
Vorwort – Erfindungen, Teil 2 Dieses Buch erzählt die Geschichte von Lucy, Jasper und ihren Abenteuern rund um Erfindungen, Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen. Wer neugierig ist, wie man mit Mut, Ideen und Teamgeist große Projekte meistern kann, wird hier viele spannende Momente
erleben. Es geht um Zusammenhalt, um kleine und große Herausforderungen des Alltags und darum, dass man durch Kreativität fast alles lösen kann – manchmal sogar den Ärger der Eltern. Alle Personen und Ereignisse in dieser Geschichte sind erfunden. Dennoch steckt hinter jeder Handlung die Botschaft: Wer mutig ist und an sich glaubt, kann viel erreichen. © Pamola Grey „Bei unserem Nachbarn steht ein kleiner
Rasentraktor. Der Nachbar sagt, der Motor ist kaputt, aber das glaub ich nicht. Vielleicht kann ich ihn bekommen und zum Laufen bringen.“ „Traust du dir das zu?“ „Ich werd’s zumindest versuchen,“ versichert Jasper. „Prima, das gefällt mir,“ küsst Inga Jasper auf die Wange, „wo soll ich dir die Werkzeuge hinfahren?“ „Am besten zu mir nach Hause,“ wischt Jasper sich mit der Serviette den Mund ab, „will gleich nachher sehen, ob ich
den Bohrhammer reparieren kann.“ „Na dann lasst uns gehen,“ steht Inga auf, „ich bezahle an der Theke.“ Lucy nimmt Jasper an die Hand und schlendert mit ihm zum Auto. Dass Roger sie gesehen hat, als er durch die Seitenstraße, in der das Eiscafé liegt, zu seinem nächsten Kunden abgekürzt hat, haben die Drei nicht bemerkt. Inga kommt zum ersten Mal zu dem kleinen Haus, in dem Jasper mit seiner Tante wohnt. Sie ist erstaunt, wie ordentlich die Garage und die Bastelecke eingerichtet sind, in denen Jasper
arbeitet. Auch der Garten und die Anlagen ums Haus sind gepflegt. „Hier würde es mir auch gefallen,“ sieht sie sich interessiert um. „Jasper, bist du das?“ ist eine leise Stimme aus dem Haus zu hören. „Ja, Tante, ich komm gleich rein. Muss nur was in die Werkstatt bringen.“ Kurz darauf lernt Inga Jaspers Tante Maja kennen. Sie ist eine Schwester seiner Großmutter, sitzt in einem großen Ohrensessel und arbeitet an einer
Stickerei. „Tante, ich möchte dir Inga vorstellen...“ „Ist das Lucys Mutter?“ unterbricht Frau Jasper. „Ja, ich hab dir schon von ihr erzählt.“ „Wo kommst du denn her? Ich hab auf dich gewartet,“ fragt Tante Maja. „Ich hab Lucy und Inga in der Stadt beim Trödler getroffen...“ „Hast du dir was
gekauft?“ „Ja, der Händler hatte gute Werkzeugmaschinen zu verkaufen...“ „Hast du denn das Geld dafür?“ „Nein, Inga hat es mir geliehen. Ich mähe dafür ein Jahr lang den Rasen, schneide Bäume und Büsche,“ erklärt Jasper rasch, bevor seine Tante etwas dagegen sagen kann. „Kommen Sie doch bitte etwas näher,“ streckt die Tante ihre Hände aus, „wissen Sie, ich sehe nicht mehr so gut. Sie müssen nah zu mir
kommen.“ Inga spürt eine angenehme Wärme, als sie die Hände der alten Frau hält. „Ich hab Jasper das Geld gern geliehen. Er hilft auch Lucy in der Schule.“ „Ja, er ist ein guter Junge,“ bestätigt Tante Maja, „meine Schwester könnte stolz auf ihren Enkel sein, wenn sie noch leben würde. Vielen Dank, dass Sie Jasper unterstützen. Wissen Sie, er muss alles zerlegen, sehen, was drin ist, und versucht Maschinen und Geräte wieder zum Laufen zu bringen, bei denen andere längst aufgegeben haben. Kommen Sie,
setzen Sie sich zu mir,“ räumt Tante Maja ein paar Stickrahmen zur Seite, „lassen Sie uns ein wenig schwatzen. Ich bin viel allein und will nicht, dass Jasper seine Zeit vertrödelt.“ „Hei, das sind wunderbare Motive,“ nimmt Inga einen der Rahmen in die Hand, „wunderschön gemacht.“ „Seit meine Augen nicht mehr so mitmachen, gelingt es mir nicht mehr, die Farben aufeinander abzustimmen.“ „Aber nein,“ schüttelt Inga den Kopf, „sie irren sich, das sind wunderbare Arbeiten. Ich kenne niemanden, der so
etwas Tolles kann.“ „Gefallen sie Ihnen?“ „Oh ja, sie haben etwas Großartiges geschaffen.“ „Dann suchen Sie sich welche aus,“ bietet Maja an, „ich schenke sie Ihnen.“ „Ich wüsste gar nicht, welchen Rahmen ich nehmen soll,“ sieht Inga sich an, was auf dem Tisch liegt, „einer ist s schön wie der andere.“ „Dann nehmen Sie alle,“ schiebt Maja die Rahmen zusammen, „sie haben auch
Jasper geholfen. Lassen Sie mich ihnen das schenken. Wissen Sie, ich bin schon alt und kann nichts mitnehmen.“ Ingas Herz beginnt heftig zu schlagen, als sie sieht, welch herrliche Arbeiten Maja ihr geschenkt hat. Zusammen wickeln sie jeden Rahmen in Packpapier und binden den Stapel mit einer Schnur zusammen. „Vielen herzlichen Dank,“ nimmt Inga die alte Frau in die Arme, „jedes einzelne Stück bekommt einen Ehrenplatz in meiner Wohnung.“ „Habt viel Freude
daran.“ „Lucy, Süße, wir müssen los,“ nimmt Inga den Stapel auf den Arm, „denke, Papa ist schon zu Hause.“ Inga hat richtig vermutet. Roger ist zu Hause, als sie und Lucy ins Wohnzimmer kommen. „Na, habt ihr euch gut amüsiert, miteinander geflirtet?“ fragt er, ohne Hallo oder Guten Tag zu sagen. Inga merkt sofort, dass er wegen irgendetwas angefressen
ist. „Wie kommst du auf die Idee, dass wir uns amüsiert und geflirtet haben?“ versucht Inga, um herauszufinden, worum es geht. „Ich hab dich gesehen,“ wird Roger laut, „euch zwei, und diesen Dünnbrettbohrer… du hast sogar mit ihm rumgemacht… im Eiscafé…“ „Paps, das ist nicht fair,“ wehrt Lucy sich gegen diesen Ausdruck. „Du hältst dich raus,“ richtet Roger seinen Zeigefinger auf Lucy, „ich rede
mit deiner Mutter.“ „Nein, das tue ich nicht,“ widerspricht Lucy ihm energisch, „es geht mich an, wenn du Jasper so nennst.“ „Und ich sage dir, halt dich raus,“ faucht Roger Lucy an. „Hättest du die Güte, uns zu sagen, was los ist?“ setzt Inga sich auf das Sofa, um die Spannung zu mindern. „Ich hab euch gesehen,“ wiederholt Roger, wird dabei laut, „euch zwei und den Schmalspurhans… du hast sogar mit ihm rumgemacht im
Eiscafé…“ An dem Eissafe merkt Inga, dass Roger etwas getrunken hat, sie riecht eine leichte Fahne. „Setz dich,“ deutet sie auf den Sessel gegenüber, „und unterbrich mich bitte nicht. Lucy kritisiert dich zurecht. Du hast Jasper einmal kurz gesehen und urteilst über ihn, als wäre er der letzte Heuler. Aber er ist schwer in Ordnung, und ich freue mich, dass Lucy mit ihm befreundet ist. Wir haben ihn in der Stadt beim Trödler gesehen, wie er Werkzeugmaschinen aussuchte und überlegte, wie er sie finanzieren kann.
Ich hab sie ihm gekauft, einen Akkuschrauber und einen Bohrhammer dazu. Jasper will versuchen, sie zu reparieren.“ Als Roger etwas einwenden will, hält Inga ihm den Finger vor den Mund. „Schsch… hör zu… wir sind nach dem gelungenen Einkauf ins Eiscafé, um die Eispizza zu probieren, die Jasper uns empfohlen hat. Ich hab mich mit ihm über seine weiteren Pläne unterhalten…“ „Die Maschinen haben sicher nicht nur ’nen Zwanziger gekostet. Wie und wann will er dir das Geld zurückgeben?“ platzt Roger nun
dazwischen. „Gar nicht,“ kontert Inga, „er mäht dafür ein Jahr lang den Rasen, schneidet Bäume und Büsche. Gekostet haben die Maschinen dreihundert.“ „Du gibst für den… dreihundert aus… willst ihn unseren Rasen… und die Büsche…“ „Ja, ich denke, ich kann über mein Geld verfügen. Dein Kumpel hat allein für die Bäume und Büsche zweihundertfünfzig verlangt.“ „Dafür hat er auch den Grünmüll
entsorgt…“ „Das machen wir zusammen…“ „Und wenn ich damit nicht einverstanden bin?“ „Muss ich dir sagen, dass es mir egal ist,“ kontert Inga energisch, „wenn ich zusammenrechne, was wir deinem Kumpel all die Jahre bezahlt haben…“ „Dafür haben wir aber erstklassige Arbeit bekommen,“ fällt Roger Inga ins Wort. „Das stimmt, aber das heißt nicht, dass
wir mit Jasper keine erstklassige Arbeit machen. Ich war bei ihm zu Hause, hab seine Tante kennengelernt, das Haus, den Garten, die Anlage drum herum, die Garage, Werkstatt gesehen, alles tipptopp in Ordnung, sauber und gepflegt… und drei Mal darfst du raten, wer sich darum kümmert, die Tante, die fast nichts mehr sieht.“ Roger sieht, dass es ihm nicht gelingt, die Vereinbarung zu kippen. „Macht, was ihr wollt, ich möchte nicht, dass Lucy mit so einem Hanswurst befreundet ist,“ versucht er, sich zu behaupten, „solltest du dich trotzdem
weiter mit ihm treffen, werde ich Mittel und Wege finden, es zu unterbinden.“ „Paps, das ist fies,“ ruft Lucy laut, „fies und gemein…“ „Beruhige dich,“ nimmt Inga Lucy in die Arme, sieht Roger ernst an. „Du gehst entschieden zu weit. Ich dulde nicht, dass du so über Jasper urteilst, obwohl du ihn überhaupt nicht kennst. Lass es auch nicht zu, dass Lucy die Freundschaft mit ihm verbietet. Wenn du nicht einverstanden bist, dass wir die Arbeiten zusammen machen, kannst du so lange weggehen, bis wir fertig
sind.“
In der Woche darauf kommt Jasper zum ersten Mal, um den Rasen zu mähen. Er hat für den Rasentraktor von seinem Nachbarn einen Tauschmotor gefunden und eingebaut. Dafür darf er ihn benutzen, wann er ihn braucht.
Inga und Lucy fahren auch eine Runde über den Rasen. Es macht ihnen großen Spaß. Roger hat sich in der Zeit verdrückt, ist zu einem Freund Karten spielen gefahren.
Zwei Wochen später spitzt sich die Lage zu…
| PamolaGrey vielen Dank Yumiko für lesen meiner kleinen Geschichte. LG Pam |