Kurzgeschichte
Der kleine Nervtöter

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"Wenn plötzlich eine Idee auftaucht..."
Veröffentlicht am 11. Mai 2021, 12 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Autor/Pixabay
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Wenn plötzlich eine Idee auftaucht...

Der kleine Nervtöter


Die Schublade des DVD-Players schloss sich mit einem leisen Seufzen.

Etwas widerwillig nach den arbeitsfreien Tagen über Weihnachten, erhöhte das Gerät die Umdrehungszahl der Disc und präsentierte mir schließlich das Start-menü.

"Play it again, Sam", lächelte ich und freute mich auf einen gemütlichen Fernsehabend.

Das fertige Steak sah mich kurz fragend an, als ich zur Couch kam, und blickte dann wieder interessiert zum Fernseher.

Es war völlig ahnungslos.

Der Vorspann lief.

Zeit für den ersten Bissen.....

Blitzschnell stieß ich mit der Gabel zu! Das Steak bäumte sich auf, die Enden bogen sich hoch und schlugen wieder auf den Teller.

Dann zuckte das Fleisch noch ein paar Mal und lag still.

Ich lachte triumphierend laut auf. Etwas irritiert unterbrach Bogey seinen Dialog, sah mich kurz an und wandte sich dann kopfschüttelnd wieder Ingrid Bergmann zu.

Etwas später.

Das Steak war jetzt in einer besseren Welt.

Gebannt verfolgte ich die Geschehnisse in Rick's Bar.

Plötzlich kam mir eine Idee! Ein Gedanke für eine neue Geschichte. Er war einfach da und übertönte das Gerede im Fernseher. Als ich zur Fernbedienung griff, um den Ton lauter zu stellen, saß er schon, noch jung und schmächtig, auf der Stopp-Taste. Der Film brach mitten im Satz ab.

Etwas unwillig raunzte ich ihn an:

"Geh rüber ins Arbeitszimmer zu den anderen!"

Der fiese kleine Gedanke trollte sich. Brabbelte missmutig vor sich hin.

Noch bevor ich auf "Start" drücken konnte, war er wieder da und krächzte mit quäkender Stimme:

"Dort ist es ja proppevoll!"

"Du wirst schon noch ein Plätzchen finden. Los! Ab durch die Mitte!"

Trotzig stemmte der kleine Mistkerl die Hände in die Hüften.

"Nein!"

Meine Augenbrauen zogen sich verärgert zusammen.

"Ich warne dich! Ich denke einfach an etwas anderes!"

"Versuchs!"

Ich seufzte.

Er hatte recht. Es gelang mir nicht.

Stattdessen wurde er langsam größer. Im Kopf hatte ich bereits begonnen, Gedankennotizen zu machen.

Wie ein Kobold sprang der kleine Kerl über den Couchtisch, lehnte sich schließlich erschöpft an die Zigaretten-Schachtel, zog mühsam einen Glimm-stängel hervor und hielt ihn mir hin.

"Schreib eine Geschichte um mich herum!"

"Nein!" Nun war ich bockig. "Ich will

den Film sehen!"

Er wechselte die Taktik: zündete ein Teelicht an, zog sein T-Shirt hoch und säuselte:

"Komm! - Nur du und ich. Du willst es doch auch!"

"Bedeck dich! Das ist ja widerlich!", rief ich empört.

Ich musste rufen, denn er war schon zur Stereo-Anlage gehuscht und klapperte gerade mit den CDs.

Kurz darauf erklang leise klassische Musik.

Er bewegte sich rasend schnell.

An meine Kaffeetasse gelehnt, rief er mir zu:

"Schnell! Mach dir ein paar schriftliche Notizen! Wer weiß, ob ich gleich noch da bin?", rief er listig.

Ich seufzte ergeben, schlurfte zum Arbeitszimmer und holte meine alte Olympia raus.

"Schneller! Schneller!", dröhnte mir der widerliche kleine Kerl, der mittlerweile auf meiner Schulter Platz genommen hatte, ins Ohr.

"Bevor du mich vergisst!"

Ich schrieb und schrieb.

Bis tief in die Nacht.

Irgendwann fiel ich ins Bett und schlief sofort ein.

Als ich aufwachte, war ich alleine.

Ausgerüstet mit einem frischen Cappuccino und der ersten Zigarette nahm ich neugierig den kleinen Papierstapel zur Hand und las.

Mein Lächeln wurde immer breiter.

Zufrieden mit mir selbst, legte ich das

Manuskript an die Seite und sagte leise zu mir selbst:

"Sieh an! Aus dem kleinen Nervtöter ist eine wunderschöne Geschichte geworden!"

Ich hatte kaum ausgesprochen, als eine quäkende Stimme an mein Ohr drang:

"He! Schreib eine neue Geschichte um mich herum! Schnell!"

Überrascht und verärgert über die neuerliche Störung, eilte ich in die Vorratskammer, kramte ein wenig in einer Schublade und kehrte ins Arbeitszimmer zurück.

Der kleine Gedanke wuselte über den Schreibtisch. Als er mich kommen sah, stampfte er mit dem Fuß auf und rief: "Schnell! Mach Dir Notizen!"

Mein Arm zuckte hoch - in der Hand eine Fliegenklatsche.

Als es vorbei war, wischte ich mit einem Küchentuch die Reste vom Sekretär, warf alles ins WC und betätigte die Spülung.

Freudig stülpte die Toilette ihren Mageninhalt über das Tuch und den zerquetschten Gedanken.

Ich sah zu, wie die beiden in der Tiefe

verschwanden und murmelte grimmig:

"Heute ist Sonntag - da wird nicht gearbeitet."

©  Ulrich Seegschütz

    Jan|2012

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Feedre Laaaach...ja manchmal können die kleinen Biester
grausam sein, speziell vor dem einschlafen. Wenn man ihnen
nur eine Sekunde zuhört ist es passiert....:-)))
Toll geschrieben
lieben Gruß aus dem spanischen Bratofen
Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
Lagadere 

Dafür kann man beim Einschlafen so schön an einer Geschichte weiterspinnen - wenn man Glück hat, ratzt man dann mittendrin weg :-)
Wettermäßig ist es heute nicht so schlimm, aber morgen und übermorgen möchte ich nicht in meiner Haut stecken!!!

Danke dir und schlaf gut später!

LG Uli

Vor langer Zeit - Antworten
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