Religion & Glaube
Kamtschatka-Gebet

0
"Kamtschatka-Gebet"
Veröffentlicht am 25. März 2021, 18 Seiten
Kategorie Religion & Glaube
© Umschlag Bildmaterial: istockphoto-535918785-170667 b
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und ...
Kamtschatka-Gebet

Kamtschatka-Gebet


Prolog: Die Halbinsel Kamtschatka im Osten Sibiriens gehört zu den erdbeben- und vulkanreichsten Regionen der Erde, da hier gleich zwei 2 tektonische Erdkrustenplatten (Pazifische Platte und Bering Block) aufeinanderstoßen und unter die eurasischen Platte abtauchen. Die Ureinwohner – die Itelmenen – litten immer mehr unter den vielen Katastrophen und machten dafür schließlich Kutka, den Schöpfer des Himmels und der Erde, verantwortlich und zeigten ihm dies auch in ihren Gebeten; womöglich wie folgt:



Mein Gott, was hast Du wieder angerichtet! Hast Du noch immer nichts dazugelernt? Was Du einst schufst hast Du partiell vernichtet und bald Dein Schöpfungswerk komplett entfernt. Du schenktest uns vor langer Zeit das Leben, jedoch gehst Du mit ihm nicht sorgsam um: Du lässt die Erde immer wieder beben, dann liegen Deine Kinder tot herum. Doch nicht genug, oft kommt' es ja noch schlimmer: Du nervst uns permanent mit dem Vulkan! Es scheint, Du wirst allmählich dumm und dümmer. Oh Kutka, wirst Du nun zum Blödian? Warum erschufst Du riesenhohe Berge? Dort ist die Luft zum Atmen doch zu dünn und Menschen kommen sich da vor wie Zwerge, welch Unsinn hattest Du damit im Sinn?

. Und dieser Murks ist nicht Dein letzter Lapsus: Dein Meeres-Tidenhub ist wohl ein Witz: Dem Zufluss folgt am selben Tag der Abfluss, dies Rauf und Runter ist doch zu nichts nütz! So nutzlos sind auch Deine Kakerlaken. Am schlimmsten war jedoch Dein letzter Streich: Warum nur schicktest Du uns die Kosaken? Sie zwingen uns brutal ins Russenreich. + + + Mein Gott, wie alt und schwach bist Du geworden, sieh’s endlich ein und setze Dich zur Ruh. Uns plagen mordende Kosakenhorden, und Du schaust nur noch unbeholfen zu. bwb (bitte weiterblättern)

Epilog: Der Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller, der im Auftrage des russischen Zaren den Osten Sibiriens erkundete, verfasste den Bericht „Beschreibung von dem Lande Kamtschatka“, der 1774 erschien und in dem er das Verhältnis der Itelmenen zu zu ihren Göttern wie folgt beschrieb: Die Itelmenen verehren viele Götter. Der größte unter allen ist der Schöpfer des Himmels und der Erden, den sie einhellig Kutka oder Kutga nennen. Von dem sagen sie sei alles gemacht und entstanden. Weil sie nun keinen andern Begriff von

einer Gottheit und denen nötigen Eigenschaften derselben haben, als welchen sie von unordentlicher Anschauung seiner Werke bekommen, und demjenigen was gutes und böses in der Welt vorgehet, ohne einige Reflexion auf die Ordnung Gottes, so halten sie sich viel klüger als Gott, niemand törichter, unsinniger, dümmer als ihren Kutka, welches man nach meinem Wissen bei keinem einigem Volk unter der Sonnen abenteurelicher als bei diesem angetroffen, dergestalt, dass man sie ohne einiges Unrecht geborne Gottes Lästerer nennen kann. Eben dahero schätzen sie ihn auch aller Verehrung unwürdig, bitten weder etwas von ihm,

noch danken ihm, sondern treiben mit keiner einigen Sache mehr Kurzweil als mit ihrem Schöpfer Kutka. Sie sprechen: wenn er klug und vernünftig gewesen wäre, so würde er die Welt viel besser erschaffen haben, nicht so viele Gebirge und Höhe unbesteiglicher Klippen darein gesetzet, auch keine so schnelle und seichte Ströme erschaffen haben, noch bis diese Stunde so große und anhaltende Stürme und Regen verursachen, dieses aber alles sei aus Dummheit und Unverstand geschehen. Dahero wenn sie einen hohen Berg im Winter auf oder abfahren, schelten sie sehr schrecklich auf Kutka, passieren sie wider den Strom in Kähnen aufwärts im Sommer, so

geschiehet solches eben so hart, so oft sie an seichte und schnell fließende Örter kommen. Von diesem Kutka glauben sie, dass er mit einer Frauen Chch so von ausnehmendem Verstand und mittlerer Schönheit, vermählet gewesen sei. Dieselbe hätte den Kutka vermöge ihres Verstandes a) von vielen Torheiten abgehalten und ihn beständig corrigiret, auch zum öftern augenscheinlich seiner Torheit überzeuget. Mit dieser Chch soll Kutka viele Jahre an denen größesten Strömen auf Kamtschatka gelebet, b) und Kinder gezeuget haben, davon sie, die Itelmenen entstanden. Zeit seines Aufenthalts auf Kamtschatka erzählen sie folgende lächerliche und

gotteslästerliche Begebenheiten von ihm, ohne das geringste Nachdenken Scheue oder innerliche Beunruhigung. Hier folgt eine lange Aufzählung von Possen, in denen der arme Kutka kräftig durch den Kakao gezogen wird.









bwb (bitte weiterblättern)









0

Hörbuch

Über den Autor

Friedemann
"Friedemann" ist nur mein Vorname, für meinen Nachnamen "Kriegsfuß" reichte (aufgrund der von myStorys vorgegebenen Obergrenze von 14 Zeichen) leider der Platz nicht mehr. Mein Name besagt, dass ich im Grunde ein sehr friedliebender Mensch bin, der aber verbalen Auseinandersetzungen nicht grundsätzlich aus dem Weg geht. Diese sind gelegentlich die Folge von satirischen Texten, für die ich schon seit meiner Schulzeit (als noch Lehrer und Mitschüler ihre Opfer waren) eine Vorliebe habe. Gemäß meinem Motto - Humor ist das Knopfloch, mit dem wir verhindern können, dass uns der Kragen platzt - kommt hierbei allerdings der Humor (meistens) nicht zu kurz.

Leser-Statistik
18

Leser
Quelle
Veröffentlicht am

Kommentare
Kommentar schreiben

Senden
cassandra2010 
Munteres , selbstbewusstes umd stolzes Völkchen, das da zum theologiscjen Toefschlag ausholt. Hat mir gut gefallen, das Gedicht.
LG aus dem knallsonnigen Troja
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
Friedemann 
Liebe Cassy,
ich freue mich sehr, dass Du an diesem Büchlein mitsamt dessen Protagonisten Gefallen fandest.

Liebe Grüße und ein herzliches Dankeschön auch für Dein Futter für mein Sparschweinchen,

PS: Als wir vor nunmehr 49 Jahren Troja besuchten, sah es noch nicht sehr wohnlich aus: Lediglich ein großer Hügel mit einem breiten Graben war zu sehen. Inzwischen wirst Du sicherlich ja Dein Domizil wieder hergerichtet haben, hoffentlich mit Sonnenschirm?
Vor langer Zeit - Antworten
cassandra2010 
Hab ich, danke der Nachfrage. Ein großer Pool mit Loungebereich und Strandbar ergänzt meine Anlage.

Aus dem heute verregneten Troja (!)
grüßt herzlich
Cassy
Vor langer Zeit - Antworten
Enya2853 Herrlich, lieber Friedemann!
Das habe ich jetzt mit Interesse und viel Spaß gelesen. Was für ein Volk, diese Itelmene. Da kann man sich eigentlich eine Scheibe abschneiden. Wenn ich daran denke, was die christliche Religion im Mittelalter (und darüber hinaus) bei den Menschen für Ängste erzeugt hat, dann lobe ich mir doch die Einstellung dieser Itelmenen.

Ein besonderes Lob an dich, denn das, was Steller einst berichtete, hast du in Versform mit viel Humor sehr treffend umgesetzt und weitergeführt. Chapeau!

Liebe Grüße und einen schönen Tag.
Enya
Vor langer Zeit - Antworten
Friedemann 
Ja, liebe Enya,
auch ich lobe mir das Gebaren der Itelmenen im Umgang mit ihren Göttern. Man muss sie ja nicht gleich herablassend verspotten wenn man sie durchschaut hat, doch wenn man ihnen blind vertraut und angeblich in ihrem Auftrag als Gotteskrieger auch noch zum Mörder wird, dann herrscht in deren Köpfen immer noch das dumpfe Mittelalter. Da sind mir die Itelmenen lieber.

Liebe Grüße und herzlichen Dank für Deine dickes Lob und Dein dickes Geschenkpaket.
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Mit viel Humor gewürzte Geschichte. Dieser Menschenschlag gefällt mir, der die "Götter" nicht so ernst nimmt.
Wollte auch noch Oster"geld" dazu legen, aber da hatte ich alles schon ausgegeben. Wird nachgereicht (wenn ich es nicht vergesse. Das Alter....)
Komme leider nicht zu oft zum Lesen, die Augen ermüden auch zu schnell.
Dir und den Deinen wünsche ich ein schönes und gesundes Osterfest.

Liebe Grüße
Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
Friedemann 
Liebe Bärbel,
auch mir hatte diese Völkchen auf Anhieb gefallen, sonst wäre dieser Beitrag garnicht erst entstanden. Dein Beifall und all Deine Geschenke sind mir eine Freude und bleiben dies natürlich auch, falls das Alter ...

Liebe Grüße und herzlichen Dank, und auch Euch ein allseits gelungenes Osterfest
Friedemann

PS: Ich hatte für das Gedicht eine kleinere Schriftgröße als für Vor- und Nachwort gewählt, damit beim Lesen der willkürliche Zeilenumbruch nicht den Rhythmus stört.
Falls die Schrift zu klein zum Lesen ist, kann man sie vergrößern. Das „Wie“ hatte ich vergessen, hiermit aber wieder gefunden:
Über die Tastatur: mit der Tastenkombination [ strg ) [+) . Je öfter Sie das klicken, umso mehr vergrößert sich die Ansicht. Rückgängig machen können Sie die Vergrößerung mit [strg) [-) . Über Tastatur und Maus: Taste [ strg ) und das Scrollrad Ihrer Maus.
Vor langer Zeit - Antworten
baesta Das habe ich auch gemacht. Das Lesen fällt mir zur Zeit trotzdem schwer. Müsste mal zum Augenlasern, aber in dieser verrückten Zeit bin ich doch etwas vorsichtiger. Man weiß ja nie, wer alles im Wartezimmer sitzt. Man muss da ja immmer ziemlich lange warten.

LG Bärbel
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Wieder einmal ein ganz besonderes Buch, mein Lieber.
Und wieder was gelernt. Kamtschatka - da fiel mir immer nur Halbinsel ein und Sibirien, sonst nix. ;o)
LG
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
Friedemann 
Liebe Angie,
es freut mich sehr, dass Dir das Büchlein gefiel und Dich interessierte, nur macht mich meine Lehrerrolle etwas verlegen, da ich mir in meiner Schulzeit gelobte, niemals Lehrer zu werden. Mir gefiel halt in der damaligen TV-Sendung, wie noch die Nachfahren der Ureinwohner über die alten Götter spöttelten und meine Neugier weckten.

Mit lieben Grüßen bedanke ich für Deinen Besuch und Deinen Favoriten,
Friedemann
Vor langer Zeit - Antworten
Zeige mehr Kommentare
10
18
0
Senden

166947
Impressum / Nutzungsbedingungen / Datenschutzerklärung