Journalismus & Glosse
Kleinigkeiten aus der Großstadt - Nummer 9

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"Bauten und Geld"
Veröffentlicht am 08. Mai 2021, 8 Seiten
Kategorie Journalismus & Glosse
© Umschlag Bildmaterial: lynx, "Subway", piqs.de
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Getauft, Geschieden, Geimpft: 3G also, tretet näher, Herrschaften! Was ich so schreibe, ist natürlich erlebt, erlauscht, erlesen und erlogen; von alberich bis böse oder dunkeltrüb, und mit Vorliebe gereimt. Erfreue mich an Musik verschiedener Richtungen, an Literatur und natürlich an Menschlichem wie Situationskomik und liebevolle Reaktionen abseits des jeweiligen Business'. Solange ich die komische Seite der Dinge erkenne, geht's mir gut -- und ...
Bauten und Geld

Kleinigkeiten aus der Großstadt - Nummer 9

Sicher zu billig

Das also ist der große ruhmreiche BER. Große schicke Hallen, endlos viele Schalter, weite Wege. Der Hauptstadt-flughafen kann durchaus mit Palma de Mallorca mithalten. Nur leider ist er an manchen Stellen unterdimensioniert, schon jetzt während der Coronaregeln. Es gibt endlos viele Eingänge zur Sicherheitskontrolle, darin aber ist es zu eng, über den Stau der Passagiere klagen die Mitarbeiter dort. Und zur S-Bahn führen zwei Fahrstühle, einer defekt, der andere kommt immer gefüllt vorbei; keine Rolltreppe führt Menschen und Gepäck zur letzten Etage

abwärts. Na ja. Es wurde anscheinend doch etwas zu schnell und zu billig gebaut. In der Ankunftshalle wurden internationale Münzen in den Fußboden eingelassen: Mahnmal der hier versenkten Millionen.

Bestimmt zu teuer

Sozialer Problemkiez Berlin-Kreuzberg. In einem Betonbau haben zwei engagierte Frauen eine kleine Wohnung gemietet, der kleinere Raum dient ihnen als Büro für die Vermittlung ehrenamtlicher Patenschaften. Freiwillige Paten helfen ihren Schützlingen bei Hausaufgaben, spielen oder kochen mit ihnen im zwei-ten Vereinsraum, gehen mit ihnen in Museen oder Freibäder, kurz, sie versu-chen zu ergänzen, was den Clienten zu Hause fehlt. Über die Monate und Jahre lernt man sich natürlich auch menschlich etwas kennen und gehört ein wenig zur Familie. – Integration ohne

Tamtam. Eltern eines so betreuten Schülers registrieren gern auch dessen jüngere Geschwister. So umfaßt die Liste im Bürocomputer über 100 „Clienten“. Der Verein erhält einen Preis „für Bildung, Ausbildung und Menschlichkeit“ sowie finanzielle Unterstützung verschiedener Sponsoren, u.a. aus der Schweiz. Dann läuft der Mietvertrag ab für die kleine Wohnung im Haus mit düster-sparsamem Flurlicht, mit Spritzen-bestecken im Treppenhaus. Die neue Miete ist nicht aufzubringen. Das war es also. Die Chefin geht kellnern;

bestehende Patenschaften laufen in Eigenregie weiter. Nun wird mal wieder radikal die Ent-eignung von Immobilienkonzernen ge-fordert. Was die senatseigene städtische Woh-nungsbaugesellschaft betrifft, denen der betreffende Gebäudekomplex gehört: Meinen ungeteilten Beifall habt ihr, Berliner Linke und Bürgerbewegte. © 2021 Brubeckfan

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Über den Autor

Brubeckfan
Getauft, Geschieden, Geimpft: 3G also, tretet näher, Herrschaften! Was ich so schreibe, ist natürlich erlebt, erlauscht, erlesen und erlogen; von alberich bis böse oder dunkeltrüb, und mit Vorliebe gereimt. Erfreue mich an Musik verschiedener Richtungen, an Literatur und natürlich an Menschlichem wie Situationskomik und liebevolle Reaktionen abseits des jeweiligen Business'. Solange ich die komische Seite der Dinge erkenne, geht's mir gut -- und das ist allermeistens.

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KaraList Münzen, früher waren es Taler, rollten schon immer in die Richtung, die der Besitzer der begehrten Kostbarkeit vorgab.
Punktgenau geschrieben, lieber Gerd!
LG
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Danke, liebe Kara.
Beim Gedanken an den Patenverein wachsen mir noch immer Hörner und Reißzähne.
Viele Grüße,
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
Friedemann 
Hallo Gerd,
eine perfekte und leider auch wahre Reportage mit ausgewogenem Inhalt: Der erste Teil zum Weinen und der zweite zum Lachen.

Liebe Grüße,
Friedemann
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Lieber Friedemann,
über den BER wird man sicher mit den Jahren nur noch lachen können. Den abgewürgten Paten-Verein, das müßte man allen Sonntagsrednern um die Ohren hauen.
Danke Dir -- Dein Geld wird nicht versenkt ...
Viele Grüße,
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
Sealord Gut erkannt!
LG Uwe
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Vielen Dank, Uwe.
Vor langer Zeit - Antworten
HarryAltona Was dem Einen fehlt, ist dem Anderen zu viel. Ob Münzen, Platz, oder ein Hauch Verständnis.
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
Brubeckfan Mein lieber Harry,
Danke für DEINE Münzen und DEIN Verständnis.
Der erwähnte Fußbodenschmuck ist ja hübsch, der grimmige Gedanke ist aber halt unausweichlich.
Schönen Abend noch, oder schöne Nachtschwärmerei,
Gerd
Vor langer Zeit - Antworten
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