Tannengeflüster
Im tiefen Forst, wo das Licht wie staubiges Gold durch die hohen Kronen rieselt, beginnt ein ganz leises Zittern.
Ein Wispern, das nur jene hören, deren Herz noch Wurzeln hat.
„Er kommt.“
So rauscht es von Nadel zu Nadel, wie ein geheimer Atemzug. Die Tannen beugen sich kaum merklich gegeneinander, als wollten sie sich Mut schenken. Harzduft steigt auf, warm wie ein letzter Fluch, süß wie ein Gebet.
Der Holzfäller schreitet durch den Morgen, seine Axt schimmert im ersten
Frost. Er denkt an Kaminfeuer, an Wärme, an ein schlichtes Leben. Doch die Bäume denken an Zeit – an Jahr für Jahr, an Schnee und Stille, an die unsichtbaren Geschichten, die in ihren Jahresringen leuchten.
„Haltet stand“, tuschelt die älteste Tanne, knorrig und doch voller Würde.
„Er sieht nur Holz. Wir aber sind Lied.“
Und für einen flüchtigen Moment scheint der Wald aufzusteigen, ein Chor aus Harz und Hoffnung, der den Wind bittet, seine Stimme zu bündeln. Vielleicht, nur vielleicht, verharrt der Holzfäller. Vielleicht spürt er etwas in der Luft, etwas, das nach Erinnerung klingt.
Vielleicht senkt er die Axt.
Vielleicht nicht.
Doch in diesem Atemzug zwischen Entscheidung und Schicksal klingt ein Tannengeflüster, das selbst dem Winter Trost schenkt: „Wir sind noch hier.
Und solange wir rauschen, lebt das Licht im Wald.“