Romane & Erzählungen
Die Dame am Meer

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"versuchen: würden Sie mit mir schlafen??"
Veröffentlicht am 13. Januar 2018, 66 Seiten
Kategorie Romane & Erzählungen
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Über den Autor:

Bin schon etwas Älter, leider klappt es mit der Rechtschreibung nicht mehr si ganz. Darüber bin ich echt traurig, denn ich habe keine Familie und keine Freundschaften mehr, die meine Geschichten/Bücher gegenlesen könnten. Schade... - aber wer ließt schon meine Bücher bzw. Geschichten?! Mein Leben geht ja schon zu Ende, aber es haben sich so viele Geschichten in dieser Zeit angesammelt, die müssen jetzt einfach raus - ega, ob mit oder ohne ...
versuchen: würden Sie mit mir schlafen??

Die Dame am Meer

       

                       Die Dame am Meer

Das Meer war an diesem Tag ruhig. Die Sonne lachte nur so vom blauen Himmel und die Menschen am Meer waren fröhlich und meist ohne Sorgen, sie freuten sich über diesen schönen Vorsommertag. Auf dem Deich, nur vierhundert Meter vom kleinen Dorf entfernt, standen einige Holzbänke. Auf einer dieser Bänke saß an einem Vormittag eine Dame, ganz allein. Sie

blickte durch ihre große Sonnenbrille ruhig, fast unbeweglich, auf das Meer hinaus. Die Dame sah ansonsten sehr elegant aus für diese Umgebung und dieser Tageszeit. Ein großer schwarzer Hut verbarg einen Teil ihres Gesichtes und die blonden Haare waren hoch gesteckt unter dem Hut, nur an den Seiten bewegten sich einige Locken im Wind. Das eng anliegende schwarze Kleid betonte ihre ausgeprägt weiblicher Figur. Dazu kamen die schwarzen Strümpfe und teure Schuhe in der gleichen Farbe. Sie hielt eine kleine Handtasche auf den Schoß und in den gefalteten Händen lag ein Buch, in dem sie zeitweise las, aber immer

wieder blickte sie auf das weite Meer hinaus.

Uwe radelte, wie jeden Morgen, über den Deich. Er zog seine Runden, es war sein morgendliches Ritual, manchmal auch zum Abend, wenn es seine Lehrzeit zuließ. Doch heute hatte er einen guten Tag und fuhr vergnügt an die Bänke auf dem Deich und auch an die Dame am Meer vorbei. Er besah sich im Vorbeifahren die Dame und fand sie irgendwie anziehend. Bei der nächsten Runde stieg er vom Fahrrad ab und trat an die hölzerne Bank heran und sprach die fremde Dame an: “Verzeihung, darf ich ein paar Minuten

mich dazu setzen?” fragte er höflich mit seiner samtigen Jungmännerstimme. Langsam blickte die Dame auf und antwortete leise und langsam: “Bitte” und machte eine Handbewegung zur Bank hin. Uwe setzte sich nicht gleich neben die Dame, etwas Abstand muss schon sein, dachte er sich, das gehört sich so. Nach zwei Minuten fragte er leise seine Nachbarin: “Entschuldigen Sie bitte, darf ich Sie so einfach ansprechen? Mein Name ist Uwe, Uwe Richter, hier aus dem Dorf unten.” “Junger Mann, …Uwe! Ja Sie dürfen.” und ein kleines Lächeln stellte sich bei ihr ein. “Sie sind so traurig, bestimmt kommen Sie

von einer Beerdigung, aber nicht im Dorf, oder?” fragte er nach. “Sie haben recht, mein Mann wurde vor ein paar Tagen der Erde übergeben, Uwe.”

Da würde ich ich auch sehr traurig sein - meine herzliche Anteilnahme noch. Ich hätte nicht fragen sollen, es tut mir leid.” Und das Klang  wirklich so, wie er es meinte. Die Dame drehte nun langsam ihren Kopf in Uwes Richtung und besah ihn sich aufmerksam durch die Sonnenbrille. Sie sah einen etwa zwanzigjährigen jungen Mann, mit hellblonden Haaren, und dunklen, fast schwarzen Augen in einem durchaus hübschen Gesicht. Er war sauber gekleidet mit einem

knallroten Shirt und schwarzen Radlerhosen. Auch an der Figur war so nichts auszusetzen. “Danke” erwiderte sie und drehte ihr Gesicht erneut dem Meer zu. Mit leiser Stimme meinte sie: “ Es ist ungewöhnlich in unserer Zeit, das ein junger Mann sich Entschuldigt.” “Aber ich wollte nicht…”

“…ist doch schon gut, Uwe - das war doch ein Kompliment.” Sie sah nicht, dass Uwe nun einen feuerroten Kopf bekam und er erst mal schluckte um sich unter Kontrolle zu bekommen. Es entstand eine Pause, Beide betrachteten das Meer. Es war aber auch ein zu schöner Tag heute.

Die Dame am Meer stellte nun einige Fragen an Uwe, wo er denn genau herkomme und was ein junger Mann auf dem Lande so alles anstellen könne, denn eine Großstadt wie Hamburg oder so, biete doch viel mehr Abwechslung. Und Uwe antwortete auf alle Fragen, so gut er konnte und er hatte das Gefühl, als ob er die Dame schon seit Jahren kennen würde und so beichtete er ihr auch, dass er nach seiner Banklehre Gesang studieren würde. Denn das war sein großer Traum, er wolle kein Schlagerstar werden, sondern mehr die Opernwelt - einfach nur glücklich sein mit Gesang. Das das Jahre dauern würde mit

seinem kleinem Gehalt war ihm vollkommen klar und wurde auch von der Dame bestätigt. Das Die Dame ab und an ihre sichtlich schwere Hand-Tasche nach Tabletten suchte und die sie dann auch mit einem Schluck Cognac aus einer Flasche herunter schluckte, blieb Uwe natürlich nicht verborgen und er fragte sich, warum - aber Fragen wollte er nicht  stellen.

Die Zeit verstrich, doch dann hatte Uwe doch eine Frage: “Ich muss Sie etwas Fragen, - auch wenn es Unschicklich ist in Ihrer jetzigen Situation und Ihrer Trauerzeit! Und die Frage ist auch Intim, darf ich?”

Nur zu, junger Mann - mich kann in

meinem Alter nichts mehr erschüttern!”

Ich trau mich eigentlich nicht, aber ich will es versuchen: würden Sie mit mir schlafen?” und hastig fügte er hinzu: “… aber Sie brauchen eigentlich nicht zu antworten, verzeihen Sie mir bitte?!” Die Dame zuckte bei dieser, gewagten und eigentlich unverschämten Frage, etwas zusammen. Aber dann legte sich ein leichtes Schmunzeln über ihr Gesicht. “Sie haben recht Uwe, Ihre Frage ist unverschämt aber ich werde sie beantworten. Doch im Moment nicht! Wissen Sie, ich wurde so oft in meinem Leben plump angemacht und nie kam

so eine offene und ehrlich Frage! Auf der Toilette, in der Bar, in Restaurants, im Auto, Flugzeug, Büro etc. - sogar in unserer eigenen Wohnung wollten mich Männer verführen mit ihnen zu schlafen! Unverschämt, was sich Männer in gehobenen Positionen, und nicht nur dort, so herausnehmen - als ob wir Frauen nur darauf warten!” Die Dame redete sich in Rage und ihr schönes Gesicht verzerrte vor Wut. “Aber das schwöre ich bei Gott und alles was mir Lieb ist, ich blieb standhaft! Da für habe ich dann den Ruf als “die Eiserne” unter vorgehaltener Hand weg gehabt. Aber das mich und meinem

lieben Mann, nie gestört - im Gegenteil. Die Männer, es waren meist Geschäftspartner bekamen den die Eisernen so richtig zu spüren, wir behandelten sie jetzt auch eisern stahlhart und hatten mit dieser Einstellung Erfolge über Erfolge - unser Betrieb wurde Weltmarkt-Führer in unserer Branche.” Erschöpft von dieser Rede, sank die Dame am Meer in sich zusammen. Sie nahm nochmals zwei Tabletten mit einem riesengroßen Schluck aus der Flasche und stellte sie zurück auf dem Boden neben der Bank.

Uwe war richtig erschrocken über diesen Ausbruch und schämte sich nun

erst recht über die gestellte Frage. Dabei wollte er nur wissen, ob ältere Frauen auch an ihn Interesse haben könnten, denn

er war noch Jungfrau ohne Erfahrungen. Nun war er ratlos und er machte gerade keine gute Figur neben dieser außergewöhnlich schönen Frau.

Es verging eine Weile bevor einer der beiden Menschen am Meer

etwas sagten jeder hing seinen Gedanken einher. Uwe machte sich

Vorwürfe, eine so dumme Frage gestellt zu haben und er schämte

sich über alle Maßen. Am liebsten wäre er fortgelaufen,

beziehungsweise mit dem Fahrrad auf und davon. Anne überlegte ganz

tief in ihrem Innern und ein Film lief vor ihrem geistigen Auge

ab, was sie alles erlebt hatte in der Vergangenheit. Sie beschloss

eine „Beichte“ abzulegen, ihr Herz war durch den Tod ihres Mannes

zerbrochen und ihr würde das gleiche Schicksal ereilen demnächst.

Und der junge Mann mit dem unschuldigen Gemüt und der einfältigen,

unverschämten Frage sie mochte ihn einfach, am liebsten würde

sie ihn in den Arm nehmen, damit er dann ihre Tränen trocknen

könnte. So beschloss die Dame am Meer,

Anne, aus ihrem Leben zu

erzählen.

„Lieber Uwe, ich werde Ihnen erzählen, wie es mir ergangen ist - wenn Sie natürlich

Zeit haben?!“ „Wenn Sie mir nicht mehr böse sind, höre ich gern zu

ich muss erst abends zu Hause sein, zum Abendessen.“ antwortete

Uwe glücklich. Glücklich war er wirklich, er dachte schon, dass

Anne ihn fortschicken würde.

Anne hob an: „Ich kannte meinen Mann von der Uni her und

verliebten uns sofort ineinander. Mein Mann war zwei Jahre älter

als ich und der Erbe eines schon damals

erfolgreichen

Unternehmens in Hamburg. Nach dem Ende der Studienzeit heirateten

wir und traten beide in das Unternehmen in der Geschäftsleitung

ein. Der Eltern meines Mannes starben nach etwa zwei Jahren bei

einem Verkehrsunfall und mein Mann übernahm den gesamten Betrieb.

Es machte ihn richtig Spaß so ein großes Unternehmen zu leiten und

er war auch sehr klug und außerordentlich geschäftstüchtig. Er war

der geborene Unternehmer. Es kam in den Jahren natürlich vor, auf

Geschäftsreisen zu gehen.

Bei einer meiner Flugreisen nach Dubai,

zu einem geschäftlichen

Termin über Stahlangebot einzuholen. Im Flugzeug sah ich einen

Geschäftsfreund von meinem Mann. Wir kannten uns locker und sahen

uns

selten er war mir immer schon sehr unangenehm. Er war an die

sechzig Jahre als, sehr Groß so um ein Meter neunzig herum und

sehr dick. Dass er auf mich stand, konnte ich nicht ahnen. Bevor

die Maschine landete, musste ich die Toilette aufsuchen. Nach

kurzem sprang die Tür auf, obwohl ich sie verriegelt hatte, und

der Geschäftsfreund stand vor mir. Ich

schrie ihn an zu

verschwinden, aber er legte seine schmierige, verschmitzte Hand

auf meinem Mund und zog die Toilettentür hinter sich zu. Die

kleine Kabine war für uns zwei viel zu klein, er nestelte dann

seinen Hosenschlitz auf und presste seinen Penis zwischen seinen

Fingern mir in den Mund. Ich konnte mich nicht bewegen, ich

ruckelte verzweifelt auf dem WC-Sitz hin und her, warf meinen Kopf

gegen die Wände es half alles nicht. Ich bekam ihn in den Mund

geschoben. Jetzt wurde mir bewusst in welcher Lage ich eigentlich

war, keiner hörte mich, denn der dicke Mann schluckte jeden laut,

selbst das Keuchen von uns, blieb draußen verborgen. In meiner

Verzweiflung denn ich konnte mich ja nicht rühren, biss ich mit voller Kraft in das Stück Fleisch! Blutend zog es seine

Männlichkeit blitzschnell in die Hose zurück und er brüllte dabei,

hielt sich aber die Hand vor dem Mund. Hastig schloss er die

Kabinentür auf, sah keinen Menschen auf dem Gang und verschwand

auf seinem Sitzplatz. Ich spülte mir den Mund aus, als die

Durchsage zur Landung begann, machte mich frisch so gut es ging

und verließ das WC. Was mir durch den Kopf dann ging, war

ungeheuerlich. Wie konnte ein Mann so etwas tun!

In der Flughafen-Halle begegneten wir uns noch mal. Er funkelte

mich mit roten, tränenden Augen an und beschimpfte mich als Hure

und er würde sich rächen, er würde alles meinem Mann erzählen. Ich

ging weiter zu meinem Taxi und fuhr in mein Hotel am Dubai-Strand.

Natürlich rief ich meinem Mann an und berichtete von dem Überfall.

Ich muss dabei erwähnen, dass ich meinem Mann immer vertraut habe

und er mich auch. Wir waren uns treu

das ganze Leben lang.“ Anne

überkam bei diesen Worten die Erinnerung und ihre Tränen

rannen über das hübsche Gesicht. Nach einer kleinen Weile fuhr sie

fort in ihrer Schilderung:

„Mein Mann nahm sich Zeit und holte mich vom Hamburger Flughafen

ab. Was war ich froh, endlich den geliebten Mann in die Augen zu

sehen und nicht die des Vergewaltigers! Wir besprachen dann den

Fall und schworen Rache zu nehmen. Natürlich war mein Mann

entsetzt, er wollte den Geschäftsfreund zur Anzeige bringen, aber

wir einigten uns darauf, ihn anders

bluten zu lassen.

Mein Mann kaufte einfach für billiges Geld eine Detektei und

stockte seine Rechtsabteilung auf zwei weitere Anwälte auf. Die

Detektive beobachteten den Geschäftsfreund nun rund um die Uhr und

brachten einiges zu Tage. Um es kurz zu machen: der Ehefrau des

Geschäftsfreundes wurde von den Detektiven gesteckt, das ihr, ach

so lieber Gatte, mehrere Freundinnen samt Wohnungen aushielt. Sie

ließ sich sofort scheiden. Unsere Anwälte kauften nach und nach

die Geschäftsgrundstücke des

Geschäftsfreundes, erhöhten die

Mieten so radikal, dass er sein Geschäft verlegen musste und wir

kauften seine Bestände zu einem Spottpreis auf. Dann streuten wir

Tatsache meiner Vergewaltigung in den Geschäftskreisen. Den druck

hielt er nicht lange aus und nach kurzer Zeit war er vor dem

Bankrott. Damit nicht genug, er bekam keine Kredite mehr von dem

Banken und musste letztlich nach zwölf Monaten Sozialhilfe

beantragen. Die Detekteien und unsere Anwälte hatten

ausgezeichnete Arbeit geleistet. Wir waren zufrieden mit unserer

Rache und hatten zusätzlich ein weiteres Geschäftsfeld aufgetan.“

Uwe saß ganz still und hörte auf jedes Wort von Anne. Anne

trocknete

sich die Tränen und blickte zu Uwe hinüber, der lächelte. „Uwe was

ist, Sie lächeln?“ fragte Anne und zupfte etwas nervös an dem

schwarzem Kleid, was ihre Schönheit außerordentlich betonte.

„Entschuldigen Sie Anne, ich habe so etwas noch nicht gehört. Hier

auf dem Lande ist es stiller. Natürlich sehen wir Fernsehen und

lesen Zeitungen aber im persönlichen Umfeld? Nein! Nie gehört!“

Jetzt lächelte Anne über die etwas Naive Art von Uwe. Aber besser

so, als wenn er ein Draufgänger wäre dachte sie. „Uwe, um dich

noch etwas mehr zu verwirren, werde ich Dir noch einen Fall aus

meinem Leben schildern. Ich hoffe, es langweilt Dich nicht?“

„Nein, durchaus nicht ich frage mich nur, wie haben Sie das nur

ausgehalten. Es muss Sie doch sehr belastet haben und was sagte

Ihr Mann zu dem?“ „Richtig bedacht Uwe. Selbstverständlich hat

mich das alles Umgehauen. Ich wurde krank, konnte keinen Mann für

eine Zeit lang nicht in die Augen sehen

und auch für meinen Mann

brach eine schlimme Zeit an, denn ich verweigerte das gemeinsame

Bett mit ihm. Wir bemühten Ärzte, die mich wieder stärkten. Und

mein Mann hatte Verständnis für diese unangenehme Situation. Aber

er war stark, sehr stark sogar denn er ging mit mir in einer

private Verteidigungs-Einrichtung. Selbstverteidigung war

angesagt und das half uns beiden. Später engagierten wir einen

Bodyguard, aber davon später mehr.

An einem Winterabend gab es in unserem Haus einen Empfang für

Geschäftsleute aller Art den genauen

Zweck weiß ich nicht mehr.

Unter anderem befand sich ein Gast der mir schon bei der Begrüßung

aufgefallen war. Ein damals bekannter Tenor, der an der Hamburger

Oper ein Gastspiel gab. Wieso der auf unserer Einladungsliste kam,

ist mir immer noch ein Rätsel. Also, er gab mir die Hand und

blickte schon auf meine Brüste. Schön, mein Kleid war etwas gewagt

für den Abend, aber es gibt keinen Mann das Recht, den Busen als

sein Eigentum zu betrachten! Da kann ich mich schon wieder

Aufregen, wenn ich nur an diesen Mistkerl denke!

Nach dem Dinner war ich in der Küche und gab unserer Mietköchin

einige Anweisungen. Mein Mann holte genau zu dieser Zeit aus der

neben der Küche gelegenen Speisekammer irgendetwas. Die Köchin

und ich beugten uns gerade über den Tisch beim besprechen, als

sich zwei Hände von hinten über meine Brüste legten und sie

kneteten wie wild. Entsetzt versuchte ich mich umzudrehen, aber

der Tenor stand so dicht hinter mir, denn der war es, dass ich

nicht dazu kam. Auch die Köchin sprang entsetzt über die

Aufdringlichkeit des Gastes zur Seite

und schrie, er solle

verschwinden. Dass hörte, mein Mann in der Speisekammer und

stürzte mir zu Hilfe. Natürlich hörten auch die anderen Gäste

unser Geschrei und kamen in die Küche. Mein Mann verpasste den

Tenor einen Kinnhaken der sich aber gewaschen hatte und noch einen

weiteren. Der Tenor war über das unvermutete auftauchen meines

Mannes so perplex, das er sich nicht wehrte und sich so eine

gehörige Abreibung einhandelte. Mein Mann griff sich, den nun am

Boden liegenden Tenor am Arm und schleifte ihn quer durchs Haus,

über den verschneiten Rasen, bis auf die Straße und legte ihn mit

einem Fußtritt am Rinnstein ab. Seine Begleiterin, ein junges

Ding, folgte weinend auf die Straße und brachte ihre Mäntel mit.

Sie stand ziemlich ratlos und blickte auf den am Boden liegenden

Tenor herab und jammerte still vor sich hin. Zurück im Haus rief

mein Mann einen Krankenwagen für den Tenor und die Polizei für

eine Anzeige. Kurz gesagt, das war erneut ein Fall für unsere

Rechtsabteilung und den Detektiven. Der Tenor bekam keinen Fuß

mehr in den Opernhäusern der Welt.

Nach fünf Jahren verstarb er

völlig verarmt.

Natürlich sprach sich der Vorfall in Geschäftskreisen herum, auch

die Presse bekam Wind von dem Geschehen und nach einiger Zeit

hatten

wir unseren Spitznamen weg, die „Eisernen“! Was uns aber nicht

weiter

störte!“

„Wie haben Sie das alles nur verkraftet?“ wollte Uwe wissen. Anne

schwieg einen Moment bevor sie dann leise sagte:“Mein Mann war und

ist ein Engel auf Erden! Auch wenn er jetzt Tot ist! Er ertrug

alle meine Gefühle, meine Krankheiten, meine Depressionen und auch

meine Fehler. Ich liebe ihn noch immer und kann…“ ein trockenes

Schluchzen

unterbrach ihren Satz, „...ihn einfach nicht vergessen und das er

nicht mehr da ist!“

„Sie werden es schon schaffen. Sie haben so viel durchgemacht, es

wird ja mal ein Ende haben“ sagte er liebevoll zu seiner Nachbarin

auf der Bank. Anne sah darauf kurz zu Uwe und streichelt sein

Knie.

Uwe bekam eine Gänsehaut und ein Glücksgefühl breitete sich in ihn

aus. Das wäre eine Frau für mich, dachte er voll Stolz, war sich

aber durchaus bewusst, das er träumte. Träumen können man(n) ja,

denn wer weiß …

Tja, Uwe! Es kommt noch schlimmer! Nicht nur im eigenen Haus kann

eine Frau sexuell belästigt werden, auch in unverfänglichen Orten,

wie zum Beispiel in der Oper! Im Budapester Opernhaus. „Sie waren

im Opernhaus in Budapest? Wie schön, da würde ich auch gern

hingehen, überhaupt: wo ich doch Sänger werden will ...“unterbrach

Uwe Anne mit einer Inbrunst, das Anne stutzig wurde. „Warum gerade

Sänger?“ „Viele sagen, ich hätte eine schöne Stimme, aber das kann

ich nicht so genau beurteilen, es fehlen mir Vergleiche. Ich höre

im Radio oder im Fernsehen fast alle Musikdarbietungen und singe

dann später einige Titel nach. Am liebsten würde ich Musik

studieren, vielleicht in Berlin oder so, aber das geht vorerst

nicht. Meine Schwester studiert schon Medizin in Hamburg. Da

bleibt für den kleinen Bruder vorerst nicht viel übrig an

Moneten.“Uwe strich sich über die Augen und wurde mit einem

Seitenblick von Anne bedacht. „Du wirst

es schon schaffen, mach

Deine Lehre zu Ende, vielleicht ergibt sich dann doch etwas.

Jedenfalls viel Glück, denn Du hast wirklich eine schöne weiche

Stimme, dass viel mir gleich auf. Aber weiter mit

dem „unvergesslichen“ Opernabend in Budapest.

In der Zwischenzeit hatte mein Mann einen Bodyguard engagiert aus

den Staaten, es war ein Schwarzer. Sehr muskulös und ein Baum von

einen Mann! Sehr intelligent, perfekt in der Deutsche Sprache. Er

hatte so etwas wie uns BWL studiert und

das machte ihn für meinen

Mann und mich einfach perfekt. Er bekam in meinem kleinen Büro in

der Unternehmenszentrale einen Schreibtisch gestellt und ich hatte

meinen Beschützer so jeden Tag um mich herum. Er war Schwul, was

mich nicht störte, im Gegenteil, so hatte ich weniger Befürchtungen, dass ich vielleicht belästigt werden könnte. Und

wir waren uns ungemein sympathisch. Seine Aufgaben waren die

Koordination mit der Rechtsabteilung, den Detektiven und unserer

gemeinsamen Sicherheit meines Mannes und mir.

Zurück zum Opernbesuch. Mit einem

befreundeten ungarischen Ehepaar

besuchten wir eine Aufführung von „Tosca“. Außerdem war unser

Beschützer Jon dabei. Natürlich starrte das halbe Opernhaus zu

unserer Loge hinauf, zwei hübsche Damen in männlicher Begleitung

und dann noch den großen, schwarzen zwei Meter Mann Jon! Das

erregte Aufmerksamkeit. In eine der Pausen, es war schon ziemlich

spät, musste ich die Toilette aufsuchen. Aber ich musste die

Toilette im Foyer benutzen, oben an den Logen waren alle Kabinen

besetzt. Es erklangen schon die ersten Takte, als ich die

Toilettentür erreichte. Doch plötzlich stand ein Mann vor mir, er

kam gerade aus der Herrentoilette. Zu meinem Entsetzen erkannt ich

meinen ersten Trainer für Sicherheit aus dem Fitnessstudio wieder.

Er hatte schon damals ein Auge auf mich geworfen und hatte uns

dann getrennt. Ich wusste, dass er ein Ungar war, aber er hier in

Budapest das durfte nicht wahr sein! Er war groß, sehr stark und

hatte mich schon mehrmals an Stellen berührt, die Tabu für einen

fremden Mann sind, die Trennung erfolgte umgehend, natürlich durch

unsere Rechtsabteilung! Er war in seinem

Beruf erledigt! Und nun

jetzt hier einfach unglaublich! Und schon war der große Mann vor

mir, ganz dicht. Er faselte mit alkoholisierter Stimme: „..habe'

ich dich endlich, jetzt wirds eng für dich, Kleine keine

Menschenseele weit und breit“ - da hatte er recht, als ich um

Hilfe schrie und mich dabei Umsah. Er drückte mich in einer

halbrunde Nische in der auf einem Podest, irgendeine Statue aus

Marmor stand. Dabei verloren wir das Gleichgewicht und ich landete

auf den Rücken, den Mann auf mir, zwischen Wand und Podest

gepresst. Ich konnte mich nicht mehr wehren!“

Die Dame am Meer wurde jetzt bei der Schilderung der Tat unruhig.

Sie ruckelte auf der Bank hin und her, knetete ihre Handtasche und

hielt das Buch so fest, das die Knöchel weiß wurden. Besorgt

fragte Uwe, der das bemerkte: „Wollen Sie wirklich weiter

erzählen? Sie brauchen es nicht?! Bitte, hören Sie ruhig auf.“

„Nein …“ fuhr Anne fort, es ist schön, es jemanden Unbeteiligten

zu erzählen. Ich habe ja niemanden mehr, mit dem ich es besprechen

kann und Ihre unbescholtene Art ist mir

gerade recht. Darf ich zu

Ende erzählen, es dauert auch nicht mehr lang?“ „Ja,

selbstverständlich wenn es Ihnen nicht zu viel wird.“ Anne nahm

erneut eine Tablette aus ihrer Handtasche und einen großen Schluck

Alkohol aus der Flasche im Gras neben der Bank, bevor sie weiter

erzählte.

„Ich schrie aus voller Kehle, aber steckte mir einfach seine Zunge

so in den Mund, das ich dachte Ersticken zu müssen. Meine Hände

zerkratzten sein Gesicht, ich riss ihn Haare aus, aber es half

alles nichts! Mit der anderen Hand

öffnete er schnell und

geschickt seine Hose und drang dann auch schon in mir ein. Verzweifelt drehte ich mich, um ihn los zu werden, vergeblich. Er

arbeitete wie ein Verrückter in mir und mir wurde schwindelig. Mit

letzter Kraft drückte ich mit den Händen gegen die Wand der

halbrunden Nische und gegen den Podest. Ich merkte, dass sich

etwas bewegte und dann ging alles sehr schnell. Das Podest wankte

zur Seite in das Foyer, dann viel die Marmorfigur auf uns herab.

Sie krachte auf den Rücken des Mannes. Er zuckte zusammen und

blieb dann regungslos auf mich liegen.

Dann hörte ich aufgeregte Frauenstimmen. Es waren die Garderoben-

Frauen, die den Lärm gehört hatten und nun schnell angelaufen

kamen.

Da kam auch schon mein Mann und gefolgt von Jon. Beide hatten mich

gesucht im ganzen Haus, da ich nicht von der Toilette zurück kam.

Sie zerrten den Ungarn aus der Nische, als sie die Trümmer der

Figur weggeräumt hatten. Dann halfen sie mir auf, aber ich fiel

erst mal vor Erschöpfung in Ohnmacht.

Als ich aufwachte, war ich im

Krankenhaus. Mein Mann stand neben

mir,

im Hintergrund sah ich Jon stehen. Sie machten sich gegenseitig

Vorwürfe, dass sie mich nicht zur Toilette begleitet hatten. Ich

sagte, sie sollen aufhören, damit hatte wirklich keiner rechnen

können.

Der Ungar war sofort Tot, als die Statue ihn traf. Seine

Wirbelsäule wurde getroffen und gebrochen. Ja, und ich? Nach einer

Woche waren meine Abschürfungen an den Händen, Armen und am

Unterleib abgeheilt, die Narben in meiner Seele sind bis heute

nicht verschwunden. Mein Mann brachte mich in eine Spezialklinik

nach Los Angeles, ich blieb zwei Monate dort. Bei meiner Rückkehr

ging der ganze Presserummel wieder los. Diesmal war aber unsere

Rechtsabteilung darauf vorbereitet und auch mit Hilfe von Jon, war

das bald Geschichte. Es wurde ruhiger und ich erholte mich so

langsam.

Aber der liebe Gott strafte mich noch mehr, ich glaube, das war

meiner Schönheit geschuldet. Doch dafür kann ich dich nicht, ich

bin doch so geboren worden! Und als letztes Unglück traf es vor

einer Woche Gott holte meinen geliebten Mann zu sich …“

Anne rannen nun die Tränen wie ein kleiner Bach über das schöne

Gesicht und sie wischte sie nicht weg. Sie nahm noch eine

Tablette, wieder mit einem Schluck aus der Flasche. Die war jetzt

nur noch halb voll.

„Kann Sie irgend wie trösten, kann ich etwas für Sie tun?“ fragte

Uwe nervös. Auch ihn hatten die Erzählungen der Dame am Meer

gehörig mitgenommen und er wusste nicht, wie er sich jetzt

verhalten sollte.

Uwe, bitte lassen Sie mich jetzt allein, ich muss Nachdenken. Und machen Sie sich keine Sorgen, das ich so Schroff wurde, es lag nicht an Ihnen. Alles Gute für Sie.” Und die Dame wurde noch etwas kleiner vor Gram. Uwe verstand, er verabschiedete sich kurz und bedankte sich für das Zuhören, schwang sich auf sein Fahrrad und fuhr zurück zu den Eltern. Als Uwe auf dem Deich aus dem Blick der Dame verschwand, suchte sie in ihrer Handtasche aus wertvollem und weichem Leder nach  einen Stift und Buch.  Dann entnahm sie einige Briefumschlägen, die dort versteckt lagen. Sie öffnete den einen Umschlag,

entnahm ein mehrseitiges Schreiben und begann einige Zeilen hinzuzufügen.

                            

Am Nachmittag fuhr Uwe und sei Vater noch mal die Strecke ab, auf der die Bank stand. Schon von weitem war sie zu sehen. Aufgeregt zeigte Uwe seinen Vater die Dame am Meer und sie hielten direkt auf sie zu. Doch als näher kamen, waren beide Männer unsicher. Nicht nur der Himmel hatte sich eingetrübt, auch das Meer sah jetzt Bleigrau aus und weiße Spitzen auf den Wellen wurden sichtbar. Doch

als Uwe und sein Vater die Fahrräder abstellten, wurden sie traurig. Die Dame am Meer hatte sich verändert. Ihr Hut lag auf der Bank, die schönen blonden Haare hingen wirr über das Gesicht und ihr Gesicht war auf die Brust gesunken, die Lieder hielt sie geschlossen. Noch immer hielt die Dame ihre Handtasche und das Buch in ihren Händen. Die Flasche mit dem Alkohol war jetzt leer und in dem Hut lagen einige Schachtel Schlaftabletten - alle leer!

Uwes Vater trat neben die Dame und legte seine Finger an ihre Halsschlagader, es war nichts mehr zu

spüren. Die Dame war tot. Der Vater rief mit dem Handy den Rettungswagen und die Polizei an den Sterbeort. Erst war der Rettungswagen mit einem Arzt auf die Düne gefahren, später folgte dann die Polizei. Natürlich wurde Uwe befragt und später von der Kriminalpolizei in Hamburg verhört. Bereitwillig erzählte er von dem Kennenlernen auf dem Deich. Aber erzählte nichts von seiner Frage, die die Dame so offensichtlich in Rage brachte.

Eine Untersuchung brachte dann das Ergebnis, das die Frau unheilbar Krank war und sich deshalb das Leben freiwillig nahm in ihrer Verzweiflung,

zumal sie ja vor ein paar Tagen ihren Mann begraben hatte. Die Polizei hatte in dem Buch auf dem Schoß der Frau mehrere Briefe die das belegen gefunden. Doch die große Überraschung war die Handtasche der Dame am Meer. Darin fanden die Rettungskräfte wunderschönen Schmuck, daher auch das Gewicht. Auch ein Testament von mehreren Seiten lag bei und wurde der Polizei übergeben.

                           

Nachdem der Leichnam ab transportiert wahr, kehrte Ruhe auf

dem Deich und im Dorf ein. Uwe war sehr traurig und wurde in den Tagen danach ziemlich einsilbig - er musste zu oft an die Unterhaltung denken und vermisste die Dame am Meer. Nach drei Monaten bekam Uwe und seine Eltern ein Einladung auf das Polizeipräsidium in Hamburg, der Präsident hatte persönlich sie eingeladen. An einem Freitag war es dann auch soweit. Uwe und die Eltern betraten das Zimmer des Polizeipräsidenten, wo sie außerdem vom einigen Stadtvertreter, auch von einem Rechtsanwalt - erwartet wurden. Der Präsident stellte alle Anwesende vor und eröffnete Uwe dann, dass er

als Erbe von der Dame eingesetzt war. Was er erbte blieb erst mal unerwähnt. Der Anwalt teilte dann mit, wie das das große Unternehmen nach dem Tod der Unternehmerin weiter geführt wird und dergleichen. Zum Schluss bat er dann Uwe an einen kleinen Tisch, der mit einem blauen Samttuch versehen war. Er nahm einen Briefumschlag und entnahm dem ein vierseitiges Schreiben. Vorher bat er noch zwei Männer hereinzukommen, die eine kleine Stahltruhe trugen, die mit zwei Ketten an die Handgelenke der Sicherheitsleute befestigt waren. Die Ketten wurden gelöst, die kleine Truhe geöffnet und auf dem Samttuch

vorsichtig ausgeschüttet.

Es funkelte nur so! Die Ringe, die Ketten, Diademe, Halsbänder - Juwelen aller Art, Diamanten und Gold - die Augen fanden keinen Halt bei dem Glanz. Die Anwesenden waren verblüfft und stießen bewundernde Rufe aus - kaum einer hatte so einen Schmuck jemals so nah gesehen. Der Anwalt überreichte Uwe das Schreiben der Dame, es war ihr Testament und der letzte Absatz war für Uwe bestimmt nachträglich mit Kugelschreiber erweitert. Die Dame verfügte damit, dass Uwe das Geschmeide im Wert von Rund zwanzig Millionen Euro für seine Ausbildung

als Sänger erhalten soll. Ein Hamburger Gericht hatte das Testament geprüft und auch bestätigt, das es der letzte Wille der Unternehmerin war.

Uwe war sprachlos, wie seine Eltern. Alle im Raum des Polizei-Präsidenten gratulierten natürlich und wollten wissen, was er mit dem Reichtum nun machen wolle, aber Uwe konnte nichts sagen. Er dachte immer zu an die Dame am Meer und an ihre leider zu kurze Unterhaltung. Zum Schluss des Treffens fragte der Anwalt Uwe noch, was denn der letzte Absatz zu bedeuten hätte und las es Uwe vor:

 

         “Lieber Uwe, ja - ich würde mit Dir sehr gerne ...”

Uwe wusste sofort was dieser kurze Satz zu bedeuten hatte, aber er sagte kein Wort, zu niemand! Er schmunzelte nur und war glücklich, aber auch sehr traurig.

                                                             * * *

©  tom kagay/jgg  05 2011

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Über den Autor

tomkagay
Bin schon etwas Älter, leider klappt es mit der Rechtschreibung nicht mehr si ganz. Darüber bin ich echt traurig, denn ich habe keine Familie und keine Freundschaften mehr, die meine Geschichten/Bücher gegenlesen könnten. Schade... - aber wer ließt schon meine Bücher bzw. Geschichten?!
Mein Leben geht ja schon zu Ende, aber es haben sich so viele Geschichten in dieser Zeit angesammelt, die müssen jetzt einfach raus - ega, ob mit oder ohne Rechtschreibung! Alles Gute beim Lesen - und "Kopfkino" an.

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