Kurzgeschichte
ein gehender Typ

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"ein gehender Typ"
Veröffentlicht am 21. Mai 2020, 16 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
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Über den Autor:

Ich bin ein friedlicher Gesell. Schreibe, male und musiziere sehr gerne und habe auch das Lesen gelernt. Weiterhin mache ich dies und Jenes, Jenes und wiedermal dieses und kann nicht aufhören zu atmen. Bei Interesse meldet euch einfach oder zweifach; wahlweise vielfach. wünsche Gesundheit und viel Spaß beim Lesen.
ein gehender Typ

ein gehender Typ

Freude

Da ging einer mal die Straße entlang. Er wusste sich zu helfen und ging spazieren. Er ging und ging als ob er nicht stolpern konnte. Manchmal auf den Gehwegen, manchmal auf den wenig befahrenden Autospuren. Ihm war das Gehen ein Bedürfnis, ein Bedürfnis, welches er nicht umgehen konnte. Er ging so dahin, die Arme nicht vergessend, als hätte er es seit Kindesbeinen gelernt und ging mal so und mal anders, mal rannte er, mal tanzte er, weil er es wollte und konnte. Manchmal da sah er auch andere Menschen, manchmal da sah er Vögel oder Katzen, manch Hunde schaute sein Auge, die ebenso hin und her gehen und

gingen, nur anders, nicht ganz so wie er, zum teil flogen oder rannten sie auf Pfoten, mit mehr als nur zwei Beinen oder Füßen, die der Typ bei sich doch stets benutzte, weil er keine Flügel hatte, und also benutzte er die Beine; denn Beine waren ihm keine Steine und also ging er spazieren; ein geübter, ein erprobter, ein gelingender Akt des Kinetisierens.

„Spazieren, Spazieren, den Standpunkt verlieren“ war ihm beinahe sein liebster Spruch, denn er manchmal rezitierte, als er seinen Weg praktizierte. Oder: „Beine rauf und Beine runter, selbst der Darm wird so gesünder;…“ und er genierte sich nicht, als er so spazierte und rezitierte

manchmal so manche Sätze: “Spazierengehen, oder wie auch immer, das Schnelle oder Lange, das Leichte, Kurze oder Weite, das Gehen an sich; quasi das Gehen, um des Gehens willen, Nein! Genauer. Das Gehen als ein Wollen; ein Gehenwollen, um nicht zu vergehen, ein Gehenkönnen, damit wie nicht nur stehen, produziert das Rumgehen, dieses bewegliche Vor- und Nach-dem-Stehen, der Prozess dynamischen Verstehens, das Gehen und das Mehr-als-Gehen, das macht mir ziemlich Spaß. Wer sollt es mir verbieten?“ fragte er sich so dahin und klingt: „Das sind doch keine Sünden! Ich verlor sogar manch Pfunde; alte Lasten fleischlichen Zerberstens, doch erstens:

Hab ich weder Bahn noch Auto, bin nicht dumm noch schlautod, sondern bin ein Könner in dem Gehen, das so viele als selbstverständlich nehmen. Haha!“ jubilierte der Typ und ergänzte. „und Zweitens: jeder Schritt ist die Verkündung, ein Hauch, ein Jubel, eine fröhliche Entsündigung, der da munter offen sagt: Hallo Welt, ich gehe noch und jedes Ohr ist auch ein Loch, ich gehe, weil etwas pocht.“ So sinnierte er dann und wann und vermochte es doch, nicht auf die Fresse zu fliegen, weil das Gehen, so meinte dieser Typ, das Gehen hätte er gelernt und dafür müsste er nicht fliegen. Ach was er schon alles auf seinen Gehwegen gesehen hat, oder gesehen zu haben glaubt. Ach, was er

schon alles hörte oder nicht hörte, welche Gerüche gerochen und welchem Vöglein gezwinkert, das wage ich nicht zu vermuten. Denn sein Gehen ist ihm lang und was er alles gesehen, gehört oder gerochen, weis er selbst nicht so genau, denn er erinnerte sich manchmal nicht an den genauen Wortlaut von Sätzen, die er noch tags zuvor gesprochen, wie sollte er alles benennen, was er mit den Sinnen so fühlte oder saugte? Aber was er konnte, das konnte er im Gehen. Atmen konnte er, also konnte er es auch im Gehen. Mit den Armen wedeln, also konnte er seine Arme auch gehend wedeln. Sich den rücken kratzen und also kratze er sich den Rücken im Gehen. Er konnte gehen und

gehen und dabei noch seine Augen benutzen, oder seine Zunge strecken und dehnen, die inneren Muskeln und Sehnen, das ist was er konnte, oder er benutzte seinen Mund, um auch mal was zu trinken. Und er trank und trank und trank sogar im Gehen, weil er gelernt, wie man das tut ohne sich mit dem Strohalm die Kehle aufzuspießen. Er trank einfach aus einem Becher, meistens ohne Strohhalm, weshalb er auch keine Angst hatte, mal von einem Strohhalm aufgespießt zu werden, da Strohhalme er nicht als Bedrohung erfuhr. Sie waren ihm Freunde. Freunde, die ihn nicht stressten oder nervten oder drangsalierten und er sie nur wenig benutze. Denn meistens trank er aus Bechern, ob nun gehend oder

nicht, doch auch Tassen mochte er, wie auch Gläser, um nicht zu verdursten. „Denn der Trank braucht einen Rahmen,“ schwadronierte er so dahin, “da das Blut in meinen Adern, ja doch nur ist, weil ich gern trinke. Und also denk ich, weil ich trinke, und also trink ich weil ich denke und somit Geist und Materie verschränke. Doch wär das Nicht-mehr-Trinken eine Sünde? Wer weis? Wer weis? Denn Vernunft macht stets gesünder.“ Rätselte und enträtselte er so dahin und er ging und ging. Er ging so dahin zum Supermarkt und zum Brunnen, und holte sich Liquides, damit er nicht dürsten oder röcheln müsse, weil das Röcheln kratzte ihm zu sehr in der Kehle, weshalb er sich des Röchelns

entwöhnte, es nie wirklich lernen wollte und es auch nicht provozieren musste, weil das Röcheln, war ihm nicht der Zweck seines Daseins, war ihm kein Lebenssinn, war ihm nicht wert genug, als das es Sinn sein könnte und also…röchelte er nicht. und so trank der Typ den Trank und ging. Der Typ ging und ging, als verlöre er nen Pfund und musste irgendwie auch nicht weinen, obwohl er manchmal Wein trank und Gras rauchte, sondern konnte einfach, nein zweifach mit den Beinen: vielfach auf und ab, hin und her, vor und zurück. Und in manch euphorischen Momenten, da spricht er denn so manch einmal „Das Gehen“, so sprach der Typ geküsst vom Werden, vielleicht zweimal: „Ja das Gehen war

schon damals und ist und bleibt mir Glück.“ Und er schaute kurz nach hinten, betrachtete den Weg und freute sich. „Schon wieder ein begangenes Stück. Ich hab mich selbst verrückt“ Und er freute sich und fuchtelte mit den Armen, damit auch diese sich mal wärmen, wärmen konnten, damit er nicht erfror und der Leib die Seele nicht verlor. Und er ging und spazierte, als ob er sich nicht an den Bäumen satt sehen könnte. Er roch noch jeden Tag diese frische wohltuende Luft, weil er nicht sterben wollte. Ihm kitzelten die Lippen hin und wieder und manchmal da juckte ihm sein Auge, was er mit einem leichten Druck in den Händen und Fingern sanft wegmassierte; als wäre es eine Einladung

für das Jucken, bitte zu verschwinden. Ach und er machte dies und das während der Phase, in welcher er gewesen beim Gehen und Schweben. Er machte manchmal Fotos. Er sprach manchmal am Telefon. Er erzählte mitunter mit den Leuten und trieb Spott mit denen, die ausbeuten. Er erinnerte sich manch einmal und quasselte manch Wort und Zahl.


Er hustete, doch nicht zu laut, doch häufig, da ist er gern am Schauen, am Nicht-nur-Schauen, am Rumschauen, am Liebäugeln mit den Frauen, das wechselseitige Körper-Beschauen, das herannahende Den-Sinnen-Vertrauen.

„Denn Äugen und Beäugen,“ so sprach der Typ, der ging: „ das macht Sinn.“ Und fühlte sich als ob er etwas wüsste und betatschte zart und ungeniert seine Brüste, als ob er spüren wollte, was er gern beäugte, das Weiche wiewohl auch Weichgewölbte, was ihn sinnlich noch erfreute. Oh, er spürte sinnlich zartes Brustverlangen und sehnte sich nach Weichheit, Wärme und nach Weiblichkeit. Wie könnte er sich mengen in die fraulich schöne Fleischheit? Nicht nur in das Fleisch, nein; Geist und Lippen will er spüren, durch mehr als nur auratisches Berühren. Er will sprechen, reden, quasseln wie auch wie…. auch immer er sich fühlt, sodass etwas entsteht, was innerlich aufwühlt. So

sinnierte er dahin, so wie er wollte, vital durch das, was er beäugte. Aug und Brust, das waren ihm keine Gegensätze. Nein! „Aug und Brust sind nicht entsetzlich.“ So jovilierte er und sprach: „Aug und Brust entsetzen nicht. Nein. Aug und Brust, Brüste und Augen, zum fühlen und bestaunen sind. sie sind. so sind sie doch nicht Nichts, sondern, ja so könnten wir sagen, sonders und besonders, sind sie, die Deinigen und Meinige, das Unsrige in Sicht, sie sind,: Effekte vom Licht. Und so spürte er mehr und allmählich, wie seine Augen manchmal juckten, weil manch Brüste ihn mit ihren Reizen sanft berührten, duftend zart befühlten ja fast kitzelten, fast wie magnetisch an sich

zogen, beinahe so, so wie ein elektronischer Bogen, wie ein reizvolles Einander-gern-haben, ein wechselseitiges Begehren und Mögen. Mhhh…was soll man da sagen? Als ein postapokalyptischer Frager von Fragen? Wohl vielleicht: Wer keine Lust hat, wird nicht siegen, sondern lustlos auf die Schnauze fliegen. Wieso? Wieso auch nicht? Das wussten vermutlich schon die Schlümpfe, ach und die alten Griechen. Wer lustlos lebt, der geht schnell unter. Erst durch Lust wird vieles bunter. Denn Unlust kennen schon die Sünder. Doch das Gehen ohne Lust, das lustlose Dahinlavieren ist kein wirklich gutes Gehen, ist kein Gehen, was vergnügt, sondern sich um Spaß, Freude und Glück

betrügt. Es ist der Stolperstein als Frust, ein nichtfreiwilliges: Du musst! …Nein!“ sprach laut der Typ im Gehen: „Nein und nochmals Nein! Frust ist kein erfülltes Sein und also bin ich und also bin ich kein Stein, ich laufe, gehe, spaziere doch hier und da Bein vor Bein, lache darüber, als müsste und könnte es nicht anders sein .“ Und er lachte wie ein Komodowaran, in dem Augenblick, als dieser nicht zur arbeit musste. Er lachte wie eine fleißige Schildkröte lachen würde, die kurz zuvor einen guten Witz gehört. So lachte er und er lachte, weil er lachen konnte und ihm die Sonne es nicht verbot. Er lachte und sinnierte und ging so weiter und sofort. Er lachte und lachte nicht nur. Er hörte auf zu lachen.

Und ging so seinen Weg. Und er küsste seine Geliebte. Und er küsste sie gehend, denn sie mochte das Spazieren. Und also ging er seinen Weg, mit Kopf, mit Magen und Füßen und konnte es genießen. Zum Glück.

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AlexejLich
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