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Thema: Mit den Augen des Betrachters
Feedres Bild Nr. 2
aus dem Ankündigungsbuch
http://www.mystorys.de/b173390-Sonstiges-Schreibparty-115.htm dient als Vorlage dieser Kurzgeschichte
Vorgabeworte: Denkpause, Clown, Wolkenbildung, rostrot, Brücke, Kieselsteine, träumen
Ich bin Mike, 15, und neu in der Stadt. Alles wirkt laut, fremd und ein bisschen langweilig – bis auf die alten Kirchen und die große Brücke am Fluss. Orte, die Geschichten erzählen. Klingt komisch für einen Jungen, ich weiß. Aber mir ist das egal.
Heute stand ich endlich auf dieser Brücke. Rostig, knarrend, richtig cool. Meine Finger strichen über das Geländer, das an manchen Stellen rostrot schimmerte. Unter mir lag das Flussbett, flach und still, nur ein paar Pfützen zwischen den grauen
Kieselsteinen.
Ich machte eine kurze Denkpause. Etwas an diesem Ort fühlte sich eigenartig an, als hätte die Brücke ein Bewusstsein. Mein Herz klopfte schneller, aber ich konnte nicht wegsehen.
Dann entdeckte ich die Leiter, die ins Flussbett führte. Fast komplett vom Gestrüpp überwuchert, hätte ich sie beinahe übersehen. Vorsichtig schob ich die Zweige zur Seite. Die rostigen Stufen wirkten, als hätten sie Jahrzehnte unberührt überdauert.
Langsam kletterte ich hinunter. Jeder
Kiesel unter meinen Füßen rutschte bedrohlich. Über mir begann eine merkwürdige Wolkenbildung. Plötzlich formte sich eine Wolke wie ein grinsender Clown, dann noch eine – bald waren es drei. Ihr Lachen war nicht laut, eher ein Flüstern, das sich direkt in meinen Kopf bohrte. Ich schluckte schwer.
Zwischen den Kieselsteinen lag ein schwarzes, glänzendes Objekt. Es wirkte lebendig. Ich streckte die Hand aus – und sofort vibrierte der Boden. Ein kalter Schauer raste durch meine Beine. Mein Herz hämmerte, als hätte es die Kontrolle
verloren.
Die Brücke knarrte über mir, die Wolken-Clowns starrten mich an, und das schwarze Objekt pulsierte, als würde es atmen. Ich wusste, dass ich es berühren musste. Meine Hand zögerte – dann drückte ich.
Plötzlich bewegte sich die Brücke wie ein lebendiges Wesen. Stahl ächzte, Holz knarrte. Geländer klappten ein, Pfeiler reckten sich, und der Boden vibrierte so stark, dass ich fast stolperte. Ein grelles Licht erhellte den Himmel. Die Wolken-Clowns zogen sich hastig zurück, als hätten sie geahnt, dass jetzt etwas
Großes beginnt.
Ich stand da, genau zwischen Angst und Abenteuer, zwischen Realität und etwas, das ich bisher nur aus dem träumen kannte. Alles um mich herum schien zu pulsieren, und ich fragte mich, ob ich jemals wieder in die Normalität zurückfinden würde.
Dann klingelte der Wecker. Ich riss die Augen auf, das Herz noch immer rasend. Auf meinem Nachttisch lag ein Buch mit schwarz-roten Einband. Darauf waren drei Clowns abgebildet.
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. War es nur ein Traum? Oder hatte das Buch mich auf etwas vorbereitet? Eines wusste ich sicher: Heute würde ich zurück zur Brücke gehen.