Mein schönstes musikalisches Erlebnis
Im Sommer 1969 erlebte ich bei einem Konzert in Dubrovnik, dass die Natur Regie führte. Überall in der Stadt wurde damals ein Violinkonzert mit dem weltberühmten Geiger Isaac Stern angekündigt. Die Karten waren in Windeseile vergriffen. Doch es gelang mir noch zwei Plätze für meine Frau und mich in dem klassisch schönen Rektorenpalast zu erhalten und wir begaben uns in gespannter Erwartung in das harmonische Ambiente, erbaut im Stil der Gotik und Renaissance.
Auf dem Programm standen zwei Violinkonzerte, die man immer wieder gerne hört, das von Beethoven und von Tschaikowski in D-dur. Der Rektorenpalast war festlich illuminiert und schon mit den ersten Takten hatte Stern die Zuhörer in seinen Bann geschlagen. Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Draußen tobte ein schweres Gewitter und ein Blitz führte im Rektorenpalast zu einem totalen Stromausfall. Der große Maestro ließ sich dadurch nicht beirren. Er spielte beide Konzerte in völliger Dunkelheit und die Zuhörer konnten sich, durch keine Äußerlichkeit abgelenkt, konzentriert seiner Kunst überlassen. Dann führte der Zufall Regie, wie sie besser nicht sein konnte.
Die letzten Töne von Tschaikowskis Violinkonzert waren verklungen, als der Rektorenpalast in erneuertem Licht erglänzte. Es war damals in Dubrovnik Sitte, als Anerkennung für den Künstler Rosen mit ins Konzert zu nehemn. Als sich Isaac Stern unter frenetischem Beifall, der nicht enden wollte, verbeugte, wurde er von allen Seiten mit Rosen überschüttet. Erst der feinste Genuss für die Ohren und danach die Augenweide.