Kurzgeschichte
Mit den Augen des Betrachters - SP 115

0
" Mit den Augen des Betrachters - SP 115 "
Veröffentlicht am 15. Januar 2026, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. ;)) Schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleine Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?
Mit den Augen des Betrachters - SP 115

Mit den Augen des Betrachters - SP 115


Bild ist von Pixabay, von Donata



Schreibparty 115

Ein Bild von der Künstlerin

Feedre Bild Nr, 2...


Thema: Mit den Augen des Betrachters



Vorgaben: Denkpause, Clown, Wolkenbildung, rostrot, Brücke,

Kieselsteine, träumen.



Mit den Augen des Betrachters

Milow, der Clown, war an diesem Nachmittag erneut zu einem Kindergeburtstag in Clownsville gebucht. Schon ein Jahr zuvor hatte er hier gestanden, im selben Wohnzimmer, mit demselben bunten Kostüm und demselben geübten Lächeln. Damals war alles leicht und fröhlich gewesen. Heute saß das Kostüm zwar perfekt, die Schminke war makellos, doch innerlich fühlte er sich leer. Lachen fiel ihm schwer. Er war ein Clown, der nicht lachen konnte.





Als er durch die Wohnung ging, fiel sein Blick auf ein Bild an der Wand, das ihm seltsam vertraut vorkam. Er hatte es schon einmal gesehen – vielleicht vor Jahren –, doch damals war es ihm nie wirklich aufgefallen. Jetzt erkannte er die Details: verschlungene, bunte Gesichter wie bei einer Maskerade, Masken, die lachten, weinten oder schelmisch zwinkerten. Eine Maske stach besonders hervor, elegant verziert mit Federn, die im Licht schimmerten. Die Farben flimmerten, als würden die Gesichter ihn direkt ansehen und leise rufen.

Milow machte eine Denkpause. Er trat

einen Schritt näher, richtete den Blick fest auf das Bild – und mit diesem Schritt trat er direkt ins Bild hinein. Sofort begannen die Kieselsteine unter seinen Füßen zu knirschen, als wollten sie ihm etwas zuflüstern. Die Brücke im Bild wirkte wie ein schmaler Übergang zwischen zwei Welten, zwischen Realität und Traum. Jeder Schritt ließ sein Herz schneller schlagen, als stünde er kurz davor, eine unsichtbare Schwelle zu überschreiten. Die Wolkenbildung über der Szene wirbelte wie ein lebendiger Traum, und die rostrot leuchtenden Wolken spannten sich am Himmel. Von draußen drang noch das ferne Lachen der Kinder herein, ein

letztes Echo von Freude, das langsam in der Stille verklang. Ein kaum hörbares Flüstern schien direkt auf ihn zu reagieren, als er die Schwelle betrat: „Komm … sieh … folge …“Neugier, Staunen, Angst und Sehnsucht antworteten gleichzeitig in Milow. Milow begann zu träumen, doch es war kein Schlaftraum. Clownsville erschien aus einem neuen Blickwinkel: Straßen, Häuser, Lichter – alles pulsierte in einem geheimen Rhythmus, den sonst niemand wahrnahm. Das Bild sprach zu ihm und offenbarte Geheimnisse, die die Stadt

seit Jahrzehnten verborgen hielt. In diesem Moment verstand Milow: Er war nicht verschwunden. Er war auserwählt, Teil dieser anderen Welt zu sein – einer Welt im Bild, die nur mit den Augen des Betrachters gesehen werden konnte. Zum ersten Mal spürte er Staunen, Freude und ein unheimlich wunderbares Gefühl von Freiheit. Die Party draußen war längst vorbei. Niemand vermisste Milow, und doch hatte sich etwas verändert. Das Bild an der Wand leuchtete noch immer leicht, als hätte es neue Geheimnisse aufgenommen. Milow wusste, dass er nun an einem Ort war, an dem alles möglich

schien – zwischen Realität und Traum, zwischen Licht und Schatten, zwischen einer Clownswelt, wie sie niemand kannte. The Ende


0

Hörbuch

Über den Autor

PamolaGrey
Meine Leidenschaft ist das Lesen, oft kann ich nicht aufhören zu lesen bis das Buch zu Ende ist, bis tief in der Nacht. ;)) Schon immer spielen Bücher eine große Rolle in meinem Leben. Kleine Geschichten habe ich immer schon geschrieben, die heute gut verwahrt in einer Schublade liegen. Manchmal nehme ich sie wieder raus, und schreibe aus ihnen eine neue Geschichte?

Leser-Statistik
10

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
Nachtkerze 
Liebe Pam,
danke für deine vielschichtige Bildgeschichte, die ich sehr gerne gelesen habe und zum Nachdenken anregt.
Gruß, Nachtkerze
Gestern - Antworten
FranckSezelli Hallo Pamola,
wieder eine neue Sichtweise auf dieses Bild. (Es ist das Bild Nr. 1 – Macumba – von Feedre, nicht die Nr. 2, wie du am Anfang schreibst). Ein Clown, dem das Lachen abhanden gekommen ist, wird in das Bild hineingezogen und erfährt – und mit ihm auch der Leser – eine neue Welt. Eine interessante Bildbetrachtung voller Mystik. Gelungen!
Freundliche Grüße
Franck
Gestern - Antworten
Phantasus Auch mir gefällt dein Text sehr gut, Pamela. Es ist die besondere Fähigkeit von Clowns und Dichterm, sich in einer Traumwelt einzurichten.
Beste Grüße
Ekki
Diese Woche - Antworten
Kornblume Ein toller Text der mich nachdenklich und auch ein bisschen traurig stimmt.Alle Vorgabeworte hast Du gut eingesetzt.
Dem Clown Milow wünsche ich das er sich in seiner Traumwelt wohler fühlt als in der Wirklichkeit.
Vielleicht gelingt es ihm dort nach einer Denkpause die Wirklichkeit wieder besser zu verstehen.
Danke, für diesen Text sagt die KOrnblume
Diese Woche - Antworten
Eichenlaub Liebe Pam,
ich bewundere Deinen Schreibstil, einfach großartig, wie Du diese Geschichte zu Feedres Bild "dahingezaubert" hast.
Ich bin begeistert.
Lieben Gruß
Gerlinde
Diese Woche - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
5
0
Senden

173410
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung