Leuchtendes Konfetti
Schreibparty 115
Thema: Mit den Augen des Betrachters Vorgabewörter:
Denkpause
Clown
Wolkenbildung
rostrot
Brücke
Kieselsteine
träumen
Mein 2. Beitrag Kurzgeschichte
ist beim Betrachten von Bild Nr. 2
aus dem Eröffnungsbuch
http://www.mystorys.de/b173390-Sonstiges-Schreibparty-115.htm
entstanden.
Gemälde von Feedre
Kurzgeschichte von Gabriele
Evelyn fand sich unvermittelt in einer behutsam schaukelnden Gondel wieder.
Inmitten des massiven dunklen Holzes fühlte sie sich beschützt und schwerelos.
Das Gefährt bewegte sich ohne ihr Zutun sachte auf dem breiten Gewässer.
Erstaunlicherweise konnte sie das leise Plätschern des Wassers und eine Denkpause genießen, während sie die matte Spiegelung der nächtlichen Wolkenbildung entspannt beobachtete.
Es gab nichts zu tun und nichts zu fürchten. Die Atmosphäre war friedlich.
Sie fühlte sich wohl und leicht ohne die Schmerzen von knirschenden Kieselsteinen in den Gelenken.
Quälende Alltagssorgen waren
verschwunden.
Zeit existierte hier nicht.
Ihr gesamter Körper war warm und weich wie aus Watte.
Während Evelyn in Ruhe ihre unerwartete Umgebung betrachtete, staunte sie über die Herkunft der ungewöhnlichen Lichtverhältnisse.
Denn sowohl das tragende dunkle Boot, wie auch das leise Gewässer leuchteten in fluoreszierenden Farben von Warmweiß, Rostrot und Violett.
So eine leuchtende Umgebung hatte sie noch nie gesehen. Das Licht verteilte sich überall in der Umgebung wie buntes Konfetti, deren Quelle unerschöpflich zu sein schien.
Evelyns Augen leiteten die aufkommende Freude an das Herz weiter, und es hüpfte mit freudiger Aufregung in ihrem Brustkorb.
Auf eine unerklärliche Weise kam ihr diese Gondelfahrt jedoch trotz der unbekannten Lichtverhältnisse seltsam vertraut vor. Und so genoss Evelyn leuchtendes Konfetti und das sanfte Schaukeln der Gondel mit allen Sinnen.
In dem Moment, als die Gondel unter einer malerisch verzierten Brücke hindurch schaukelte, fielen große Tautropfen vom Geländer auf Evelyns Gesicht. Als ihre Hand sie wegwischen wollte, griff sie in flauschiges Fell.
„Hm“, überlegte Evelyn, „irgendwas stimmt hier nicht.“
Die Brücke und das Gewässer lösten sich in Nichts auf. Das fluoreszierende Licht in den unterschiedlichen Farben blieb, verbunden mit dem wohligen Gefühl der Schwerelosigkeit.
Evelyns Hand streichelte über das samtige Fell ihrer Katze, während sie leise vor sich hinmurmelte;
„Oh, Murmel, ich habe so was Schönes geträumt. Und du weckst mich einfach auf!“
Wieder wurde es feucht an ihrer Wange. „Du sollst mir doch nicht das Gesicht lecken, Murmel! Lass das!“
Augenblicklich schlug Evelyn die Augen auf und starrte direkt auf das feuchte Näschen ihrer Katze. Mit leichtem Druck schob sie den Kopf von Murmel zur Seite und streckte sich.
Während sie sich auf die Seite drehte und ihre Beine dehnte, wurde Evelyn plötzlich bewusst, woher ihr die leuchtende Umgebung und das Gewässer bekannt vorkam.
„Komm` Murmel, wir müssen mal schnell in die Küche!“
Eilig warf sie sich den Bademantel über und steuerte geradewegs auf den kleinen Küchentisch zu, gefolgt von der mautzenden Samtpfote.
Fieberhaft blätterte Evelyn die auf dem Tisch liegende Kunst- und Kreativ- zeitschrift durch, bis sie das Bild von der Künstlerin Feedre wiederfand.
„Ja, genau! Das ist es, Murmel. Im Traum war ich der Clown auf der Gondel und saß mittendrin in diesem leuchtenden Konfetti. Das war totel schön! Und ich habe mich so leicht und wohl gefühlt. So angenehm!“
Entschlossen riss Evelyn die Seite aus dem Heft. Sie würde einen Rahmen dafür kaufen und es über ihrem Bett aufhängen.