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Schwarzes Silber

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"Es hört nie wirklich auf, es ist bereits in deinem Kopf, wie auch das Patina des schwarzen Silbers"
Veröffentlicht am 23. September 2017, 60 Seiten
Kategorie Sonstiges
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Über den Autor:

Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten... Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen. Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte... Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar. Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig: Paris und Venedig... 09.Mai 2015 Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi ...
Es hört nie wirklich auf, es ist bereits in deinem Kopf, wie auch das Patina des schwarzen Silbers

Schwarzes Silber

Bleistift







Schwarzes Silber


erotische Erzählung

Schwarzes Silber

An männlichen Verehrern mangelte es Cecilia Montreal, seit sie vor nunmehr gut fünf Jahren in Zürich in ein international renommiertes Seniorenheim eingezogen war, trotzdem noch immer nicht. Früher, als sie noch die Welt bereiste und sich alle großen Bühnenhäuser rings um den Globus herum förmlich um die extrovertierte Künstlerin rissen, da konnte selbst sie die Zahl ihrer Verehrer schon nicht mehr überblicken. Denn zu ihnen gehörten neben einem prominenten französischen Chansonier, unter anderem auch so mancher exzellente italienische und französische Charakterschauspieler, während sich einige der talentiertesten spanischen Maler bei

Cecilia, als sie damals zwei Spielzeiten lang in Madrid gastierte, gelegentlich sogar die Klinke in die Hand gaben. Aber auch ein eloquenter Vorstandsvorsitzender einer namhaften deutschen Automobilfirma warb seinerzeit recht ausdauernd um ihre Gunst. Ja, selbst ein überaus charmanter und verdammt gut aussehender amerikanischer Astronaut, der schon einmal den Mond bereist hatte, zählte dereinst zu ihren bedeutsamsten Verehrern. Nicht dass Cecilia tatsächlich auch mit jedem von ihnen so etwas Ähnliches, wie eine temporäre Liaison gehabt hätte, aber die jeweiligen Herren wären alle samt und sonders natürlich auch nicht gerade abgeneigt gewesen, nicht nur die Abende in den Bars und Restaurants mit der attraktiven Künstlerin

zu verbringen, sondern auch in den Nächten eine gemeinsame Schlafstatt mit ihr zu teilen. Ein überaus pikantes Privileg, welches jedoch nur den allerwenigsten von ihnen auch wirklich gewährt wurde. Es sei denn, die faszinierende Aktrice hätte tatsächlich selbst ein Auge auf den Betreffenden geworfen, dann allerdings musste er jedoch unbedingt zu ihr ins Bett, um ihn schmecken zu können… Eine gewisse Zeitlang lebte Cecilia in Paris sogar mit einer bekannten jungen russischen Prima Ballerina zusammen, was die Gazetten der internationalen Yellow Press in sich geradezu überschlagenden Riesenlettern zu wildgewagten Spekulationen hinreißen ließ. Cecilia Montreal war jedoch nicht nur die begnadete Künstlerin, sondern auch eine

wunderschöne Frau mit einem überaus bezaubernden Lächeln. Sie war stets auch immer die populäre und extravagante Ausnahmekünstlerin, die allerdings in ihrer offenen Unbefangenheit meistens über den Dingen stand und dabei dennoch permanent das Bad in der Menge suchte. So wie sie es auch regelrecht genoss, everybodys darling zu sein. Dafür liebte das Publikum sie geradezu abgöttisch und verzieh ihr viele ihrer skurrilen Eskapaden, die sie oft monatelang mit unzähligen wahren und halbwahren Spitzenmeldungen in den Gazetten im Gespräch hielten. Als sich die Karriere der Cecilia Montreal vor etwa gut zwanzig Jahren ihrem Ende zuneigte und sie sich von den großen Bühnen dieser

Welt sukzessive zurückzog, wurde auch der Hype in den Medien etwas stiller um sie. Andere, deutlich jüngere Künstlerinnen, nahmen nun vermehrt ihren Platz im Showbusiness ein. Auch wenn Cecilia immer noch hinreißend und für ihr Alter letztlich auch bezaubernd schön aussah, so blieb sie trotz alledem immer noch eine der letzten großen Diven auf dieser Welt. Trotzdem gab sie schon bald darauf ihr extrovertiertes Leben in der Öffentlichkeit gänzlich auf und hielt sich mit rein privaten Informationen aus ihrem unmittelbaren Umfeld in den Medien weitestgehend bedeckt. Natürlich wusste sie sehr genau, wie gnadenlos rapide der Alterungsprozess besonders bei einem weiblichen Medienstar

vonstattenging und aus genau diesem Grund vermied sie es daher ganz bewusst die Öffentlichkeit in Bezug auf ihre Person daran teilhaben zu lassen. Währenddessen viele der internationalen männlichen Stars in ähnlicher Situation merkwürdigerweise sogar noch an Charisma und Ansehen hinzugewinnen konnten. Daher wussten eigentlich nur einige sehr wenige Eingeweihte um die tatsächlichen Befindlichkeiten der Cecilia Montreal wirklich Bescheid. Aber unabhängig davon, würde die populäre Bühnenkünstlerin morgen ihren achtzigsten Geburtstag begehen. Aus diesem Grund hatte ihr Management an diesem Tag zu einer ganz besonderen Gala in den großen Festsaal des Münchener Fünf-Sterne-Luxushotels

"Residenz“ geladen, welche die gesamte Musikwelt noch einmal an die aufsehenerregendsten Zeiten dieser hinreißend schönen Diva erinnern sollte. Alles was Rang und Namen im Klassikbereich der internationalen Musikszene hatte, war dazu eingeladen worden, diesen achtzigsten Geburtstag jener großen Mimin zu feiern… Ohne Wissen ihres Managements hatte Cecilia Montreal jedoch bereits zwei Wochen zuvor bei einer sehr diskreten Edel-Escort-Agentur im Internet mit Hilfe ihrer privaten Physiotherapeutin und internen Beraterin, Simone Dewantier, einen äußerst attraktiven Begleiter ordern lassen. Einen Mann, der sich lediglich als charmanter männlicher Kavalier ausschließlich an ihrem achtzigsten

Geburtstag ständig an ihrer Seite aufhalten sollte. Und dieser Mann musste natürlich vor allem ihren ganz persönlichen Intentionen entsprechen, denn Cecilia wollte es an diesem besonderen Tag ein letztes Mal so richtig genießen, einstmals ein großer Weltstar gewesen zu sein, dessen liebreizendes Gesicht einige jahrzehntelang die Plakate an den Litfaßsäulen und die Werbefassaden von Sankt Petersburg bis San Franzisco in den unterschiedlichsten Bühnenrollen schmückte. Gemeinsam mit Simone suchte sie daher in einem gesonderten Spezial-Onlinekatalog nach einer infrage kommenden, adäquaten männlichen Person. Nach gut einer Stunde mit vielem Für und Wider hatte man sich auf einen sehr gut aussehenden und charismatischen

jungen Mann von etwa Mitte dreißig geeinigt. Auf einen feinsinnigen Franzosen, der über Hochschulbildung verfügte, drei Sprachen fließend beherrschte und dessen ausgezeichnetes internationales Renommee ihm gerade im Umgang mit etwas reiferen Frauen durch eine umwerfend positive Bewertung im Internet uneingeschränkt nur Bestnoten verlieh. Als die taffe Managerin jener Agentur erfuhr, wen ihr Mitarbeiter an diesem Tag begleiten sollte, versprach sie alles zu tun, um dieses Event zu einem wahren Highlight im Leben der Cecilia Montreal werden zu lassen. Sie selbst fühlte sich dermaßen geehrt, mit einer solch bedeutungsvollen Aufgabe betraut zu werden, sodass sie der Künstlerin umgehend

versichern ließ, dass sämtliche Unkosten für diesen doch recht ungewöhnlichen Escort-Service aus ganz privaten Prestigegründen selbstverständlich aufs Haus gehen würden. Simone Dewantier, die dieses inoffizielle Telefongespräch in Cecilias Namen geführt hatte, hob grinsend den Daumen und zum ersten Mal seit Wochen erschien auf Cecilia Montreals immer noch wunderschönem Gesicht wieder jenes bezaubernde Lächeln, welches sie neben ihrer faszinierenden Stimme einst so weltberühmt machen sollte… **




Sommeranfang, Zeit für das Abbrennen des Sonnenwendfeuers… Das Wetter an diesem 21. Juni war, was man sich tatsächlich auch unter einen normalen mitteleuropäischen Sommerbeginn vorstellte. Wohltuende 25°Celsius versprachen den ersten Tag dieses Sommers in einer angenehmen Atmosphäre aufblühen zu lassen, denn phantastisch aufgelockerte Schönwetterwolken spazierten schon seit den frühen Morgenstunden unablässig am blauen Firmament der bayrischen Hauptstadt entlang. Cecilia war bereits am Tag vorher in München eingetroffen und hatte die Nacht über in ihrer wohl behüteten Hotelsuite im Fünf-Sterne-Hotel "Residenz“ ausnehmend gut geschlafen. Sie war entspannt erwacht, als die ersten

vorwitzigen Sonnenstrahlen ihr Antlitz zu liebkosen begannen. Ihr erster Gedanke war, als sie die Augen aufschlug… Heute bin ich nun achtzig Jahre alt geworden. Achtzig, was für ein Alter. Fühle ich mich etwa wie eine Achtzigjährige? Nein, keinesfalls. Achtzig fühlte sich an diesem herrlich versonnten Sommermorgen überhaupt nicht anders an, als sie noch am Abend zuvor mit neunundsiebzig zu Bett gegangen war. Mit neunundsiebzig ins Bett, kicherte sie vor sich hin. Na das wär' was, ich war nur ein einziges Mal in meinem Leben mit mehreren Männern zugleich in einem Bett, aber da war natürlich überhaupt nichts passiert, was irgendwie auch nur den Hauch einer Spur von Erwähnung verdient hätte. Doch dann erinnerte sie sich

zugleich an eine noch sehr viel weiter zurückliegende wilde Menage à trois in Paris, kurz bevor sie jene junge russische Prima Ballerina kennenlernte. Und diese reizende Ballerina, wie hieß sie doch gleich? Natalia, Natasha, Nastia… An ihren Namen konnte sie sich zwar im Moment nicht mehr so recht erinnern, aber jedenfalls war sie ein wunderschönes Mädchen, denn ihre weiße, fast durchscheinend schimmernde Haut war wie Seide und ihr mehr als schulterlanges Haar glänzte wie rotes Gold. Ach was waren wir beide damals auch noch so herrlich jung, lächelte sie in sich hinein. Cecilia legte beide Hände auf ihre länglichen, etwas erschlafften Brüste. Es war zwar noch immer alles da, vielleicht nur ein wenig tiefer gelegen und

auch das einstmals recht üppige Volumen hatte im Laufe der Zeit wohl etwas von seiner damaligen opulenten Fülle eingebüßt. Nun ja, ganz sicher sogar etwas mehr, aber schließlich war sie ja auch keine zwanzig mehr. Sie lachte belustigt, als ihr zum Vergleich ein knackiger, rotbäckiger Apfel eingefallen war, der den Winter über etwas zu lange im Regal gelegen war und der ihr nun zum Ende dieses Winters hin, wie leicht... eingeschrumpelt vorkam. Trotz alledem schmeckte er immer noch ziemlich süß, wenn man von ihm kostete. Und nun waren zwei von diesen über den Winter gekommenen süßen Äpfelchen, wie in kleine Säckchen getan, an ihrem schmächtigen Körper gehangen. Sie fühlte, wie sich unter ihren

schlanken Händen ihre großen Brustwarzen kräftig regten und sich ihre mageren Brüste nach solchen intensiven Berührungen mit einem betörenden Gefühl von aufkommender Lust ins Leben zurückmeldeten. Und als die kosenden Fingerbeeren ihrer Hand danach auch noch mehrmals in Uhrzeigerrichtung sanft über ihre immer noch pralle, perlmuttfarben glänzende Perle ihrer Lust glitten, durchzuckten sie sogleich weitere heftige Wellen der Erregung. Eine beinahe schon weitestgehend verblasste Erinnerung an längst vergangene Zeiten, in denen sie dieser sinnlichen Erregungen fast täglich bedurfte. Nein, dachte sie hocherfreut, achtzig ist noch kein Alter, denn es erregt mich noch immer alles genauso wie früher...

Und während sie noch immer lächelnd darüber nachsann, fielen ihr sogleich auch die Bilder von dieser Menage á trois in Paris wieder ein, wie sie damals im Grandhotel gemeinsam mit diesen beiden überaus charmanten und höchst vitalen Männern jene einzigartige Nacht verbracht hatte. Mit diesem jungen Oboisten und mit dem älteren der beiden Flötenspieler aus dem Orchester des Musiktheaters, mit denen Cecilia gemeinsam in der Mozart Oper, "Die Zauberflöte“ auftrat. Ihrer beider Namen waren längst vergessen, wohl aber nur deshalb, weil sie die Musiker damals erst gar nicht danach gefragt hatte. Zunächst sind die drei nach der gelungenen Spätvorstellung noch gemeinsam ins Moulin Rouge gezogen. Und nachdem sie dort neben

etlichen Manhattan Cocktails noch zwei, drei Flaschen trocknen Champagners vom Feinsten geleert hatten, fuhren sie hernach

mit einer weiteren Flasche jenes prickelnden Getränkes unter dem Arm, zu dritt mit einem Taxi zum Grandhotel in die Avenue des Champs-Élysées. Cecilias damaliges Quartier während ihres ersten wirklich bedeutenden Engagements in Paris. In wahrlich lebhafter Erinnerung geblieben sind ihr lediglich die ansehnliche Zauberflöte dieses jungen talentierten Oboisten, welche sie übrigens sehr geschickt zu spielen verstand. Wie auch dieser überaus sündige Mund jenes älteren, leidenschaftlichen Flötisten, der die knapp zwei Quadratmeter ihrer Hautoberfläche mit einer wahnsinnig

stimulierenden Akkuratesse erforscht hatte, wie sie es noch niemals zuvor erlebt hatte. Nein, sie bereute nichts, nichts von alledem, was sich je in ihrem bislang ziemlich aufregenden Leben zugetragen hatte. Und nein, achtzig Jahre waren definitiv noch kein Alter, um überhaupt etwas zu bereuen. Wenn Cecilia Montreal überhaupt etwas bedauerte, dann war es die Tatsache, dass das Leben natürlich nicht immer endlos so weitergehen würde, denn gewisse, bereits unübersehbare physische Befindlichkeiten machten allerdings auch um die Gesundheit der Grande Dame keinen Bogen. Die Kunst bestand also darin, aus dem, was zu tun ihr noch möglich war, jeweils immer das Beste zu machen. Jedenfalls, so lange es noch ging.

Punktum.

Den gesamten Vormittag verbrachte Cecilia damit, zu baden und sich zu pflegen, sich für das abendliche Event von einer Visagistin und einer Hairstylistin herrichten und sich intensiv aufhübschen zu lassen. Nicht einmal Cleopatra, die letzte ägyptische Pharaonin, hätte vermutlich einen größeren Aufwand treiben können, als sie im Nachhinein den römischen Imperator Julius Cäsar in ihrem Schlafgemach empfing. Nichts sollte also dem Zufall überlassen bleiben, denn sehr wahrscheinlich würde man sie auch so in der Erinnerung behalten, wie man sie auf dieser großen Gala, anlässlich ihres achtzigsten Geburtstages noch einmal in aller Öffentlichkeit zu sehen bekäme. Sie dachte

dabei besonders an die große Marlene Dietrich und ihrem letzten bedeutenden Auftritt, bevor sie sich für immer aus der Öffentlichkeit zurückzog. Die Medien würden sicher unzählige Fotos von Cecilia schießen und auch die großen internationalen TV-Stationen würden selbstverständlich gleich mit mehreren Kamerateams anrücken, um sich den vermutlich letzten großen Auftritt jener weltweit bekannten Künstlerlegende nicht entgehen zu lassen. Sie schlüpfte in das hauchzarte anthrazitfarbene Samtkleid, welches in der renommierten Modemacherwerkstatt eines prominenten Modegestalters für sündhaft teures Geld in Paris speziell für sie zu diesem Event entworfen und ebenda für sie auch

maßangefertigt wurde. »Nun, wie sehe ich aus?«, fragte sie, nachdem Simone ihr das Kleid auf dem Rücken geschlossen hatte und drehte sich elegant vor dem großen Standspiegel in ihrem geräumigen Schlafgemach. »Bezaubernd, anmutig, wie ein junges Mädchen und dabei doch so viel reifer und schöner, kurzum als Frau einfach nur perfekt. Aber ziehen Sie doch noch die tollen High Heels dazu an, das würde mich dann ganz sicher noch weit mehr überzeugen, Madame Cecilia«, meinte ihre Beraterin lächelnd. »Oh' ich habe schon lange keine so hohen Absatzschuhe mehr getragen und weiß gar nicht, ob ich darin überhaupt noch gehen kann«, lächelte sie gequält und glitt in die

ebenfalls handgefertigten, zum Kleid bis auf das i-Tüpfelchen passenden Edelschuhe. Sie drehte sich noch einmal gekonnt vor dem unbestechlichen Spiegel und kontrollierte ihre Figur und ihr Aussehen. »Bin ich nicht gar etwas zu fett?«, fragte sie skeptisch und glitt dabei mit der Hand über ihren flachen Bauch. Die Physiotherapeutin hielt inzwischen die Hände vor dem Mund gepresst und schüttelte nur fassungslos den Kopf, »Wahnsinn, murmelte sie, das ist einfach nur der blanke Wahnsinn. Sie sehen so absolut hinreißend aus. Sie haben immer noch die phantastische Traumfigur eines Mannequins, Madame. Die anwesende Männerwelt wird Ihnen garantiert zu Füßen liegen.« »Na das will ich doch stark hoffen, mein Kind,

das sie das tut. Was meinen Sie, warum ich mir sonst in meinem Alter diesen ganzen Zinnober hier noch antun würde«, schmunzelte Cecilia schelmisch, während Simone noch immer von dieser femininen Erscheinung fasziniert, den Kopf schüttelte. Plötzlich läutete das antike Telefon, welches auf dem edlen schwarzlackierten Steinway-Klavier stand und Cecilia nahm den Hörer ab. Zugleich warf sie einen kurzen Blick auf ihre winzige goldene Armbanduhr. »Schicken Sie ihn hinauf, mein Guter. Ja, ich weiß Bescheid…« Dann legte sie den Hörer langsam wieder auf die messingfarbene Gabel zurück, während sich ein geheimnisvolles Lächeln in ihr Gesicht stahl, »…Monsieur Mathieu ist da... Pünktlich wie

ein Maurer, hoffentlich ist es aber auch kein Freimaurer«, flachst sie.

Minuten später klopfte es bereits leise an der Tür zum Apartment und Simone öffnete einen Flügel. Sie erkannte in Jaques Mathieu sofort jenen sympathisch wirkenden Mann wieder, den sie beide gemeinsam für Cecilia im Internet ausgesucht hatten. Dieser Mann erschien jetzt in einem tadellos sitzenden, eleganten Zweireiher, zu dem er ein weißes Hemd und einen passenden Schlips trug. Er besaß eine geradezu verblüffende Ähnlichkeit mit dem britischen Schauspieler, Daniel Craig, welcher im Moment gerade den aktuellen James Bond verkörperte. Vielleicht ja auch ein weiterer Grund mit, warum sich Cecilia letztlich ausgerechnet für diesen Monsieur

Mathieu entschieden hatte, konstatierte Simone Dewantier schmunzelnd. Wohlwissend, dass sie in den jeweiligen Auswahlgesprächen natürlich selbst favorisierend darauf hingewirkt hatte… »Bon jour, mein Name ist Jaques Mathieu, ich komme von…«, wollte er sich gerade vorstellen. »Ich weiß, Monsieur, aber so kommen Sie nur herein, Madame erwartet Sie bereits«, unterbrach sie lächelnd die Rede dieses gut aussehenden Mannes mit dem gepflegten Drei-Tage-Bart und trat nun einen Schritt beiseite, um ihm einzulassen. Der stattliche, gut einen Meter fünfundachtzig große, charismatische Mann neigte ein wenig den Kopf und betrat dann ebenfalls lächelnd das

Apartment von Cecilia Montreal. In seiner hinter dem Rücken verborgenen Hand, hielt er eine einzelne, in einem edlen Bordeauxrot blühende Rose… ** Die Nacht war mild und klar. Cecilia Montreal stand allein auf einem der vielen Balkone des großen Festsaales in der ersten Etage und schaute in den samtblauen Münchener Sternenhimmel. Das Hotelpersonal hatte inzwischen die Türen zu allen Balkonen geöffnet und die erfrischende Nachtluft strömte nun unvermindert in den Festsaal, in welchem sich noch immer etliche der geladen Gäste befanden und den Abend bei einem

entsprechenden Getränk zum leisen Spiel des Pianisten ausklingen ließen. Während der mit sanften Tönen einen Strauß von bunten Melodienabfolgen spielte und damit an die goldenen Zeiten der großen Künstlerin erinnerte. Das Event war ein voller Erfolg und Cecilia Montreal war in der Tat der unumstrittene Stargast des heutigen Abends. Man hatte von Seiten der Organisatoren nichts Musikalisches ausgelassen, um diesem achtzigsten Geburtstag der Diva seinen unvergesslichen Stempel aufzudrücken. Als die Grande Dame später dann auch höchstpersönlich auf der kleinen Bühne des Festsaales erschien, um sich noch einmal für ein musikalisch gelebtes Leben bei ihrem treuen Publikum zu bedanken, da gab es

plötzlich für die kleine schmächtige Frau sogar Standing Ovations, gefolgt von einem minutenlang anhaltenden rasenden Beifall ihres Publikums. In diesem Moment wusste Cecilia Montreal, dass es zu Ende war und sie nie wieder auf den Brettern stehen würde, die für sie immer die Welt bedeutet hatten. Sie atmete überrascht tief durch, als plötzlich hinter ihr ein Mann gestanden war und der sie leise auf Französisch ansprach, »Du bist immer noch bezaubernd und auch wunderschön, ma chéri…« Erstaunt drehte sie sich herum und in diesem Augenblick beugte sich der Mann zu ihr hinab und küsste sie auf den Mund. »Jaques, das war so nicht…«, dann erstarb ihr verbaler Widerstand an seinen küssenden

Lippen. Als sich Cecilia einen Augenblick später von ihrem ersten Schreck erholt hatte, küsste sie den Mann couragiert zurück. »So war es aber nicht vereinbart, mein lieber Jaques…«, tadelte sie ihn lächelnd, während ihrer beider Konversation ab diesem Zeitpunkt ausschließlich nur noch in französischer Sprache fortgeführt wurde, welche Cecilia mindestens ebenso perfekt beherrschte, wie jener Mann, der sie gerade eben so hinreißend geküsst hatte. »Wer kann schon wider seiner Natur, du bist noch immer eine absolute Klassefrau, siehst immer noch toll aus und ja, ich stehe auf ältere Semester. Wer weiß, vielleicht kann ich ja sogar noch etwas lernen von dir. Etwas, was mir in meinem jugendlichen Leben bislang

noch versagt geblieben ist, lachte er charmant und umfasste ihre Hüfte. Hast du am heutigen Abend noch etwas vor? Die Nacht ist noch jung und nur wir beide könnten uns doch noch in einer netten kleinen Bar einen Absacker genehmigen, wenn du magst. Dein Hofhund wird schon nicht gleich lauthals losbellen, wenn du mal ein paar Minuten später nach Hause kommst, oder bist du etwa schon viel zu müde, um überhaupt noch etwas in dieser Richtung zu unternehmen?« »Lass sie das nicht wissen, wie du über meine Beraterin denkst, sie mag dich nämlich, schmunzelte sie. Und wenn du es ganz genau wissen willst, mein lieber Jaques, wir beide haben dich gemeinsam für diesen heutigen Abend ausgewählt aber letztlich sogar auf ihre

ausdrückliche Empfehlung hin. Ich danke dir übrigens sehr für dein äußerst umsichtiges Engagement in Bezug auf diese penetranten Paparazzi und dass du mir diesen aufdringlich schmierigen Zeitungstypen ferngehalten hast. Es war sehr angenehm, diesen heutigen Tag so geborgen an deiner Seite zu verbringen. Sie werden sich jetzt ohnehin erst recht ihre Mäuler darüber zerreißen, wer denn wohl jener edle Ritter in schimmernder Rüstung

auf diesem weißen Pferd an meiner Seite war.

Die alte Schachtel und ihr jugendlicher Lover. Ich sehe schon die fetten Balkenüberschriften der morgigen Gazetten direkt vor mir...«, konstatierte Cecilia lächelnd. »Sie werden es schon bald herausgefunden haben, meine Liebe, glaub‘ mir, es wird auch

gar nicht lange dauern, dann hat diese Bande mein wohl gehütetes Geheimnis gelüftet. Dann hast du wahrscheinlich einen weiteren Skandal am Hals, weil du dich mit einem dieser windigen Kerle von einem Escort-Service eingelassen hast, so wird es kommen, ma chérie«, resümierte Jaques unterdessen.

»Mach dir um mich nur keine Sorgen, ich bin derart Kummer gewöhnt. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass ich in ein solches mediales Fettnäpfchen getreten wäre, mon chérie. Außerdem, was habe ich denn noch zu verlieren, ich bin nun nicht mehr präsent, mein lieber Jaques. Ich bin eigentlich nur noch Cecilia Montreal, eine betagte Seniorin aus Zürich und schon lange nicht mehr die große, einstmals weltweit gefeierte Bühnenkünstlerin.

Es ist der Weg allen Seins, darin ist die Zeit in der wir leben nämlich unerbittlich. Sie schreitet unablässig voran und lässt alles in den Schatten der Vergangenheit zurückgleiten, was definitiv hinter ihr liegt. Und das versinkt dann mehr und mehr in einem Dunstkreis, der sich später Geschichte nennt. Wir alle leben letztlich nur für diesen einen Augenblick, denn der nächste kann vielleicht schon der letzte sein, auch wenn wir das selber nicht immer so sehen wollen. Aber das ist nun mal die Realität und nicht jeder Morgen wird auch für uns ein neuer Morgen sein, darum lass‘ uns also aus jedem erlebbaren Augenblick etwas Wunderbares machen. Etwas, was unser kurzes irdisches Dasein verschönert, etwas was nur uns gehört und was wir vielleicht

sogar als eine kleine, liebevolle Erinnerung mitnehmen können in eine ferne Zukunft, wohin sich unsere Seele eines Tages auf den Weg machen wird«, sagte Cecilia leise und küsste den smarten Mann, der nun mit dem Rücken lässig gegen die schmiedeeiserne Balkonbrüstung lehnte, erneut sehr heftig auf den Mund. »Ich sehe schon, an dir ist mehr als nur eine reizende Philosophin verloren gegangen, schmunzelte Jaques. Was hältst du von meinem Vorschlag, noch einen letzten Drink zu nehmen, ma chérie?« Cecilia nickte lächelnd, »Gerne doch. Nur, dass wir diesen Drink auch in meiner Suite nehmen könnten, denn ich mag nach all dem Stress von heut‘ Nacht nun

auch nicht mehr aus dem Haus gehen wollen, außerdem würden uns somit auch die lästigen Paparazzi erspart bleiben, ohne die wir in dieser Nacht unbemerkt sowieso keinen Schritt mehr machen könnten«, meinte sie kurz entschlossen und telefonierte bereits nach dem Nacht-Service des Hotels, bei welchem sie sich umgehend eine gut gekühlte Flasche trockenen Champagners und zwei Gläser auf ihr Apartment bestellte. Anschließend sprach sie noch mit einem Bediensteten des Hauses und als der nickte, winkte sie den wartenden Mann vom Balkon rasch zu sich heran.

»Er kennt einen internen Schleichweg über verschiedene Hintertreppen durchs Hotel, auf dem uns niemand folgen und keiner so schnell

unseren Abgang bemerken wird«, flüsterte sie Jaques rasch ins Ohr. Worauf der grinsend entgegnete,

»So mag ich es, spannend und geheimnisvoll mit einer Dame auf offener Bühne verschwinden. Casanova selbst hätte es gewiss nicht besser inszenieren können, ma chérie…« »Casanova hatte aber auch noch ganz andere Qualitäten, wenn man seinen Memoiren Glauben schenken darf und eigentlich habe ich, ehrlich gesagt, auch keinen Grund daran zu zweifeln, mon chérie«, konterte Cecilia geschickt. Sie fasste Jaques indes unvermittelt bei der Hand und beide folgten dem Hotelangestellten in sicherer Distanz.

Als sie kurz darauf vor Cecilias Suite standen,

entlohnte Jaques den Angestellten mit einem opulenten Trinkgeld, während Cecilia bereits die große Flügeltür einen Spalt weit geöffnet hatte. »Et voi­là, also auch der Champagner ist sogar schon eingetroffen«, bemerkte sie hocherfreut, als sie den Sektkühler mit der darin auf Eis gelagerten Flasche entdeckt hatte. »In der Tat, ein prompter Service«, lobte sie das Personal, auf das man sich ihrer Meinung nach, noch allzeit verlassen konnte.

Unterdessen machte Jaques sich daran, die Flasche zu öffnen und das prickelnde Getränk in zwei ebenfalls eisgekühlte Kristall-Schalen zu füllen. Er reichte Cecilia eine der Schalen und hielt die seine empor, »Auf was trinken wir, ma chérie?«

»Auf alles das, was wir lieben, mein lieber Jaques und nur auf das…«, erwiderte Cecilia mit ihrem weltberühmten Plakat-Lächeln. »Also dann, auf das, was wir lieben, was immer es auch sein mag…«, prostete er der immer noch sinnlich lächelnden Jubilarin zu. Sie stießen beide mit ihren Gläsern an und tranken einen zünftigen Schluck auf diesen Toast, während Cecilias Augen immer den Blickkontakt mit Jaques Augen suchten, als wollte sie ergründen, welche Wahrheit sich hinter diesen stahlblauen Augen verborgen hielt. Zweifellos war Jaques Mathieu ein moderner Casanova, der mit seinem unverfälschten Charme fast beinahe jede Frau um den kleinen Finger wickeln konnte, also die älteren unter ihnen, auf jeden Fall. Aber

gerade das war es ja, was seine interessante Persönlichkeit ausmachte und er hatte sozusagen überhaupt keinen Grund, mit seiner natürlichen Begabung geflissentlich hinter dem Berg zu halten. »Mir gefällt die Farbe deines Lippenstiftes, ich mag dieses blutige Kirschrot, denn es betont ungemein deinen verführerischen Mund«, schmunzelte er. Cecilia lächelte, »Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass es mich eine Nuance zu nuttig erscheinen lässt, chérie, findest du nicht auch?« Jetzt grinste auch Jaques über das ganze Gesicht, »Auf gar keinen Fall, ganz im Gegenteil, denn es passt geradezu phantastisch zu dir.« »Ich werde es ihr bestellen, wenn ich sie dereinst wiedertreffen werde«, entgegnete

Cecilia hintergründig lächelnd. »Wen meinst du?«, fragte Jaques. »Oh‘ Coco Chanel natürlich, wen sonst. Sie hatte damals in 1968 diesen roten Lippenstift kreiert und benannte ihn kurzerhand nach mir. Cecilia Rouge… Wir blieben uns beide bis zu ihrem Tod sehr sympathisch, als sie 1971 verstarb. So benutze ich seit damals diesen speziellen Lippenstift, der angeblich sogar nachhaltig kussecht sein soll…« »Schon mal ausprobiert?« »Bislang noch nicht wirklich.«

»Dann sollten wir es schleunigst nachholen und vielleicht doch einmal herausfinden, was es mit jener nachhaltigen Kussechtheit auf sich hat, findest du nicht auch, ma chérie?« »Unbedingt, mein lieber Jaques, das sollten

wir...«, flüsterte Cecilia leise, während der smarte Mann sie heftig an sich presste und sie plötzlich sehr innig auf ihren kirschroten Mund küsste. Dann langte er mit der Hand nach dem Lichtschalter, um das Schlafgemach komplett abzudunkeln. Aber da kam ihm Cecilia zuvor und hielt seine Hand fest,

»Ich bin zwar schon eine alte Schachtel, die zum Anschauen leider die beste Zeit längst schon hinter sich gebracht hat, aber deshalb will ich mich trotzdem mit eigenen Augen überzeugen wollen, mit wem ich mich da auf etwas so Intimes einlasse, mon chérie. Denn schließlich isst das Auge ja auch mit…« Jaques rechtfertigte sich lächelnd, »Ich dachte nur, weil die meisten Damen es in der Tat bevorzugen, lieber im Dunkeln…«

»Sehe ich etwa aus, wie die meisten deiner Damen, mein lieber Jaques?«, unterbrach sie ihn rasch. »Von dieser Vorstellung solltest du dich ganz schnell lösen, wenn du bei mir im Bett zu einem Erfolg kommen wolltest...« Jaques schluckte, denn damit hatte er letztlich nicht gerechnet. Cecilia war natürlich definitiv keine Frau, die man einfach mal so ins Bett würde zerren können. Cecilia war etwas ganz Besonderes, sie war auch intim eine Diva, die nichts auf sich kommen ließ. So ließ er sich denn auch widerstandslos von Cecilia langsam Stück für Stück entkleiden, bis ihn nur noch seine blütenweißen Boxershorts vor Cecilias prüfenden Blicken schützten. Cecilia sog den Duft dieses Mannes tief ins sich hinein und ein erkennendes Lächeln huschte

über ihr verstehendes Gesicht. Ja, die Chemie stimmte und wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, dann hätte sie spätestens an dieser Stelle die noch nicht einmal begonnene Liaison definitiv beendet. Sehr zufrieden gestimmt, nun aber auch reichlich neugierig geworden, zog sie tief einatmend die letzte schützende Bastion vom Körper ihres jungen Minnesängers herunter und betrachte interessiert und zugleich hocherfreut Jaques bestes Stück. Gleich darauf fuhr sie liebkosend mit ihrer hohlen Hand unter seine Hoden, natürlich um den stattlichen Prachtkerl seines Besitzers gebührend zu begrüßen, der sich bei ihr sogleich auf seine ganz spezielle Weise für die erwiesene Aufmerksamkeit bedankte. Etwas, was Cecilia recht

wohlwollend zur Kenntnis nahm, wie ihre gesamte Körpersprache verriet. Ja, dachte sie, es ist tatsächlich noch immer alles so, wie es früher einmal war und die Bilder der Erinnerung beflügelten nun immer heftiger ihre unaufhaltsam in Gang geratenen Phantasie. Dann erhob sie sich langsam vor ihm und während sie ihr lächelndes Gesicht an seine breite Brust legte, öffnete Jaques ihr geschickt den versteckten Verschluss an ihrem elegant sitzenden, anthrazitfarbenen Abendkleid und ließ es sanft an ihrem Körper hinabgleiten. Wie überrascht war er jedoch, als er bemerkte, dass Cecilia unter ihrem Kleid überhaupt nichts weiter trug, außer ihrer hellen Haut und ein paar feine, hauchdünne halterlose, schwarze Stümpfe, die ihr bis

hinauf an die Oberschenkel reichten und natürlich ihre edlen, hochhackigen Stilettos. »Du trägst ja gar nichts darunter, ma chérie. Hast du die ganze Zeit auf der Bühne und während der gesamten Zeremonie des Events etwa nur dieses Kleid getragen und sonst gar nichts?«, fragte Jaques nun völlig verblüfft. »Nur was du hier siehst, nichts sonst…, schmunzelte sie, aber es war ein verdammt erregendes Gefühl, wenigstens das kann ich dir versichern, chérie. Ein letzter großer Coup und nun bist du tatsächlich der Einzige, der jetzt davon weiß«, kicherte sie mädchenhaft. »Wow, was soll ich dazu sagen, du hast sie damit allesamt genarrt und niemand hat auch nur das Geringste geahnt, oder gar gesehen, bemerkte Jaques anerkennend. Nicht einmal

diese aufdringlichen Paparazzi, die sonst eigentlich alles mit ihren grellen Blitzlampen ausleuchten und damit natürlich auch das Intimste gnadenlos aufdecken, was es eher zu verbergen gilt.« »Ich wollte mir wahrscheinlich zum letzten Mal in aller Öffentlichkeit etwas trauen, was sicher niemand sonst gewagt hätte. Praktisch gesehen, sogar ein Tabu damit brechen…«, grinste Cecilia und küsste lüstern den nackten Mann. Der wiederum ließ seine gepflegten Hände zärtlich, aber dennoch recht kraftvoll über ihren schmächtigen Körper gleiten, liebkoste mit seinem gierigen Mund intensiv ihre erschlafften Brüste und weckte mit seinen intimen Berührungen und seinen vielfältigen Zärtlichkeiten ihr lustvoll aufflammendes

Begehren, mit ihm in dieser Nacht vereint zu sein. Kurz darauf trug er die kleine Frau, die sich nach seinen intimen Liebkosungen geradezu verzehrte auf das breite Bett in ihr opulentes Schlafgemach. Sie erschien ihn körperlich so zerbrechlich und auch so leicht, wie eine Feder zu sein, dass er einen Augenblick lang darüber nachsann, ob er ihr womöglich gesundheitlich schaden könnte, sollten sie beide erst so richtig intim miteinander werden. So beschloss er ihr die Initiative zu überlassen und der Rest würde sich bestimmt ergeben, wenn die Zeit dafür gekommen wäre.

Er würde jedenfalls aus Rücksicht auf ihre Gesundheit sehr vorsichtig zu Werke gehen wollen, um nur nichts Unüberlegtes zu

riskieren. Darum flüsterte er ihr leise ins Ohr, »Was hättest du gerne, was ich für dich tun sollte, ma chérie?«, und schaute sie liebevoll dabei an. Cecilia schloss ihre Augen und antwortete ihm voller Inbrunst, »Alles, ich will einfach alles, was du mir geben kannst, mon chérie…« »Ich hatte gehofft, dass du genau das sagen würdest«, vernahm sie erneut seine leise flüsternde Stimme und lächelnd glitt Jaques mit seinen fordernden Küssen auf ihrem Körper entlang, wo er erst in ihrer Körpermitte wieder haltmachte und für sie nach und nach sämtliche himmlischen Pforten eröffnete… Nachdem Jaques ein gigantisches erotisches Feuerwerk für Cecilia abgebrannt hatte, was sie in ungeahnte Höhen sexueller Lust hat

katapultieren lassen, lagen beide völlig verschwitzt und ermattet mit einer Schale voller köstlichem Champagners in der Hand auf ihrem weichen Bett. Cecilia hatte sich an seinem Bauch eingekuschelt und schaute ihren Ritter dabei glücksselig lächelnd an, »Wenn mir das jemand vorher erzählt hätte, was das noch immer für ein wahnsinniges Glücksgefühl ist, ich hätte es so bestimmt nicht mehr für möglich gehalten. Ich danke dir aus vollem Herzen, dass du mir noch einmal eine solch phantastische Nacht bereitet hast, mon chérie.« »Nun das war ich ja nicht nur allein, ich kenne da zum Beispiel übrigens jemanden, der zumindest kräftig daran mitgewirkt hat«, lächelte Jaques nun ebenfalls. Cecilia drehte

ihren Kopf und küsste ihn für seine Worte lächelnd am Bauch. »Es gibt jedoch etwas, was ich tatsächlich wirklich bedauere, nämlich dass ich nach dem nächsten Duschen dieses herrliche kirschrote Souvenir, welches du mir an exponierter Stelle hinterlassen hast, höchst wahrscheinlich sehr vermissen werde, ma chérie.« Cecilia wandte nun ihren Kopf in die entgegengesetzte Richtung und betrachtete interessiert den schwach sichtbaren ringförmigen Abdruck ihrer kirschroten Lippen an der immer noch harten Lanze ihres Ritters. »Oh' das tut mir jetzt echt leid, aber dann war wohl Cocos Lippenstift eben doch nicht ganz so kussecht, wie sie es mir seinerzeit versichert hatte. Aber das sollte wirklich kein

großes Problem sein, wenn dir dieser Abdruck abhandengekommen ist, kannst du ja bei mir vorbeischauen und ich werde dir mit dem allergrößten Vergnügen dieses Souvenir jederzeit liebend gern erneuern, wann immer du magst, chérie« , grinste sie verschmitzt. »Sag jetzt nichts, was du später einmal bereuen könntest, denn ich werde dich womöglich beim Wort nehmen und es dann natürlich auch von dir einfordern«, lachte Jaques nun sichtlich erheitert. Im Nu hatte Cecilia sich just daran gemacht und jene Stelle so intensiv und äußerst nachhaltig nachgeküsst, sodass besagter ringförmiger Abdruck nun allerdings mehr als nur überdeutlich sichtbar zu Tage trat. »Allmächtiger, stöhnte Jaques, also du bist

wirklich einmalig, ma chérie«, verkündete er, nachdem er anschließend wieder etwas zu Atem gekommen war, während Cecilia sich inzwischen die Reste der nun völlig verschmierten kirschroten Farbe von ihren nassen Lippen gewischt hatte. »So, meinte sie befriedigt, nun hält es wenigstens ein kleines bisschen länger, und außerdem empfand ich dabei sogar nochmal das einzigartige Pläsier, dich auch wirklich geschmeckt zu haben, mon chérie. Aber weißt du, was ich denke? Ich glaube, es hört eigentlich nie richtig auf, fuhr sie fort. Es ist wie mit dem Silber, wenn man es lange nicht benutzt, dann wird es mit der Zeit schwarz. Wenn man es dann aber erneut wieder verwendet und es gar richtig zu putzen weiß,

dann kommt am Ende auch das Edle dieses Metalls wieder zum Vorschein und setzt dabei sogar noch eine recht beeindruckende Patina an. Ich hatte meinen letzten richtig guten Sex vor knapp dreißig Jahren, aber du hast mir bewiesen, dass es auch jenseits der achtzig diesbezüglich sogar noch eine faszinierende Erfüllung für eine Frau geben kann und allein dafür danke ich dir noch einmal von Herzen, mon chérie.« »Dann lass uns doch noch einmal ganz explizit auf die feine Patina anstoßen, welche inzwischen dein wiederentdecktes blankes Silber so herrlich veredelt hat, ma chérie«, lächelte Jaques und erhob sein Glas...


Epilog

Es war ein wunderschöner Altweibersommer in diesem Jahr in Zürich und die Sonne wärmte mit ihren milden Glanz all diejenigen Spaziergänger, die gemächlich durch den Stadtpark flanierten. Auf einer Bank im Sonnenschein saß in einem hellen Paletot gehüllt, eine ältere, schmächtige Frau mit einem bezaubernden Lächeln im Gesicht und der Wind spielte leicht mit ihrem gepflegten schlohweißen Haar, während ihr leuchtend kirschrot geschminkter Mund sie einem oberflächlichen Betrachter vielleicht um die Winzigkeit einer kleinen Nuance etwas zu nuttig erscheinen lassen konnte. Sie schien die verschwenderischen Gaben jenes traumhaften Altweibersommers mit Hingabe

zu genießen, obwohl sich ihre rastlose Künstlerseele längst schon auf den Weg in eine ferne Zukunft gemacht hatte…


***



















Impressum Cover: selfARTwork Text: Bleistift © by Louis 2017/9 Update: 2019/11

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Hörbuch

Über den Autor

Bleistift
Mit Vorliebe schreibe ich Drabbles, Krimis und Kurzgeschichten...
Ich liebe diese fabelhaft pointierten Miniatur-Geschichtchen.
Zur Abwechslung schreibe ich auch gern mal eine erotische Geschichte...
Ansonsten hoffe ich auf viele geneigte Leser und freue mich über jeden ehrlich gemeinten Kommentar.
Zwei Städte sind mir neben Berlin besonders wichtig:
Paris und Venedig...

09.Mai 2015
Ich habe heute erfahren müssen, dass Silvi Bredau am Samstag, dem 25. April 2015
ihren Kampf gegen den Krebs endgültig verloren hat...
Ich schäme mich meiner Tränen nicht...
Louis

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Bleistift 
An meine Leser,
da einige Leser diese Geschichte aus technischen Gründen nicht mehr lesen können habe ich es ab jetzt unter der Rubrik 'Sonstiges' eingeordnet und somit sollte es wieder für alle lesbar sein...
Bleistift, 22.03.2026
Gestern - Antworten
tooshytowrite Celia, I am down on my knees, I 'm begging you PLEASE let me kno-ho-ho-how!
Oh Cecilia... wo fandest Du bloss diesen wunderschönen Ohrschmuck auf dem Titelbild???
singt Deine alberne tooshytowrite, blass vor Neid (ätsch, mit Ohrschmuck bin ich nun wirklich eingedeckt)
Lieber Louis, aussergewöhlich sorgfältig und gut beschrieben! Trotzdem wird Erwachsenenliteratur wahrscheinlich nie zu meinen Favoriten zählen. Issdochegal, nicht?
Vor langer Zeit - Antworten
Loraine Ein Kunstwerkt - sehr gelungen!
Empfehlenswert!
Loraine
Vor langer Zeit - Antworten
irish_shamrock Lieber Bleistift :),

hab vielen Dank für die Empfehlung per PN.
Ich habe mich natürlich gleich auf dein Werk gestürzt und bin von der Aufmachung her bereits hin- und weg.
Das Cover ist fantastisch, einfach passend. Auch der Hintergrund und das hervorstechende Leuchten der Seiten ... Ich bin sehr angetan!
Und dann dein Stil:
wort- und ideenreich, detailliert, stimmig ...
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen:
Zauberhaft und ich weiß gar nicht, warum ich hier noch so viel schreibe, wo dein Werk doch wirklich nicht vieler Worte genötigt :) ...

Ganz liebe Grüße,
von mir zu dir ...
Katrinchen C:
Vor langer Zeit - Antworten
matzetino Dazu bedarf es keiner großen Worte.

Liebe Grüße
Martina
Vor langer Zeit - Antworten
FLEURdelaCOEUR 
Ich sage nur:
"Großartig gelungen!"

LG fleur
Vor langer Zeit - Antworten
mukk Wow! Ein heikles Thema mit viel Fingerspitzengefühl geschrieben und sehr glaubhaft aufgebaut..
Herzliche Grüße
Mukk
Vor langer Zeit - Antworten
monalisa592107 wieder wunderbar zu lesen Münzen und das Herzchen für dich
das ist verdient
Vor langer Zeit - Antworten
welpenweste Gelungen! Eigentlich ein heikles Thema, aber absolut glaubwürdig angegangen.
Günter
Vor langer Zeit - Antworten
KaraList Von mir bekommst Du auch ein Herz und Klimperchen lege ich noch dazu.
Eine großartig geschriebene Geschichte, die sensibel, beinahe mit Zurückhaltung, zum anderen mit Charme das Liebesabenteuer einer am Ende ihres Lebens stehenden älteren Frau beschreibt. Ein Thema, an das sich nicht jeder heranwagt.
Ich bin beeindruckt, auch deshalb, weil Du in dieser Geschichte auf das Vokabular, das sonst in Deinen erotischen Texten zum Standard gehört, verzichtet hast. Damit ist es Dir gelungen ein feines Bild zu zeichnen, lieber Louis.
LG
Kara
Vor langer Zeit - Antworten
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