Trampelpfad
Hinter dem Bahnhof, nach dem großen Lebensmittelgeschäft, schlug Mira den schmalen Weg hinter den Schienen ein und freute sich, als sie den Trampelpfad entlang des Bachlaufs, welcher sich zwischen Bäumen und Sträuchern schlängelte, erreichte. Automatisch lief sie langsamer, um ihren Augen Zeit zum intensiven Schauen zu gewähren. Sie atmete tief durch, stellte den Rucksack ab, und machte ihre Dehnübungen, indem sie ihren Oberkörper nach rechts und nach links drehte. Dabei ließ sie die Arme locker und diese nutzten die
Freiheit, herum zu baumeln.
Anschließend waren die Kniebeugen mit nach oben gestreckten Armen dran. Dann ließ Mira die Hände vornüber zum Boden fallen und reckte sich so weit vor, dass die Handinnenflächen den Boden berührten. Sie ließ wie stets die Hände eine zeitlang auf den Boden ausgestreckt, um sich mit der Erde zu verbinden. Nach einer Weile schwang sie den Oberkörper mit Kraft hoch und richtete die Hände zum Himmel, schaute hoch und blickte ungehindert in den blauen wolkenlosen Himmel und wünschte sich von dort Liebe und Frieden und Hilfe für ihren Weg. Dass tat so gut. Deshalb wiederholte Mira die ganze Übung noch
einmal und spürte ihre Freude und Dankbarkeit genau jetzt an diesen wunderschönen Platz der Erde zu sein. Gab es etwas Schöneres?!
Sie freute sich auf die Bäume entlang des ihr seit Jahren bekannten und geliebten Heimweges. Mira schaute sich ruhig um, während sie den Rucksack auf den Rücken hievte und beim Hochkommen in die Senkrechte einen großen Farn entdeckte, in welchem eine weiße Feder steckte. Sie machte einen Schritt auf den Farn zu, betrachtete die jungen, noch größtenteils eingerollten Blatttriebe und staunte über die kleinen Fruchtknollen an den großen älteren Blättern. Sachte
streifte Mira mit ihren Fingern über die Blätter, welche sich samtig weich anfühlten. Ihre Hand glitt durch den Farn und fühlte sich gestreichelt, liebkost. Mira genoss das berührende Gefühl, bevor sie versuchte, vorsichtig die darin hängen gebliebene weiße Feder zu greifen und heraus zu fischen. Die Feder war größer als zuerst vermutet. Vorsichtig packte sie die Feder in ihre Hosentasche und machte sich auf, dem Trampelpfad weiter zu folgen.
Fortsetzung folgt.