probe Szene muss so nicht in der reihe TALEE YA’SÉ SHA’HA vor kommen aber so enlich
Rückblick: Talee, 7 Jahre alt, auf dem Schoß ihrer Mutter
Ort: Ein runder Zeltbau aus Federtuch, überzogen mit Schneetannennadeln
Zeit: Erste Nacht des Wintermonds
Der Wind flüstert durch die Wand aus Nebeltuch.
Draußen tanzen Schneeflocken wie leise Gedanken.
Talee sitzt auf dem Schoß ihrer Mutter, in eine warme Decke aus Wolfspelz
gehüllt.
Ihr Atem dampft. Ihre silberblauen Augen spiegeln das Feuer.
Ihre Mutter beginnt zu singen – leise, wie man in Sina zu den Ahnen spricht.
IHRE MUTTER (flüstert singend)
„Sha’lé wanú… Inari ke’sa-ta.
Sha’há ni-Talee. Sha’lé sha’há ni.“
(„Der Wind wehte… und Inari wartete.
Sie kam als Talee. Der Wind war sie.“)
Talee blinzelt,
lauscht.
TALEE (leise)
„Das bin ich? Der Wind?“
IHRE MUTTER (nickt)
„Du bist Wind. Und Schnee. Und das, was kommt, wenn alle still sind.“
Sie streicht ihr das Haar aus der Stirn.
IHRE MUTTER (wieder singend)
„Sha’ná yahai… yahai no’káa.
Sha’lé ya’sé sha’ha.“
(„Sie fiel… fiel ohne
Schmerz.
Wie lautlose Geschichte.“)
Talee legt den Kopf an ihre Brust.
TALEE (murmelnd)
„Warum hat er mich gewählt, Ama’eya? Der Fuchsgeist?“
IHRE MUTTER
„Nicht er, mein Kind. Die Seele. Sie gehört ihm.
Und er? Er gehört dir.
Denn du warst die Erste, die alle sechs Lieder hören konnte.“
Sie greift in eine kleine Schale neben
dem Feuer – holt eine Feder, legt sie Talee in die Hand.
IHRE MUTTER (sanft)
„Weißt du, was die Alten sagen, wenn zwei Lichter gleichzeitig geboren werden?“
Talee schüttelt den Kopf.
IHRE MUTTER (flüstert)
„Dann wird der Himmel entscheiden, welches leuchtet – und welches verbrennt.“
Stille. Nur der Wind singt weiter –
durch die Bäume, durch das Tuch, durch
Talees Herz.