Kurzgeschichte
Entscheidung

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"sie fror - nicht weil die Nacht so kalt war....."
Veröffentlicht am 05. Dezember 2020, 10 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Feedre
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Über den Autor:

Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung. Aus China
sie fror - nicht weil die Nacht so kalt war.....

Entscheidung























Sie fror. Nicht weil die Nacht so kalt war. Die Kälte kam von innen. Sie war nicht mal mehr imstande zu weinen. Es kam ihr vor, als ob sie seit Ewigkeiten hier an diesem stillen, dunklen See sitzen würde. Als ob die Uhren aufgehört hätten zu ticken. Ihre Zukunft dehnte sich vor ihr aus, wie eine ungeteerte Wüstenpiste ins Nichts.

Gestern Abend hatte Lucie ihren Freund samt Klamotten aus ihrer Wohnung geworfen. Hinterher war sie wie eine Verrückte durch die Stadt gefahren. Die leere Wohnung und ihr leeres Herz hatten sie aus dem Haus getrieben. Im Auto hatte sie laut und verzweifelt seinen Namen gebrüllt. Sie kam

sich vor, wie Marie Antoinette auf dem Weg zum Schafott. Was hatte sie nur getan. Er hatte sich doch gefreut, als sie ihm sagte, dass sie schwanger ist. Aber später gab er klare Signale, dass es für ihn doch zu viel Verantwortung wäre und Familie konnte er sich gar nicht vorstellen. Da wurde Lucie alles klar. Die Entscheidung lag mal wieder nur bei ihr. Sie konnte nicht länger einen Fixstern lieben, der sich immer nur um sich selber dreht. Wie in einem Rausch hatte sie ihm alles vorgeworfen, was sich in den letzten paar Monaten an Bitternis angesammelt hatte.

Ihre letzten Worte an ihn waren

"Pack deine Sachen und verschwinde."

Das hatte er getan.



Hinter ihr im Gebüsch raschelte es. Dann bewegte sich eine Gestalt langsam auf sie zu. Lucie verhielt sich mucksmäuschenstill. Ihre Nackenhaare richteten sich auf.

Der Schatten, der dunkler als die Nacht war kam näher. Lucie hielt den Atem an. Es war zu dunkel, um zu erkennen, was auf sie zukam.

Das Licht des Mondes kletterte hinter den Wolken hervor und saugte sich an dem Schatten fest.

Es war ein Hund. Lucie hätte sich vor Erleichterung fast in die Hose gemacht.

Er kam nahe heran und schnupperte.

"Was machst du denn hier mitten in der Nacht", fragte sie ihn - und in Gedanken sich selbst auch.

Der Hund kam so nahe, dass sie ihn streicheln konnte. Ich muss verrückt sein, dachte Lucie. Sitz ich mitten in der Nacht an einem einsamen Waldsee und streichle einen fremden Hund. Aber es war so gut, nicht allein zu sein.

"Wie heißt du denn", fragte sie.

Bin ich bescheuert, seit wann können Hunde reden. Natürlich gab er ihr keine Antwort, sah sie nur mit traurigen Augen an. Sein Fell fühlte sich ungepflegt und struppig an - genau wie mein Auto dachte Lucie.

In diesem Augenblick fühlte sie es. Ein Abschnitt ihres Lebens ging zu Ende.

Na und! - begann eben ein neuer!

Sie zündete sich eine Zigarette an. Lucie wusste, dass es in ihrem Zustand nicht gut

war. Aber alles andere war auch nicht besonders.

Als sie sich steifbeinig erhob, wedelte der Hund erwartungsvoll mit dem Schwanz. Woher nimmt er nur soviel Vertrauen - dachte Lucie, sein Fell zeugt von anderen Erfahrungen.

Sie öffnete ihm die Beifahrertür und er sprang mit einem Satz auf den Sitz.

Als sie den Motor anließ, wedelte der Hund, den sie insgeheim schon Blacky nannte, erwartungsvoll mit dem Schwanz. Einen unechten Freund verloren, dafür einen treuen Begleiter gefunden - dachte Lucie.

Und so war es.







@Feedre

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Andunne Eine sehr schöne und tiefgreifende Geschichte.
Auch ein Hund, kann einen Trost geben.
L.G. Andrea
Vor einem Monat - Antworten
Feedre Hallo Andrea ja ich glaube in so einem Fall ist ein Tier vielleicht sogar sensibler als ein Mensch...schön dass du da warst Andrea...sende dir herzlichen Dank und ganz liebe Grüße
Feedre
Vor einem Monat - Antworten
Gabriele 
Liebe Feere
eine wunderschöne warmherzige traurige und hoffnungsvolle Geschichte hast du da geschrieben!! Ich bin gerührt........
Von Herzen liebe Grüße von Gabriele
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre Hallo Gabriele,
ich danke dir von Herzen für deinen schönen Kommentar. Ja manchmal kommt es dick im Leben, und man muß sich für das ein oder andere entscheiden...Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag meine Liebe und hoffe, dass bei euch das Wetter auch langsam besser wird, schließlich geht es ja aufs Frühjahr zu...ich schicke warme Sonnengrüße
Lg Feedre
Vor ein paar Monaten - Antworten
Flocke 
und so wird es auch bei mir wieder sein, irgendwann ...
ich habe zwar keinen unechten Freund verloren, sondern meinen besten,
aber bald werde auch ich wieder einen treuen Begleiter haben.
Eigentlich wollte ich warten, bis ich nicht mehr arbeiten muss.
Aber am Freitag ermunterte mich mein Chef, mir einen Hund zuzulegen, ich dürfte ihm jederzeit ein Plätzchen in meinem Büro einrichten.
Meine Freude ist riesig!

Dein sehr schönes Buch habe ich gern gelesen.

Liebe Grüße, Kathi
Vor ein paar Monaten - Antworten
Feedre Danke Kathi,
das ist aber super nett von deinem Chef..:-))) tut mir leid dass du deinen Freund verloren hast...aber so ist das Leben, hab auch vor vier Jahren meinen Mann verloren...Zeit heilt da gar nix...wünsche dir einen schönen Tag
Lg.Feedre
Vor ein paar Monaten - Antworten
Flocke 
Liebe Feedre,
mir tut es ebenso leid, dass du deinen Mann verloren hast.
Ich wünsche dir einen schönen Abend
und lasse dir liebe Grüße hier
Kathi
Vor ein paar Monaten - Antworten
AnneSchrettler 
und so ist es :)

sehr gern gelesen, deine wunderschöne Geschichte, liebe Feedre.

Herzlich grüßt dich Anne
Vor langer Zeit - Antworten
Feedre ein herzliches Dankeschön und einen lieben Gruß
an dich liebe Anne.
Freu.........:-)))))))))))))))))))))))))))))))
dankeschön auch für den Favo
Feedre
Vor langer Zeit - Antworten
Apollinaris *hopsala* als Gast unterwegs gewesen!
Vor langer Zeit - Antworten
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