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zum 2. Advent - Glosse

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"zum 2. Advent - Glosse"
Veröffentlicht am 07. Dezember 2025, 6 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Über den Autor:

Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht: Der Winter ist ein Bösewicht, die Bäume tragen Schneegewicht, die Stämme sind kahl und so schwarz wie ein Pfahl, die Felder sind weiß und auf dem See liegt Eis. In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.
zum 2. Advent - Glosse

zum 2. Advent - Glosse

Glosse zum 2. Advent „Wenn zwei Kerzen brennen – und alles andere ebenfalls“


Der zweite Advent ist ja angeblich der Moment, in dem die Ruhe langsam Form annimmt. Ein leises Doppelflammen-Ritual, zwei Kerzen, zwei Versprechen, zwei Chancen auf Frieden. So steht’s zumindest im seelischen Werbeprospekt. In der Praxis jedoch hat der zweite Advent die charmante Angewohnheit, sich wie ein Countdown anzufühlen: Noch zwei Wochen bis Weihnachten.

Noch 13 Tage bis zu den großen familiären Endgegnern. Noch 3000 Minuten bis zum Erkenntnisschock: „Warum habe ich eigentlich noch kein einziges Geschenk?“ Die Kerzen brennen beschaulich— dafür brennen im Hintergrund auch Nervenenden, Energiereserven und gelegentlich der Backofen, weil man gleichzeitig Plätzchen backen, den Tee ziehen lassen und zumindest zwei seelische Großbaustellen verwalten wollte. Der zweite Advent ist ein freundlicher Scherz des Kalenders.

Er tut so, als wolle er uns einbetteln in sanftes Licht, doch in Wahrheit legt er nur den Finger auf den Puls und sagt: „Na? Merkst du’s schon? Jetzt geht’s richtig los.“ Und während draußen die Welt glitzert, glimmt drinnen das schlechte Gewissen, man möge doch endlich zur Ruhe kommen. Eine hübsche Idee— würde sie nicht konsequent sabotiert von To-do-Listen, deren Länge bedrohliche Ausmaße annimmt wie ein Tannenbaum, der merkt, dass er jetzt gleich ins Wohnzimmer gezerrt wird.

Aber vielleicht ist es genau das, was uns der zweite Advent zuflüstert: Nicht Perfektion.

Nicht Friede auf Knopfdruck. Sondern nur ein kleines Doppellicht, das sagt: „Atme. Auch wenn alles brennt— du brennst wenigstens schön.“.

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Über den Autor

KatharinaK
Ich erinnere mich noch gerne meiner allerersten Zeilen - ein Schulgedicht:
Der Winter ist ein Bösewicht,
die Bäume tragen Schneegewicht,
die Stämme sind kahl
und so schwarz wie ein Pfahl,
die Felder sind weiß
und auf dem See liegt Eis.
In den seither vergangenen Jahrzehnten hat sich mein Schreibstil sicher geändert - ist erwachsen geworden -, aber die Freude am Schreiben ist ungetrübt.

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Kornblume Ja, liebe Katharina, lass uns durchatmen und achtsam mit uns und den Lieben umgehen.Deine Geschichte gefällt mir gut.
Schicke Dir trotzdem herzliche Grüße zum ZWEITEN ADVENT :-),
Vor ein paar Monaten - Antworten
KatharinaK Was heißt hier: trotzdem? Lass dich drauf ein.
Liebe Grüße, Katharina
Vor ein paar Monaten - Antworten
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