Humor & Satire
Doc Superarzt

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"Doc Superarzt"
Veröffentlicht am 25. Juli 2024, 10 Seiten
Kategorie Humor & Satire
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Über den Autor:

Ich bin: durchgeknallt, neugierig, verrückt, wissbegierig, büchersüchtig, eigen, Musik Junkie, extravagant, dickköpfig, zu laut - also ganz normal ...
Doc Superarzt

Doc Superarzt

Doc Superarzt Vorab: Ich hasse Arztbesuche! Deshalb gehe ich möglichst nur einmal im Jahr zu meiner türkischen Ärztin. Sie ist locker drauf und hält keine medizinischen Vorträge. „Du musst endlich zu einem vernünftigen Arzt“, quengelt meine beste Freundin. „Deine komische Ärztin, die macht doch nichts.“ „Eben“, kontere ich. „Ich habe ja auch nichts.“ Sie schaut mich kritisch mitleidig an. „Du siehst schlecht aus, ganz blass! Wer weiß, was du hast! Anämie … oder so

…Du lässt dir sofort einen Termin bei meinem Doc geben, ehe es noch schlimmer wird! Er ist super!“ Plötzlich fühle ich mich schlecht. „Meinst du?“ „Oh ja!“ Ich bin guter Dinge. Habe mich vor dem Arztbesuch gründlich im Spiegel betrachtet und finde, dass ich schon viel besser aussehe. Aber sicher ist sicher. So sitze ich dem Superdoc gegenüber. Er fragt nach der Krankengeschichte meiner Familie. Das dauert … Ich brauche eine Augensalbe, aber die verschreibt er mir nicht, ich soll zum Augenarzt

gehen. Der Drucker rattert … „Drei Überweisungen?“, frage ich verwirrt. „Wir müssen auf Nummer sicher gehen“, ist die Antwort. „Augenheilkunde, okay. Angiologe? Kenne ich nicht.“ „Ihr Großvater ist an einer Arteriosklerose gestorben, das haben sie eben selbst erzählt.“ „Aber er ist 85 geworden“, sage ich und schaue mir die nächste Überweisung an. Spontane Schnappatmung. „Gastroenterologe … Darmspiegelung???“ „Nur prophylaktisch. Sie müssen wissen

– ich hatte Darmkrebs.“ „Echt … und weil Sie … soll ich …“, stammele ich. „Es ist zu deinem Besten, Mädchen.“ Mädchen??? „Never ever!“ Ich schüttele bockig den Kopf. Er mustert mich kalt. „Noch etwas, Sie sind extrem dünn! Zu dünn.“ „Wie jetzt? Wieso zu dünn? Für meine Größe bin ich genau richtig. Übrigens ernähre ich mich vegetarisch“, kontere ich. „Da haben wir es. Sie ernähren sich nicht vernünftig.“ Der Arzt runzelt seine buschigen Augenbrauen. “ Reichhaltig, nachhaltig, gesund, ausgewogen und

zuckerfrei, das ist meine Devise. Zum Thema empfehle ich dieses Buch!“ Er hält mir ein Taschenbuch unter die Nase. „ich habe im letzten Jahr 10 kg abgenommen. Das Buch enthält Tipps zum zu- und abnehmen. Sozusagen für jede Lebenslage.“ „Ich möchte lieber nicht zunehmen … und ich ernähre mich genau richtig.“ Keine Reaktion. „Hier, das Buch. Es kostet für meine Patienten nur 18,90 Euro. In acht Wochen sehen wir uns wieder.“ Genervt, entmutigt, und mit dem Buch „Reichhaltig, nachhaltig, gesund, ausgewogen und zuckerfrei“ bewaffnet, verlasse ich die

Praxis. Gegenüber ist ein Café. Ich bestelle einen Kakao mit Sahne und habe direkt ein schlechtes Gewissen wegen des Zuckers. „So fangen Essstörungen an“, denke ich und trinke noch einen zweiten. Acht Wochen später habe ich wieder einen Termin bei Doc Superarzt. Das passt. Nach meiner Corona Infektion habe ich komische Kopfschmerzen. „Waren Sie bei allen Ärzten, wie ich es empfohlen habe“, fragt er sofort. „Kein Termin, nicht in den nächsten sechs Monaten“, antworte ich und grinse. „Nur beim Augenarzt hatte ich Glück. Aber der hat mir die Augensalbe nicht

verschrieben. Er hat gesagt, ich soll Tropfen in der Apotheke kaufen. Die wirken aber nicht. Daraufhin habe ich die Salbe ausprobiert, die meine Katze vom Tierarzt bekommen hat. Die hilft gut.“ Der Arzt sieht mich irgendwie blicklos an. „Da ist noch was …“ Ich beschreibe meine Kopfschmerzen. Er meint, dass irgendwelche Wirbel verschoben sind. Einrenken macht er nicht. Schmerzmittel? „Bei mir wirkt alles nicht so gut“, gebe ich zu bedenken. „Nehmen Sie Drogen, trinken Sie?“ „Nein, natürlich

nicht.“ „Ich glaube aber schon.“ „Ehrlich nicht. Mein Neffe hat das auch!“ „Nimmt er Drogen, trinkt er viel Alkohol?“ „MEIN NEFFE IST SECHS JAHRE ALT!“ Ein räuspern. „Die Kopfschmerzen, Sie sollten keinen Zucker essen und keinen Alkohol trinken. Ich habe hier ein Buch …“ Ich mustere ihn mit meinem superkalten Superblick. „Schwierige Patientin“, murmelt er. Der Drucker rattert. Wieder drei Überweisungen. Wieder Darmspiegelung

dabei. Der Mann ist wie ein Terrier. Ich packe den Krempel, rausche aus der Praxis und weiß, dass ich mit gesenktem Haupt zu meiner türkischen Ärztin zurückkehren werde.

Im Café gegenüber bestelle ich mir einen fetten Kakao mit extra Sahne und Schokostreuseln oben drauf und einen Cognac, dazu kaue ich einen Zuckerwürfel. Das Leben ist schön.

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Tetris
Ich bin: durchgeknallt, neugierig, verrückt, wissbegierig, büchersüchtig, eigen, Musik Junkie, extravagant, dickköpfig, zu laut - also ganz normal ...

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PamolaGrey Haha, der Arzt und seine ganzen Überweisungen – das erinnert einen echt daran, wie uns Ärzte manchmal unnötig vollpacken. Super, wie du den absurden Drang nach Perfektion und Kontrolle in der Medizin zeigst! Aber am Ende des Tages will man doch einfach nur leben und genießen. Dein Ende mit dem Kakao und Cognac ist der perfekte, rebellische Abschluss!
LG Pam
Gestern - Antworten
Gabriele 
Liebe Mara,
ich habe heute deine Geschichte vom "Superdoc" gelesen und kann nur sagen, dass die "Stimmung" oder "Tendenz" deiner Ausführungen sehr meinen eigenen Erfahrungen und Konsequenzen entspricht. Deshalb mag ich deine Geschichte sehr!!

Hätte ich vor knapp 3 Jahren nicht konsequent auf meine Intuition gehört, meine damalige Hausärztin hätte mir ein Magengeschwür "verpasst" und es wäre untergegangen, dass die Ursache lediglich die Milz (Folgeschädigung durch ein Medikament) war........
Mittlerweile kann ich mit Freude nicht nur einen Kakao trinken, sondern wieder Eis essen ;-)

Viele liebe Grüße von Gabriele

PS: Ich bin gespannt auf die Challenge.....
Vor einem Monat - Antworten
Tetris Danke und Grüße
Mara
Vor einem Monat - Antworten
Eichenlaub 
Hallo Tetris,
es ist zwar ein ernstes Thema, musste aber auf den Seiten 7 und 8 wirklich lachen. Toll, wie Du hier den Arztbesuch mit einem Augenzwinkern ganz locker beschrieben hast.
Ich finde, dass man nach einem Arztbesuch, egal bei wem, sowieso erst einmal ein Stück Sahnetorte in einem Café vernaschen sollte. -zwinker-

Lieben Gruß
Gerlinde
Vergangenes Jahr - Antworten
Tetris Gute Idee (Sahnetorte)!!! Werde ich mir merken.
Danke und Grüße
Mara
Vergangenes Jahr - Antworten
Annabel so einen Arzt...sehr´, sehr gerne gelesen. Herzlichen Dank für mein Schmunzeln. Lieben Gruß an dich von Annabel
Vergangenes Jahr - Antworten
Tetris Danke und Grüße zurück
Tetris
Vergangenes Jahr - Antworten
Andunne Gefällt mir sehr gut deine humorvolle Geschichte.
Ich meide Ärzte wo ich kann!
L.G. Andrea
Vergangenes Jahr - Antworten
Tetris Hallo Andrea,
danke fürs Lesen.
Es freut mich, dass dir die Story gefällt.
Grüße
Tetris
Vergangenes Jahr - Antworten
Bleistift 
"Doc Superarzt.."
Ha, wie sich doch die Bilder gleichen... ...smile*
Gerne gelesen... ...grinst*
LG
Bleistift :-)
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