Kurzgeschichte
Urlaub

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Veröffentlicht am 11. Juni 2025, 8 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Ulrich Seegschütz/Pixabay
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Urlaub

Fast 2 Stunden stehe ich auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn, bis mich jemand hineinlässt.

Als ich wenige Kilometer weiter eine Frau, die mit einer Wagenpanne auf dem Standstreifen liegengeblieben ist, entdecke, schaue ich schnell nach links und beobachte ein paar Kühe, die neben der Autobahn auf einem asphaltierten Platz nach Grashalmen suchen. Einige blicken traurig zu einer kleinen Wiese in der Nähe, die umzäunt ist. Ein großes Schild weist auf eine Selbstschuss-Anlage hin. Vor der Wiese einige Kühe, die nicht lesen konnten.


30 Grad. Es ist kalt in Deutschland. Erleichtert atme ich auf, als ich endlich im Ausland angekommen bin. Im Hotel trägt ein höchstens 12 Jahre altes Mädchen meinen schweren Koffer nach oben. Ich schlendere hinter ihr her und halte die Kamera drauf. Später erzählt sie mir, dass sie für umgerechnet 4 Euro am Tag arbeitet und damit ihre Familie ernährt. Am Meer angekommen, fotografiere ich überrascht einige käsig aussehende Badegäste, die unbekümmert neben

einem riesigen Abflussrohr baden, aus dem eine dampfende, grüne Flüssigkeit ins Meer sickert. Als der erste Tourist aus dem Wasser kommt, bleiben seine Haare zurück und treiben auf den Wellen. Erschrocken fasst der ältere Mann sich an den Kopf. Einige Urlauber lachen. Andere reißen ihre Kameras hoch und filmen. Hier am Strand ist es noch heißer. Fast 40 Grad im Schatten. Es ist kalt im Ausland.


Wieder im Hotel, schalte ich den Fernseher ein. Nachrichten. Die vielen Toten schrecken mich nicht. Mir graust vor den Lebenden, die es in die Nachrichten geschafft haben. Auf einem anderen Kanal sehe ich, wie die Natur verzweifelt zurückschlägt und ein paar Menschlein unter Lava und Asche begräbt. Ein letztes Aufbäumen. Sie weiß, dass sie auf Dauer keine Chance hat. Lava und Asche erhitzen die Umgebung zusätzlich. Die vielen Opfer schrecken mich nicht.


Mir graust vor den Überlebenden und ihrem Einfallsreichtum. Tausend Kilometer weiter tropft Schweiß von den Gesichtern der Arbeiter, die einen Regenwald abholzen. Kein Schatten schützt die Männer vor der Sonne. Der Boden saugt jeden Tropfen Schweiß gierig auf. Stolz muss man sich leisten können. Hitze wabert über dem nackten Feld, das sich vor Schmerzen krümmt und windet.

Es ist so kalt auf der Welt. So kalt. © Ulrich Seegschütz Mai|2012

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