ein einfaches Gespräch oder ein kleines Zeichen von Aufmerksamkeit sein kann.
Es ist so schön, Leserinnen und Leser wie dich zu haben, die mitfühlen und die Geschichten wertschätzen.

Liebe Grüße
Pam
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Gabriele 
Liebe Pam,
auch die Geschichte von Lukas hat mich sehr berührt;
"manchmal reicht ein Gespräch, damit man nicht erfriert"
Ich finde, dass sagt sehr viel aus....
Danke auch für diese Geschichte eines Menschen ohne Zuhause,
liebe Grüße von Gabriele
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