Der schatten
Thema: Kopfkino
Vorgaben
Flackernder Blick
Schatten
Traum
Geräusch
Erinnerung
Baumwipfel
Kochtopf
Der Schatten
Draußen tobte ein Sturm. Vielleicht hatte sich ein Fensterladen gelöst und klappte gegen die Hauswand? Ausgerechnet heute war ich allein vor Ort. Wir waren erst vor kurzem hier eingezogen und die Wohnräume noch gar nicht fertig eingerichtet. Ich hatte es mir mit einer Decke und einem Buch auf dem Sofa bequem gemacht. Erst stellte ich das Radio lauter, dann ganz aus, um die Situation besser deuten zu können.
Es war Winter und bereits früh dunkel. Die Laternen bis auf jede Dritte abgeschalten. Plötzlich flackerte nicht nur das Licht, nein, auch meine Augenlider zuckten unter einem
ängstlich, verstörten, flatternden Blick. Das alles war wie ein böser Traum, als ich auf einmal einen Schatten vor dem Fenster vorbeihuschen zu sehen glaubte.
Und dann "Bum Bum Bum", dieses hämmernde Geräusch. Panisch tastete ich nach einem Gegenstand, um mich zur Wehr setzen zu können. Gläser fielen zu Boden. Mein Herzschlag setzte für kurze Zeit aus. Das Rauschen in meinen Ohren wurde immer stärker.
Als ich vom Sofa aus meiner Schockstarre aufsprang, gingen scheinbar noch weitere
Sachen zu Bruch und ich verlor in meiner Angst und der Dunkelheit völlig die Orientierung. Der eine niedrige Zimmerbalken wurde mir zum Verhängnis. Ich schlug mir den Kopf an und Blut rann heiß über meine Stirn die rechte Wange hinab. Mir platzte im wahrsten Sinne der Schädel.
Da das Hämmern aufgehört hatte, bewegte ich mich, noch immer mit einer Weinkaraffe in der Hand, weiter Richtung Eingangstür. Just in diesem Momant hatte ich wieder Strom im Haus. Todesmutig beschloss ich draußen kurz nachzusehen, ob alles in Ordnung war.
Und da war es direkt vor der Eingangstür auf der Veranda. Es war nicht einmal besonders
groß. Doch wo kam es her? Wer hatte es bei diesem Sturm abends im Dunkeln hier vor meiner Tür abgelegt? Zu viele Fragen für meinen schmerzenden Kopf. Es war ungemütlich, also nahm ich den Karton mit ins Haus und verschloss sorgfältig die Tür. Ich war wie vom Donner gerührt, als ich ihn öffnete.
Mein Erinnerungsvermögen schien allmählich zurückzukehren. Natürlich, wir wollten in zwei Tagen am nahegelegenen Baumwipfelpfad campen. Unser nächster Nachbar John hatte uns Willkommen geheißen und von unseren anstehenden Ausflugsplänen erfahren. Er meinte, er hätte das nötige Geschirr und wolle es uns vorbeibringen. Nun hielt ich einen mittelgroßen Kochtopf samt Deckel und
Pfanne in der Hand. Der gute John, was für ein netter Nachbar, was für ein Sturm und was für eine Erfahrung für mich.