Heissa! Wie angenehm man leben kann
in Rio oder Cannes
ohne dass man täglich schuftet
mit Geld, das nach Parfüm süß duftet!
Gewiss, gewiss, vom Himmel fällt der Mammon nicht
doch Jean-Jaques war nun mal ein warmes Licht
das jede Frau verwirrt
wenn sie im Dunkeln sich verliert
Ach, wie oft fiel die erste große Liebe ihm in den Schoß
nach einem Lächeln oder einer Geste bloß!
Immer war da jemand - ein Mädchen, eine Frau
All die Blumen und er der Tau!
Die Biene, die stets ausgebucht
von Damen, die sehr gut betucht
und so floss - Dank charmanter Masche
mehr als Honig in seine Tasche
Übel nahm ihm das noch keine
Na ja, doch, eine
Sah sich mit ihm schon vorm Altar
Eltern, Freunde, die ganze Schar
All seine Schwüre hat sie geglaubt
war aller Träume nun beraubt
Dafür soll büßen dieser Schuft!
Soll atmen nur gesiebte Luft!
Und so fand Jean-Jaques sich wieder
vor Gericht und kniete nieder
blickte auf und ihm wurd' klar
dass der Kadi eine hübsche Kadin war!
Die Blicke, die sich die beiden schenkten
während ihre Seelen sich verrenkten
gingen durch Mark und Bein
und in die Geschichte ein!
Doch sah die Vorsitzende sich vor
als seine Unschuld er beschwor
und sie rief: "Gemach! Gemach!"
als der Kläger sich erbrach
Keine Frage: Gerecht war sie, penibel und genau
aber eben auch ... na ja... irgendwie auch Frau!
So betrachtete sie alles von hinten und vorn
dann traf Jean-Jaques ihr ganzer Zorn!
Wie Fäuste prügelten ihre Worte auf ihn ein
trafen tief und schürten seine Pein
Er war das alles nicht gewöhnt
hatte das Leben ihn doch stets verwöhnt!
Und nun legte der Wind der Gerechtigkeit
Zeugnis ab von seiner Schlechtigkeit!
Opfer kamen und gingen
nicht ohne dasselbe Lied zu singen!
So hart das Urteil schließlich war
das die Gesellschaft da gebar
Es kam schlimmer noch später dann im Knast
die Richterin hatte etwas Besonderes ihm verpasst
Seine abbruchreife Zelle lag direkt am Meer!
Das machte es ihm doppelt schwer
Die Freiheit, die früher ihm war einerlei
lief nun im Bikini an ihm vorbei
Das alles hier war unter seinem Niveau
besonders das gammelige Klo
denn dort gab es statt Papier nur Sand
Vom Strand
© Ulrich Seegschütz
Mai|2024