
Aphorismen 37. - 24. von Alexej Licharew 37. Die Philosophische Anthropologie als philosophische Strömung gelang zu jenem Zeitpunkt zu ihrem Begriff, als die Menschen im weiter voranschreitenden säkularisierenden Europa sich nochmal theoretisch neu orientieren, sich neu justieren mussten. “Durch einen Identitätsverlust, der durch eine in ihrer Radikalität nie vorher dagewesene Krisensituation der
Vernunft” (Sander) statt fand, ergaben sich vielerlei Versuche, essentielle Gewissheiten über den Kern des Menschen herauszufinden. Max Scheler’s Methode zur Charakterisierung des Menschen ist eher einem Vergleich ähnlich. Wie allgemein die Philosophischen Anthropologie die Menschen mit den Tieren verglichen, Gemeinsamkeiten und Differenzen beobachteten. Bei Scheler ist es keine bloße Gegenüberstellung mit einer Pro-Contra-Aufzählung, sondern ein mehrteiliges Stufenmodell der psychischen Kräfte und
Fähigkeiten der organisch biologischen Organisationsprinzipien. Die Forderung von Ludwig Feuerbach, dass die Philosophie sich doch bitte von der Theologie lösen und sich mit den Naturwissenschaften verbinden solle, fand in der Konzeption Scheler’s seinen theoretischen Nachklang. Hauptaufgabe sei gewesen: die philosophische Deutung vom empirischen Wissen der Menschen. Diese sollte auf dem Boden empirischer Erkenntnisse gedeihen und wuchs bei Scheler bishin in metaphysische Abstraktionen,
mithin zum Geist. 38. Scheler’s Überzeugung gemäß sei für den Menschen charakteristisch, dass er und sie Geistträger sei. Die Menschen seien dadurch Menschen, weil sie einen Geist in sich tragen. Das ist die anthropologische Differenz zu den Tieren. Hegel meinte schon, dass die Seele, die anfängt zu denken, sich zum Geist entwickle. Dieser geistmetaphysichen Tradition bleibt Scheler treu. Aber die Menschen sind biologisch betrachtet, von Geburt an Träger. Sie sind
Gehirnträger, Herzträger, Organträger, Fingernägelträger, Erfahrungsträger, Energieträger, Sprachträger, Bildungsträger, Potenzialträger und Zellenträger. Das Tragen ist ein schönes Grundcharakteristikum des Menschen. Überlebenwollen bedeutet ein Tragenwollen seiner Gesamtkonstitution. Sie tragen und ertragen, dass was gesollt, gewollt und gefordert ist. Die Physiologie ist die Basis der organischen Materjalbewegungen. Wenn sie sich noch anmaßen Licht zu tragen, dann sind die Menschen etymologisch betrachtet luziferisch, also lichttragend.
Im spirituellen Milieu dürfte das zweifelsfrei keine Einwände erheben. Und selbst Buddha galt als der zeitliche Erleuchtete. Ein Subjekt, das Licht absorbierte und also luziferisch wahr. Er saß im Freien, in der Natur, an Bäumen, hat meditiert und das Gegenwärtige betrachtet, ließ sich von der Sonne bräunen und als er umher lief und sich mit den Leuten unterhielt, sagten sie: Ey guck mal, der leuchtet ja. Phänomenal. der Erleuchtete. Wie schön ist doch seine Sanftmütigkeit. Einer der sich bräunen und beleuchten
ließ, leuchtet. Wow. Selbst Buddha war Träger einer solaren und veritablen Geistigkeit. Aber auch Herz- und Gehirnträger. Er trug Haare, Bakterien in seinem Magen und ab und an Nahrungsmittel in seinen Gedärmen. Er trug seinen Urin hin und her in seiner Blase, und musste sich entleeren. Das Tragen gehört zum Menschen wie das Blinzeln zu den Augen. Kein Mensch ist ein Unträger. Wir alle müssen tragen. Die Tiere. Die Pflanzen. Die Engel und Eimer. Selbst die Mütter haben ihre Sprösslinge getragen und ausgetragen.
Wir tragen wärmende Klamotten und ohrganisierten Ohren. Wir tragen Wasser und Holz und Elemente und Säfte in uns. Genetisch betrachtet sind wir biologisch materielle Genträger. Unser Schädel trägt Augen und unsere Beine tragen unser Gewicht. Manchmal tragen wir Rucksäcke, Pakete oder Marmeladengläser, damit wir uns versorgen können. Die Menschen können nicht umhin etwas nicht zu tragen. Tragen ist ein anderes Wort für Gravitation. Manche tragen mehr, manche tragen weniger.
Manche ertragen mehr, manche ertragen weniger. Leider Gottes. Die Toleranz ist unmittelbar mit der Tragfähigkeit verbunden. Das Erdulden sei eine Tugend. Ein stolzer Vater trägt sein Kind, weil es noch nicht laufen kann und ein Philanthrop erträgt den Bettler, weil er sich nicht mehr selbst versorgen kann. Wenn ich ein Buch lese, bin ich ein Buchträger. Das heißt dann aber Buchhalter und nicht Buchträger. Ja das stimmt. Ich gebrauche meine Hände, um Bücher zu tragen und zu erlesen. Wenn ich einkaufen gehe, dann trage
ich Produkte im Beutel. Wenn ich Wasser trinke, dann ist mein Magen ein Wasserträger und dies wiederum sichert mein Überleben. Wir tragen, um zu überleben. Wir ertragen, um gut zu leben. Die Menschen sind Tragewesen. Homo Portans. Wir tragen Geist. Wir tragen Kultur. Wir tragen Biologisches. Vermutlich entstanden daraus die Tragödien. 39. Manche sind zerbrochen, an dem was sie ertragen mussten. Ähnlich den Gewichthebern, die sich 150 Kilo draufballern und
dann Probleme mit ihren Muskeln und Sehnen haben. Das was einige Menschen ertragen mussten, ist unermesslich, völlig übertrieben, ihre Muskeln und Sehnen, ihre Psyche waren darauf nicht vorbereitet. Wie im Physiologischen so auch im Psychischen. Manche ertragen diesen kulturell transsubjektiven Druck nicht. Wenn es zu viele Probleme und Belastungen gibt, zu viele giftige Informationen und Belästigungen zerbrechen die Leute, weil sie es nicht gewohnt sind, das Überwältigende zu ertragen. Und das Überwältigende geht einher
mit einer überbordenden Informationsflut, mit Forderungen und Erwartungen, mit Arbeitsdruck und schematischen Standardisierungen, mit einem Zuviel an Brillanz, mit einer Art von: Das kann ich nicht. Daraus entstanden Traumatas, schlechte Stimmungen, Übel, Depressionen, Entgleisungen, Übertreibungen, Entartungen, abhängige Gewohnheiten und weitere Charaktere. Das Tragen hat Grenzen. Und wenn diese Grenzen überschritten werden, dann entstehen unangenehme Gefühle und Überlastungen.
Die kulturellen Überlastungen sind oftmals Grund für Alkoholismus und exzessiven Drogenkonsum. Um die Verzweiflung der eigenen Unzulänglichkeit zu kompensieren, flüchtete der eine oder andere in die situative Berauschtheit des einfachen Konsums. Die Obdachlosen hätten auch anders gekonnt, wenn man sie nicht so überfrachtet hätte. Sie, als die partiell Gebrochenen, sind die Opfer von Kulturen, die viel zu viel Druck und Erwartungen den einfachen Subjekten überlassen haben. Zerbrochen ist der,
der mit dem Leben nicht mehr klar kommt, weil die Erwartungen und Anstrengungen zu groß geworden sind. Daraus entstanden Folgeprobleme, Frustrationen, Verzweiflungen, Kapitulationen. Aber wer interessiert sich heutzutage noch für Opfer? Die Götter*innen. Sie sind doch nicht die Erfolgreichen, wieso sollte man diese thematisieren? Wer nicht trägt, wird vielleicht nicht vergessen. Homo portans is homo importani. Wichtig ist ichtig mit w. 40. Wir haben so biologische Gene. Und
wir haben psygenetische kulturelle Gene. Wir nannten es Wissen und Gewissen. Wir kannten Einstein und Hawkings. Wir machten uns Gedanken und schreiben Worte. Einige waeren sogar stolz darauf, nicht so zu heißen wie manche Berühmtheiten. Und wir machten jetzt chili sin carne. si pues. Hauptsache nicht allein. for love. 41. Das Alphabet. Es ist logisch. Und es ist dialogisch. Wenn du Regen sagst, meinst du auch Wasser. Buchstaben sind niemals
allein. Wenn du Spanisch sprichst, sprichst du mehr als eine Sprache. Wenn du braun bist, hast du dich mehr als bräunen lassen. Deine Blutung bleibt rot. Innerlich bleibt der Mensch rot. Oder du hast braune Gene. Je nach dem. Wie der Karamell-i-Sierungs-Grad agiert. 42. Fragmente und partielle Ganzheiten. Wer fragt, der fragmentiert. Fragmente bilden das Grundgerüst unserer freien Bildung. Wer nicht Fragmente absorbiert, darf sich nicht Gelehrter nennen.
Fragmente sind der Grundstoff unserer schulischen Bildungsanstalten. Wir lernen Stück für Stück. Stoff für Stoff. Pö a Poe. in Fragmentationen. Mathematik, Deutsch, englisch, Russisch, Biologie, Grammatik, Chemie, Astrologie, Musik, Kunst, Dialektik, Sport und Philosophie. Jedes Unterrichtsfach hat seine eigene Thematik. Eine fragmentarische Thematik. Diverse Narrative und differente Erzählungen. Spezifische Schreibweisen und Buchstaben, intern verwoben zu einen inneren Gesamtbildnis. Die
Weltanschauung. Die fragmentierte und sukzessiv erkenntnisbildene Weltbildung-Informationsgenerierung. Denn jede stabile Erkenntnis ist Teil des fragmentarischen Wissens. Wir lernen durch Informationspartikel. Jedes Bestandteil einer Information ist herunterskaliert, wieder eine Information. Es sind Elemente. Kognitionselemente. Psyelementationen. prädessreptiv und artkulativ. natürlich physiologisch und psymental verständlich. Sprache und Operationen. Bindungsworte und Kopulationen. Fragmente in nuce.
Fragmente halt. Siehe dafür: Fragmentierung und Ganzheit von David Bohm. ab. s. 207
gefunden in: “Physik und Transzendenz” (hrsg. von Hans Peter Dürr)
| Apollinaris *hopsa* |