Sonstiges
Verafein

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Veröffentlicht am 06. Januar 2021, 12 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Verafein



Staunend verfolgte ich mit dem Blick meine Finger.

Wie von allein flogen sie über die Tastatur der Schreibmaschine, kaum dass ich daran gedacht hatte, diese alte Geschichte wieder aufzuwärmen. Und nun köchelte sie. Kochte über und ergoss sich über das weiße Papier, das die Ereignisse von damals gierig und freudig aufnahm. Damals. Als ich meine Frau kennenlernte. Damals. Als ich mich so heftig verliebte, dass sich sämtliche Zimmer in meinem

"Haus", die lange Zeit leer gestanden hatten, urplötzlich mit neuem Leben füllten. Mit Liebe. Und während meine Hände über die Tasten huschten, tauchte Veras Gesicht wieder vor mir auf. Wohin ich auch schaute - auf das Blatt Papier, das sich leidenschaftlich an die Walze der Schreibmaschine presste, auf die Wände, die sich im Laufe der Jahre mit Liebe vollgesogen haben, auf die Decke, die uns schon so lange lächelnd zuschaute, oder den Fußboden, den ich anbetete, weil SIE darüber gegangen war. Sie, die so unglaublich hatte lächeln

können - überall sah ich Bilder der Vergangenheit. Sah den ersten Tag in meiner neuen Heimat, das kleine Häuschen, das ich mir gekauft hatte und begrüßte Menschen, die mittlerweile längst gegangen sind. Immer schneller schlugen die Typen aufs Farbband, gruben sich tief ins Papier, zuckten vor und zurück und zogen eine Spur der Erinnerung über das unschul-dige Weiß. Und im Trommeltakt ihrer Schläge lächelte Vera mich zum ersten Mal an, erwiderte meinen ersten Kuss, ging Händchen haltend mit mir spazieren, lag

auf mir, unter mir, neben mir und nickte zustimmend zu den Bildern, die in meinem Kopf auftauchten und gleich wieder von neuen Eindrücken verdrängt wurden. Dann plötzlich, mitten in mein schönstes Erinnerungslächeln hinein, stockte der Schreibfluss. Das Hämmern der Typen, das Lied der Schreibmaschine, die die Melodie meiner Seele aufgenommen hatte, verstummte. Schatten hatten sich bedrohlich über Veras Gesicht gelegt. Vermischten sich mit blauem Licht, das von der Straße herein pulsierte. Lungenentzündung.

Veras Kampf hatte lange gedauert. Tapfer hatte sie alles über sich ergehen lassen. Wenn es ein Jammern, ein Klagen oder ein Hadern mit dem Schicksal gegeben hatte – Vera hatte nichts davon nach außen dringen lassen. Wahrscheinlich hatten ihre Tränen alle schlechten Gedanken stumm aus ihr herausge-waschen. Und Tränen hatte es in jenen Tagen viele gegeben. Nicht nur bei ihr. Und Er, der ständig über uns wacht, hatte unsere Tränenperlen auf eine Schnur der Vertrautheit gefädelt und daraus eine Kette gefertigt, die uns mehr

verbunden hatte, als es eine aus dem härtesten Stahl hätte tun können. Dann, eines Tages, waren die Wolken, die über unserem Glück aufgezogen waren, verblasst und schließlich verschwunden.


. Zaghaft begannen die Typen wieder, sich zu bewegen.. Mein Lächeln bei dem Gedanken an den ersten Spaziergang mit Vera im Park des Krankenhauses, als festgestanden hatte, dass sie wieder ganz gesund werden würde, übertrug sich auf die

Schreimaschine, die ihren munteren Tanz der Lettern freudig wieder aufnahm. Und so schrieb ich über Stunden. Ließ all meine Liebe über die Tasten in das nachsichtig lächelnde Papier fließen. Und ein fertiges Blatt nach dem anderen legte sich zärtlich auf den Stapel, der unser Lebensglück beschrieb. Der Morgen graute schon, als ich mich erschöpft zurücklehnte. Mein zufriedener Blick fiel auf die müden Tasten. Sicher hatten sie nun auch

genug und wollten sich zur Ruhe begeben. Vielleicht ein bisschen neidisch auf das Glück des Schreibers. Aber einmal musste ich sie noch kurz bemühen. Ich war noch nicht ganz fertig. Und so stanzten sie ein weiteres Wort in das Papier: Schwanger.

© Ulrich Seegschütz

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Lagadere


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AnneSchrettler 
Deine Ideen, deine Bücher sind wunderschön
und ich finde es schade,
dass du ihnen immer nur kurz die Chance gibst,
vom Leser entdeckt zu werden :)

Lieber Gruß,
Anne
Vor langer Zeit - Antworten
Lagadere Ja....seufz....da sprichst du ein altes Problem an, über das ich auch schon mit meinem Therapeuten gesprochen hab. Er meinte, ich sollte klein anfangen.
"Zu Beginn einfach mal 24 Stunden lang nicht löschen.."
Ich weiß noch, wie ich entsetzt aufgesprungen bin.
"WAS?!? 24 Stunden? Ich dachte eher so an 2 oder drei...."
Mein Bewährungshelfer war nun wieder ganz anderer Meinung. Er fand das ganz okay, dass "Sie Ihre Wut kanalisieren und an Büchern auslassen"
Müde an Körper und Geist griff ich zum letzten Mittel und rief MUTTI an und erzählte ihr alles. Auch von meinem Problem mit dem Bücher rausnehmen.
Wie üblich ging es zuhause wieder sehr laut zu, weil meine Geschwister - auch die erwachsenen - noch zu Hause wohnen. Na ja, das Haus gehört Opa, einem Veteran zweier Weltkriege und alle haben Angst, wenn sie nicht vor Ort sind.....
Mir fiel auf, dass Mutti schwer zu verstehen war unabhängig von der Geräuschkulisse und gab ihr einen Rat:
"Mutti, du brauchst beim Telefonieren keine Maske zu tragen!"
"Ne, das ist keine Maske - Papa hat mir auf die Schnauze gehauen, weil ich das Essen aus dem Esszimmer genommen hab, bevor alle gegessen haben".
Von hinten rief Opi:
"HÄH??? WER ist da?"
"ULLLLIIIIIIII!!!!"
"Wat will hej?"
"Weiß nicht, hab nicht alles verstanden. Irgendetwas mit einer Tanta Hanna aus dem Internet; die hat keinen Teppich und will mit einem Flugzeug an den Himmel schreiben, dass er seine Zähne zu oft rausnimmt!"
"Ach so! Sag ihm: Wenn es sich bewegt - erschieß es!"
Frustriert legte ich auf.
Und weil heute Sonntag ist, war ich noch beim Beichten.
Unser Pfarrer hat sich auch alles angehört und meinte dann:
"Tritt bei Seite, mein Sohn - draußen warten 30 Leute mit RICHTIGEN Problemen!"

Da helfen nur noch Selbstreflexion und tatkräftige Entschlüsse!
WUFF!
Vor langer Zeit - Antworten
AnneSchrettler 
Tja, dann wissen wir doch wenigstens jetzt, von wem du das hast,
mit dem "zu früh wieder raus nehmen"
schönen Gruß an Mutti :)
Vor langer Zeit - Antworten
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