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Der sinnende Clown

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"Der sinnende Clown"
Veröffentlicht am 03. Januar 2026, 4 Seiten
Kategorie Sonstiges
© Umschlag Bildmaterial: vic&dd - Fotolia.com
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht: Der Winter ist ein Bösewicht, die Bäume tragen Schneegewicht, die Stämme sind kahl und so schwarz wie ein Pfahl, die Felder sind weiß und auf dem See liegt Eis. In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.
Der sinnende Clown

Der sinnende Clown

Der Clown blickt zurück auf das alte Jahr, als läge es hinter ihm wie eine verbrauchte Bühne. Die Kieselsteine der Monate drücken kalt durch die Sohlen, jeder ein Tag, den er getragen hat, jeder rund geschliffen von Wiederholung und Verlust. Über der Brücke sammelt sich Wolkenbildung, zögerlich, tastend, das Licht darin rostrot, als hätte die Zeit selbst Narben angenommen und sie nicht mehr verbergen wollen. Er fürchtet das neue Jahr. Nicht aus Feigheit — sondern weil Hoffnung Gewicht hat.

Er setzt sich. Eine Denkpause, in der das Lachen von gestern langsam verhallt und das Schweigen von morgen näher rückt. Der Clown weiß: Man kann fallen, auch wenn man stillsteht. Und man kann weitergehen, ohne einen Schritt zu tun. Dann schließt er die Augen. Beginnt zu träumen Er träumt nicht von Sicherheit. Er träumt von Standhalten. Von Tagen, die nicht glänzen müssen, nur wahr sein wollen. Von einer Brücke, die ihn trägt, auch wenn er zögert.


Als das neue Jahr anklopft, öffnet er nicht sofort. Aber er bleibt. Und das ist bereits Mut.


Manchmal genügt es, sich selbst in ein paar Zeilen wiederzuerkennen, wie in einer Scheibe beschlagenen Glases: nicht alles klar, aber wahr. Du darfst zögern. Du darfst fürchten. Du darfst träumen, auch mit müden Augen. Das neue Jahr muss nicht erobert werden. Es reicht, ihm standzuhalten — mit dem, was du bist, und dem, was du noch wirst.

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Hörbuch

Über den Autor

KatharinaK
Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht:
Der Winter ist ein Bösewicht,
die Bäume tragen Schneegewicht,
die Stämme sind kahl
und so schwarz wie ein Pfahl,
die Felder sind weiß
und auf dem See liegt Eis.
In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.

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Kornblume Alle Gute für Dich im Neuen Jahr Gesundheit und Glück
Auch ich wünsche mir Tage, die nicht glänzen müssen, nur wahr sein wollen
Oft scheitert dieser Wunsch am Lügenlächeln anderer und auch manchmal von mir selbst.
Grüße in Dein Land und an Dich schickt die KOrnblume.
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Bleistift 
"Der sinnende Clown..."
Ein in der Tat, fast schon philosophischer Text, der dem Leser viel Spielraum für eigene Interpretationen lässt, der mir aber ungeachtet dessen, trotzdem sehr gut gefällt, liebe Katharina... ...smile*
LG zu Dir
Louis :-)
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Feedre Da kann ich mich Ekki nur anschließen....gefällt mir sehr gut.
lieben Gruß Feedre
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Phantasus Mir scheint, der Beitrag wurde außerhalb des Spiels und einer strittigen Vergangenheit geschrieben.
Ich kann mich unbefangen äußern: Er gefällt mir sehr.
LG
Phantasus
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