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Der Künstler ist Shlomeister
Vorspann:
Alex hört Gedanken – Dinge, die niemand sonst wahrnimmt. Doch als ein unheimliches Summen in seinen Kopf dringt, merkt er: Eine dunkle Macht will seine Träume. Kann er ihr entkommen… oder ist es schon zu spät?
Alex wusste, dass heute anders werden würde. Nicht wegen des goldenen Herbstlaubs – sondern weil niemand
ahnte, dass er ihre Gedanken hören konnte.
Schon beim Betreten der Schule spürte er die Blicke, das Tuscheln, die stillen Urteile. Sie gingen an ihm vorbei, als wäre er unsichtbar. Manchmal wünschte er, es wäre wirklich so einfach.
„Alex, du bist echt komisch“, hatte Lukas neulich gesagt. Worte wie diese prasselten auf ihn ein, doch sie trafen ihn nicht wirklich – er wusste längst, dass sie ihn nicht verstanden.
Am Fenster lehnte er sich gegen die Scheibe. Gedanken schwebten um ihn
herum: Warum spielt er nie mit uns? Er ist immer so still… Komisch…
Dann hörte er etwas Neues: ein Summen, leise, unerbittlich. Es kroch in seinen Kopf, kalt und fremd.
„Du…“
Und dann war Stille.
Kapitel 2: Onkel Klaus und die Geschichte der Zahnfee
Alex war noch immer in Gedanken versunken, als er am Nachmittag das Haus seines Onkels Klaus betrat. Die
dunklen Wolken am Himmel ließen das Licht blass und gedämpft erscheinen, was die ohnehin düstere Stimmung verstärkte. Der Regen prasselte gegen die Fenster, und Alex spürte das leichte Ziehen in seinem Kopf, das immer dann kam, wenn die dunklen Gedanken zu ihm drangen.
„Ah, da bist du ja“, sagte Onkel Klaus mit seiner rauen, beruhigenden Stimme, als er die Tür öffnete. „Was gibt's heute zu erzählen, mein Junge?“
Alex wusste, dass er bei Onkel Klaus mehr als nur ein flüchtiges „Wie war die Schule?“ erwarten konnte. Onkel Klaus
war der einzige Erwachsene, der nicht über ihn lachte, wenn er von den merkwürdigen Dingen erzählte, die er hörte und fühlte. Er nickte und setzte sich auf den alten Sessel in der Ecke des Raumes. Die dicke, dampfende Tasse Tee vor ihm roch nach Kamille und etwas, das wie Balsam duftete.
„Ich habe wieder diese Träume“, begann Alex, die Stimme leise, als würde er etwas Ungeheures gestehen. „Aber diesmal... diesmal war sie da. Die Zahnfee.“
Onkel Klaus legte die Zeitung beiseite und zog seine Brille zurecht. „Du hast
sie gesehen?“, fragte er mit einem ernsten Blick, der tief in Alex’ Augen suchte, als wolle er sicherstellen, dass es nicht nur ein weiterer Albtraum war.
„Ja“, murmelte Alex. „Sie hat mich verfolgt, aber sie war nicht wie im Märchen. Sie hatte schwarze Augen, und ihre Stimme… Sie sagte, dass meine Träume jetzt ihr gehören.“
Onkel Klaus nickte langsam, als wüsste er genau, wovon Alex sprach. Er lehnte sich zurück und holte tief Luft. „Alex, mein Junge… die Zahnfee ist keine Legende, sondern sehr alte, sehr dunkle Magie. Viele Kinder glauben an sie, aber
niemand weiß, was sie wirklich ist. Sie ist eine Hexe, und sie raubt den Kindern nicht nur ihre Zähne – sie stiehlt auch ihre Träume, ihre Kreativität und ihre Hoffnungen.“
Alex schürzte die Lippen und runzelte die Stirn. „Aber warum tut sie das? Warum ausgerechnet die Träume?“
„Weil Träume Macht sind, Alex. Die wahre Magie der Menschen kommt aus den Träumen. Alles, was du dir erträumen kannst, ist mit einer gewissen Kraft verbunden – und je mehr Träume sie stiehlt, desto mächtiger wird sie. Sie hat einen Bruder, der mit ihr zusammen
die Träume von Kindern verschlingen will, um die Grenze zwischen den Welten zu durchbrechen.“
Alex war sich sicher, dass er das schon einmal gehört hatte, doch die Worte seines Onkels gaben ihm eine neue Perspektive auf das, was er in seinen Träumen erlebte. Er wusste, dass er etwas anderes war, dass er mehr verstand, als die anderen ahnten. Aber auch hier gab es mehr, als er sich je vorgestellt hatte.
„Aber… was hat das mit mir zu tun?“, fragte Alex, den Blick gesenkt. „Warum will sie gerade meine
Träume?“
„Das weiß ich nicht genau“, antwortete Onkel Klaus nachdenklich. „Aber du bist besonders, Alex. Du hast eine Gabe, die viele Menschen nicht verstehen: Du kannst in die Gedanken der anderen eintauchen. Und das macht dich zu einem Ziel für sie.“
Alex nickte langsam, obwohl es sich falsch anfühlte, dass er wegen etwas so Magischem wie Träume ins Visier geraten sollte. „Was kann ich tun, Onkel? Wie stoppe ich sie?“
Onkel Klaus stand auf und ging zu einem
alten Schrank in der Ecke des Zimmers. Er öffnete ihn und holte ein kleines, grün schimmerndes Buch hervor. „Es gibt alte Zauber, die gegen sie wirken könnten, aber du musst lernen, dich zu verteidigen. Wenn du dich nicht wehrst, wird sie nicht nur deine Träume stehlen, sondern auch deine Lebensenergie.“
Alex’ Augen weiteten sich. „Und wie lerne ich das?“
„Ich kenne jemanden, der dir helfen könnte“, sagte Onkel Klaus und legte das Buch auf den Tisch. „Er ist ein Schamane, der sich mit den alten Kräften auskennt. Ich kann dich zu ihm bringen,
aber du musst bereit sein, dich der dunklen Magie zu stellen.“
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