Fantasy & Horror
Die Töchter der Caluoc - 14.Kapitel

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"Die Töchter der Caluoc - 14.Kapitel"
Veröffentlicht am 30. Mai 2017, 30 Seiten
Kategorie Fantasy & Horror
© Umschlag Bildmaterial: pixabay
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Über den Autor:

Wir schreiben heute den 24.Mai 2014 und ich trete voller Erwartung in die Gefielde von "myStorys" ein. Ich bin A.B.Schuetze. Wir kreuzen das Sternenbild "Schütze" und erkunden dessen Eigenschaften. Da wir gerade davon sprechen ... vergesst alles, was ihr über Schütze-Frauen gelesen habt. So ganz unter uns ... ihr werdet mein Wesen darin nicht entdecken. Hab ich eure Neugier erweckt? Wollt ihr mich kennen lernen? Nichts leichter ...
Die Töchter der Caluoc - 14.Kapitel

Die Töchter der Caluoc - 14.Kapitel

Am Nachmittag hatten es sich Helena und Amaranth bereits im Wohnbereich vor dem Kamin gemütlich gemacht. Der Junior stibitzte sich vom Selbstgebackenen … Kuchen, Kekse und Waffeln … , welches auf dem Tisch stand und verschwand in seiner Spielecke. Auf einem Teewaagen waren sowohl Geschirr als auch alle Zutaten für Raidons Teezeremonie angerichtet.

Jeder wusste, Helenas Gefährte hatte seine eigene Art, ein Gefühl von Harmonie und innerer Ruhe herzustellen. Dabei hielt er sich zwar an Traditionen der Teezeremonie, jedoch keineswegs detailgetreu an eine ganz Bestimmte.

Helena erinnerte sich daran, wie sie zum ersten Mal Zeuge von Raidons

salbungsvollen Handlungen … gern ärgerte sie ihn mit dieser Bezeichnung … war. Damals konnte sie nur ungläubig den Kopf schütteln. Oh mein Gott. Zwei Kannen. Mir würde eine genügen, wenn überhaupt. Von 'mal schnell Tee kochen' kann da keine Rede sein. Diese Gedanken schossen ihr seinerzeit durch den Kopf, während sie beobachtete, wie kultiviert Raidon die Teeschalen und Kannen mit heißem Wasser ausspülte. In eine der Kannen legte er Teeblätter und übergoss sie mit heißem Wasser. In der zweiten Kanne wurde der starke Teesud mit kochendem Wasser gemischt. Sie tranken aus geschmackvollen, formschönen und liebevoll bemalten Teeschalen. Raidon reichte Ingwer, Honig und Kandis und machte einige

Ausführungen über die verschiedenen Zeremonien der Teezubereitung. Doch Helena hörte schon nicht mehr zu. Sie starrte den muskulösen Mann mit den schwarzen samtenen Mandelaugen und dem Pferdeschwanz einfach nur an.

Noch heute schoss ihr das Blut in die Wangen, wenn sie daran dachte. Auch so, als sie jetzt Amaranth davon erzählte.

„Wer konnte seine Augen vor lauter Wollust nicht von meinem gestählten Körper lassen?“ Raidon und Georg waren gemeinsam mit Fabrice aus dem Labor gekommen und steuerten nun direkt auf ihre Seelengefährtinnen zu.

„Ah … ich sehe schon …“ Ein Blick auf den Teewaagen. „ … du hast von unserer ersten

Teezeremonie erzählt. … und mein Schatz wird noch immer so entzückend rot dabei.“, freute sich Raidon und küsste Helena auf die Nasenspitze.

Sie boxte ihn mit der Faust spielerisch gegen die Brust und verwies ihm dann mit strenger Miene auf seinen Platz am Teewaagen. „Kein Mensch ist in deinen Körper verliebt. Das wäre ja noch schöner. Was seid ihr doch alle für Machos!“ Helena schloss auch Georg und Fabrice, die hinter ihrem Rücken Raidon ein 'Daumen hoch' signalisierten, mit ein. „Und da ihr gerade zusammenhaltet wie Pech und Schwefel, kann mir bestimmt einer sagen, warum Manuel nicht in eurer Männerrunde mitgemischt hat.“

Oh! Was sollte denn diese Frage? Bezweckte

Helena etwas damit? Und vor allem, woher wusste sie …

Betreten sahen sich die großen Kerle an. Sollten sie ihr die Wahrheit sagen? Das untermauerte dann wieder ihre Meinung in Sachen Macho. Doch was sollte es.

„Du musst doch zugeben, dass zwischen Charlotte und Manuel … nun ja, es geht einfach nicht voran. Jeder weiß, dass sie für einander bestimmt sind. Aber sie ist so schüchtern und er …“ Nein, Raidon wollte nicht wiederholen, was Georg dazu gesagt hatte. „ … und er ist so vornehm distanziert.“ Helena sah stirnrunzelnd zu Amaranth, die nur missbilligend den Kopf schütteln konnte. „Er hat halt Benimm und Anstand. Seine Manieren lassen es eben nicht zu, sich wie

ein Neandertaler auf seine Auserwählte zu stürzen. Er umwirbt Charlie mit angemessener Zurückhaltung.“

Ein abfälliges Schnauben beantwortete Helenas Laudatio. „Das du dich in deinem Freund da mal nicht irrst. Dieser Jungspund hat nur noch keine Erfahrung in Liebesdingen. Ein wenig Nachhilfe ist das Mindeste, was wir ihm angedeihen lassen sollten. …“

„Hehre Worte aus den Mündern derer, die selbst keine Erfahrungen hatten, bevor sie ihre jeweilige Seelengefährtin trafen.“, klatschte Manuel Beifall. Er stand bereits seit geraumer Zeit in der Tür und hatte aufmerksam dem Schlagabtausch zwischen den Gefährten gelauscht. „Aber lasst mal

stecken. Wir Jungen haben da unsere eigenen Methoden. Andere Zeiten andere Sitten. … Ach ja, und … Charlie und ich … wir schaffen das schon. Habt Vertrauen. Trotzdem … vielen Dank für eure Bemühungen.“

Perplex starrten alle Manuel an, der nun feixend und gemächlichen Schrittes auf den noch freien Zweisitzer zu schlenderte.

Zu aller Überraschung meldete sich Charlotte just in dem Moment zu Wort, als alle Manuel mit Ratschlägen bestürmen wollten.

Die Frauen hatten vergessen, dass Charlotte mit dem Junior in der Spielecke saß und sich von ihm mit Keksen füttern ließ, und die Männer hatten sie hinter den Säulen schlicht nicht bemerkt.

„Redet ruhig weiter, als ob ich nicht anwesend wäre. Es ist ungemein interessant und so lehrreich. … Ich dachte doch tatsächlich in meinem jugendlichen Leichtsinn, ihr lasst Manuel zurück, damit er sich um euren kleinen Hosenscheißer kümmern kann. Dass jemand an meine Wenigkeit einen Gedanken verschwenden könnte … daran hätte ich niemals nicht im Traum zu hoffen gewagt.“ Erhobenen Hauptes und ein amüsiertes Lächeln im Gesicht stolzierte Charlotte durch den Raum und ließ sich neben Manuel auf der Couch nieder. Sie war sich durchaus der verwunderten Gesichter ihrer Freunde bewusst. Noch vor wenigen Tagen wäre sie nicht so souverän diesen Salwidizern gegenübergetreten. Es erweckte den

Anschein, als würde Manuels Liebe sie beflügeln.

„Ach kommt schon. Nun macht nicht so große Augen. Wie sagt ihr doch immer? Es kommt so, wie es kommen muss. … Oder so ähnlich. Manuel und ich …“, dabei schaute sie zu Manuel auf, und jeder konnte ihre Zuneigung zu dem Salwidizer erkennen. „ … wir machen das schon irgendwie. … Auf unsere Weise.“ Sie legt die Hände in den Schoß und betrachtete sie einen Augenblick.

Die Freunde sahen sie erwartungsvoll an. Kam da noch etwas? Sie hatten das unbestimmte Gefühl, Charlotte wollte noch etwas sagen und wüsste nicht so recht wie. Diese räusperte sich und blickte reihum. „Wir bleiben hier.“, platzte sie heraus. „Ähm … ich

meine, wenn Fabrice Kontakt zu Georgs Eltern hergestellt hat, müsst ihr ja sofort handeln. … Also sofort teleportieren. Ich werde bei dem Lütten bleiben … und Manuel auch.“

So. Jetzt war es raus. Manuel grinste noch immer. Die anderen beäugten Charlotte. Überrascht? Zweifelnd? Verwirrt?

Wann hatten die beiden das beschlossen? Vor allem, dies war ein Thema, welches noch zu keinem Zeitpunkt angesprochen wurde. Jeder wusste, dass Menschen nicht beamen konnten, und Charlotte … Manuel und Charlotte hatten dieses Problem für sie alle, aber besonders zu ihrer beiden Gunst entschieden. Dieser Entschluss war gut. Ohne Wenn und Aber. So sollte es sein. Alle

waren sich darin einig. Die Freunde stimmten dem zu.

„So … und jetzt, wo es raus ist, sollten wir im Tagebuch weiterlesen. Ihr wisst, je mehr wir wissen … und die Zeit drängt.“, lenkte Manuel die allgemeine Aufmerksamkeit von seiner Seelengefährtin weg zu dringenderen Problemen.

Georg nahm sich das Buch. „Dann werde ich mal. Raidon ist mit seinem Tee beschäftigt und Fabrice muss sich mehr oder weniger auf seine Gabe als Seher konzentrieren. … Also … Was wissen wir? Mein Vater will den Gedächtnislücken von Thomas auf den Grund gehen. … … Lass uns dem auf den Grund gehen. Für

alles gibt es eine Erklärung und … selbst Unsterbliche haben eine sehr lebhafte Vergangenheit.“ Er schlägt mir freundschaftlich auf die Schulter, dass ich einen Schritt nach vorn stolpere. „An deiner Fitness sollten wir auch noch arbeiten!“, macht er mich von der Seite an und stolziert mit den beiden Frauen an mir vorbei in Richtung Haus. Ich schaue ihnen hinterher und überlege, wie es Kieron gelingen sollte, meine Vergangenheit wieder ans Tageslicht zu befördern. Weiß er mehr, als er erzählt? Stets umgibt ihn eine mystische Aura. Was verbirgt dieser Mann? Aber was soll ich mir ausgerechnet in diesem Moment Gedanken darüber machen? Ich brauche Hilfe und greife nach jedem Strohhalm. Und so trotte

ich den dreien hinterher. Auf der Veranda warten sie schon. Luruna zieht mich auf einen Stuhl an ihrer Seite. „So, mein Freund. Nun berichte einmal, was bedrückt dich. Worüber sorgst du dich?“ Kieron als auch Arjana beobachten mich neugierig. Luruna schaut ängstlich. Mir ist nicht so recht wohl bei der Sache. Weil ich die Antwort scheue? Weil ich nach all den Wochen Kieron nicht voll und ganz traue? Immerhin ist Arjana die Ewileb der Caluoc. Aber … ich bin unsterblich und Luruna liebt mich. … und sie erwartet unser Kind, um dessentwillen ich wissen muss, was mir fehlt. So erzähle ich von meiner Entdeckung im Tagebuch. Frage nach den anderen Männern der Expedition. Nach meinem Leben vor dem Feuer. Nach anderen

Welten. Nach den Caluoc. Spreche von meinen Befürchtungen, wie meine Vergangenheit sich auf mein jetziges Leben auswirken könnte. Was, wenn ich diese Welt würde verlassen wollen oder müssen? Kieron und Arjana hören mir aufmerksam zu. Danach … Schweigen. Sie schauen sich an und ich weiß, sie kommunizieren miteinander. „Redet nicht über mich, sondern mit mir.“, schreie ich sie in meiner Verzweiflung an und springe von meinem Platz auf. Ich raufe mir die Haare und erst die kühle Hand Lurunas auf meinem Arm bremst meine Wut. Trotz allem bleibt eine ohnmächtige Unruhe in mir zurück. „Thomas, setz dich wieder.“ Ruckartig drehe ich mich zu Kieron um. Was will er? Will er mir sagen, ich müsse damit leben? Will er

mir sagen, ich bilde mir alles nur ein? Was? „Setzt dich, Thomas. Wir müssen uns bei dir entschuldigen. Natürlich sollten wir in deiner Gegenwart laut sprechen. Aber diese intime Kommunikation ist uns schon so in Fleisch und Blut übergegangen … Mit wem sollten wir hier auch reden. Komm und nimm wieder Platz. Wir werden versuchen, deine Problem in den Griff zu bekommen.“ Wie ein bockiges Kind schlurfe ich zu meinem Stuhl zurück. Meine Reaktionen auf bestimmte Vorkommnisse sind einfach nicht normal. So bin ich doch früher nicht gewesen. Oder doch? Aufbrausend? Gereizt? Beleidigt? Luruna lässt mich nicht eine Sekunde aus den Augen. Ich lasse Kieron nicht aus den Augen. Zu meiner Überraschung beginnt

Arjana und nicht Kieron auf meine Fragen zu antworten. „Thomas. Du hast uns. Dein Tagebuch. Unsere Bibliothek. In all den Büchern wirst du die eine oder andere Erinnerung finden. Allgemeines nur. Nichts persönliches. Das findest du nur in deinem Tagebuch. Wir haben all deine Sachen zusammengesucht und für dich in Sicherheit gebracht. Du hast nach deinem Erwachen als Unsterblicher auch gleich in deinem Tagebuch weitergeschrieben. So sind wir davon ausgegangen, es sei alles in Ordnung. Um so mehr verwundert es uns alle, dass es nicht an dem ist. Es tut uns leid für dich. Aber … es untermauert unsere Vermutung, dass irgendetwas in Papontene diesen Zustand hervorruft.“ Noch immer stehen Fragezeichen

in meinem Gesicht. Mehr denn je. Was meint Arjana damit? Ich habe mein Tagebuch. Eine Bibliothek. Was soll ich damit, wenn ich nicht weiß, wonach ich suchen soll? Dann wird mir bewusst … Papontene. „Wieso Papontene? Wie kommt ihr darauf? … Ich war überzeugt, es liege an der Wandlung. Andererseits …“ Ja. Andereseits, warum nicht? Ich kann meine Gedanken nicht vertiefen, denn Kieron beginnt seine Theorie zu erläutern. „Als wir vor siebenhundert Jahren hierher zurückkamen, ging es uns wie dir. Damit meine ich nicht die Unsterblichkeit … Wir waren schon unsterblich, wissen nur nicht wieso. … sondern den Verlust unseres Erinnerungsvermögens. Es ging schleichend voran und ich kann nicht einmal mit Sicherheit

behaupten, dass wir es inzwischen vollständig zurückerlangt haben. Vieles können wir nur vermuten. Du musst wissen, Arjana ist Lurunas Tochter. Ein junger Mann aus unserem Dorf erklärte, die Götter hätten sie mit diesem Feueropal …“ Kieron zeigt auf die filigran gearbeitete Kette mit einem walnussgroßen roten Stein, den Arjana um ihren Hals trägt. „ … gesegnet und einem anderen Volk versprochen. Wer wollte damals schon die Götter erzürnen? Sie wurde nicht zur Königin erzogen, bestieg nicht den Thron und verließ stattdessen noch vor ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag ihre Heimat.“ Arjana schaut Kieron traurig an. Dieser streicht ihr zärtlich über die Wange und nickt ihr aufmunternd zu. „Was danach geschah …

ich weiß es nicht mehr. Auch Kieron nicht. Wir wissen nicht für welches Volk ich bestimmt war. Wann und wo wir uns kennenlernten. Wo und wie wir gelebt haben. Oder ob wir gar bei unserem Aufbruch hierher vielleicht Kinder, Verwandte, Freunde zurückgelassen haben.“ Georg hielt im Lesen inne. Bei den letzten Worten seiner Mutter war jegliche Farbe aus seinem Gesicht gewichen. Sie erinnerten sich nicht an ihn. Ihn … ihren Sohn. Sie hatten Adanwe und die Salwidizer vergessen. Wie sollten er und seine Freunde Kontakt mit ihnen aufnehmen, wenn ihnen jegliche Erinnerungen fehlten? Dieses verfluchte Papotene. Was war es nur, was den menschlichen Geist so manipulieren konnte?

Verzweifelt sah Georg zu Fabrice hinüber. Doch der saß gelassen in seinem Sessel. „Manuel, lies du weiter. … und du, Georg, beruhig dich. Wir werden schon einen Weg finden. Sobald ich weiß, wo sie sind, reden wir mit ihnen. Sie verfügen noch immer über die Gabe der Telepathie. Wenn wir ihnen genug Erinnerungsbilder suggerieren können … Du weißt, wie aufnahmefähig wir Salwidizer sind. Ich bin fest überzeugt, irgendwo im Unterbewusstsein liegen die Erinnerungen. Wir müssen sie nur hervorholen.“

„Aber … die Aufzeichnungen sind mehr als ein Vierteljahrhundert alt. Wer weiß, was in der Zwischenzeit geschehen ist.“, versuchte Georg seine Sorgen an den Mann zu bringen. Eigentlich wollte er Fabrice glauben und

optimistisch sein. Nur … eine Angst, die er so noch nie kannte, ließ das nicht zu. Sie schien jegliche Hoffnung im Keim ersticken zu wollen. Während Amaranth Georg zu beruhigen versuchte, begann Manuel weiterzulesen. Das ist definitiv nicht das, was ich erwartet habe. Vielmehr tun sich mir nun noch weitere Fragen auf. Wie sollen mir die beiden helfen, wenn sie selbst eine lückenhafte Vergangenheit haben? Was hat es mit Papontene auf sich? Was meinte Arjana damit, es sei dafür verantwortlich? Fragen über Fragen … und ich kann meine Niedergeschlagenheit nicht verbergen. „Thomas. Du darfst nicht vergessen, wir sind vor siebenhundert Jahren hier gestrandet.

Wir hatten nicht die Voraussetzungen, die dir gegeben sind. Es gab keine Bücher in dem Niveau, welches wir heute gewohnt sind. Keine Speichermedien. Vor allem … wir hatten keine Freunde, die uns zur Seite standen.“ Kieron beschämt mich. Ich muss es zugeben. Im Vergleich zu ihm und Arjana bin ich echt nicht arm dran. Auch wenn es mir nicht leicht fällt, beschließe ich, objektiv an das Problem heranzugehen. Und vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, meinen neuen Freunden ebenfalls zu helfen. „Ich muss mich bei euch entschuldigen. Ich bin ein schlechter Freund. Habe ich doch die vergangenen Wochen in den Tag hinein gelebt. Es war wie ein langer Urlaub. Ein Traum. Doch nun hat mich die Realität eingeholt. Erzählt mir vom

Dorf und seinen Bewohnern. Was hat es mit der Königin für eine Bewandtnis? Warum lebt ihr hier, fernab … so scheint es … von den Caluoc? Wie habt ihr es geschafft, eine solch einzigartige Bibliothek aufzubauen? Was … Wie … Wer … Warum … Wo … Wieso … Ich will alles wissen. Ich muss alles wissen. Schließlich werde ich … Vater.“ War ich vor wenigen Minuten noch am Boden zerstört und haderte mit meinem Schicksal, so bin ich nun aufgekratzt. Voller Tatendrang. Und mit jeder weiteren Frage steigert sich meine Schaffenslust und Regsamkeit. Kieron grinst. Arjana blickt überrascht zu Luruna. Und diese zuckt nur hilflos mit den Schultern. „Es sollte mich eigentlich nicht überraschen. Eine Tochter.

Eine Königin für die Caluoc. Wird es wieder so sein? Ist es das, was du willst? Jetzt, wo dein Kind einen Vater hat? … Wir lassen die Männer mal eben allein.“ Arjana führt Luruna hinaus in den Garten und ich blicke ihnen verdutzt nach. Was wollte Arjana damit andeuten? „Ist da etwas, was ich wissen sollte, Kieron? Was meinte Arjana bezüglich des Kindes?“ Erst als die beiden Frauen hinter der Hausecke verschwinden, wende ich mich zu Kieron um und sehe gerade noch, wie er sich unangenehm berührt am Kinn kratzt. Er scheint zu überlegen. Ein heikles Thema? Ein schwieriges Problem? „Okay. Ich erzähle dir … hm …“ Wie nun? „ … Ich erzähle und wenn du Fragen hast … einfach her damit. Also. Das Volk der Caluoc … Oh

Menanim! Wo und vor allem wie soll ich nur anfangen?“ „Wer ist Menanim?“ Kieron schaut mich seltsam überlegend an. „Keine Ahnung. Den Ausdruck kenne ich schon mein ganzes Leben lang. Muss wohl aus meiner Vergangenheit sein. … Also pass auf. Siehst du dort oben die bewaldeten Höhen? Da liegt das Dorf der Caluoc. Der Wald bildet eine magische Barriere, die nur passierbar ist, wenn das Dorf auf der Erde sichtbar wird. Ich hatte dir bereits zu Beginn unserer Bekanntschaft davon berichtet. Du erinnerst dich?“ Ja. Er sagte damals, nur ein Mal im Jahr und nicht immer am selben Ort. „Sie sind ein einfaches Volk. Glauben an den Willen der Götter und huldigen den Wölfen im Allgemeinen. Wie und warum Luruna ihre

Göttin wurde, darüber können wir nur spekulieren. Wahrscheinlich aufgrund ihrer besonderen Gabe. Sie ist eine Gestaltenwandlerin.“ Ich nicke. „Klar doch. Sie kann die Farbe ihrer Haare und Augen ihren Emotionen anpassen.“ „Nein, Thomas. Diese Gabe ist nur die eines Wandlers. Aber was ich meine … Sie kann eine andere Gestalt annehmen. Die eines Wolfes.“ Jetzt bin ich mir sicher. Kieron will mich verarschen. Kein Mensch kann so etwas. Aber sie ist kein Mensch. Was auch immer. Eine Göttin. Unsterblich. Aber definitiv kein Mensch. Ich kann es nicht glauben und doch spüre ich, es ist die Wahrheit. Luruna … Lupus und Runa. Wolf und Geheimnis, Zauber. „Ähm … und all ihre Töchter können das auch …

Alle starrten Helena neugierig an.

Nicht nur dass sie Georgs Tante war … allein schon der Gedanke entbehrt schon jeglicher Vorstellungskraft … nein, sie sollte sich auch in einen Wolf verwandeln können.

„Nein. Nein. Nein. Denkt nicht einmal daran. Auf gar keinen Fall. Was ist mit Georg? Mit Amaranth? Mit Richard und Jean? … Sie alle sind Abkömmlinge. Wenn es einer versuchen sollte, dann doch wohl einer von den 'Alten'.“ Charlotte kicherte in sich hinein und erntete einen wütenden Blick von ihrer Cousine.

„Ach komm schon. Daran denken darf man doch wohl mal. Stell dir vor, die Verwandlung klappt nicht so richtig und du musst dann mit einer buschigen Rute durch die Gegend laufen oder Georg …“

Ups. Noch ein wütender Blick. Ein halber, denn um Georgs Mund zuckte ein verstecktes Lachen.

„Lass gut sein Charlie. In der Tat könnten unsere Versuche so enden. Dazu wissen wir noch viel zu wenig. Wir sollten weiterlesen. … Möchtest du nicht … Tantchen?“ Nun doch laut loslachend schaute er Helena dabei an. „Ähm … und all ihre Töchter können das auch. Das ist der Grund, weshalb sie zur Königin geboren werden. … Es gab eine Zeit, da waren die Wölfe fast ausgerottet. Die Caluoc … die Caluoc haben mit den Wölfen verschiedener Regionen eine Population gebildet.“ Mit einem Schlag ist mein Kopf leer. Leer von Blut. Leer von Gedanken. Leer von

Empfindungen. Mein Herz donnert gegen die Rippen. Mühsam formuliert mein Mund die eine entscheidende Frage. „Du meinst jetzt nicht, sie gehen eine Fortpflanzungsgemeinschaft ein?“

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abschuetze
Wir schreiben heute den 24.Mai 2014 und ich trete voller Erwartung in die Gefielde von "myStorys" ein.
Ich bin A.B.Schuetze.

Wir kreuzen das Sternenbild "Schütze" und erkunden dessen Eigenschaften.

Da wir gerade davon sprechen ... vergesst alles, was ihr über Schütze-Frauen gelesen habt. So ganz unter uns ... ihr werdet mein Wesen darin nicht entdecken.

Hab ich eure Neugier erweckt? Wollt ihr mich kennen lernen?

Nichts leichter als das.
Ich treibe mich meist auf myStorys ... lest meine "Bücher" ... oder auf Facebook, Google u.s.w. herum :))
Irgendwo werdet ihr mich schon finden.

LG von Antje

PS: Ich habe jetzt auch eine FB-Seite: https://www.facebook.com/LeserWunschKugelSchreiber/

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trixi1303 Wieder super geschrieben. Und was für Wendungen. Helena ist Georgs Tante :)
Aber bei einer Sache musst du mir auf die Sprünge helfen: Amaranth, Jean und Richard sind auch Abkömmlinge von Arjana und Kieron, oder hab ich das jetzt falsch verstanden. Ich habe die Geschichte vorher zwar auch gelesen, weiß aber nicht mehr, wer die Eltern von den 3en sind. Und außerdem würde das doch heißen, Georg hätte etwas mit seiner Schwester?
Du siehst ich bin verwirrt.
LG Nicole
Vor ein paar Wochen - Antworten
abschuetze ---Lach----
Aminata ist die Mutter von Amaranth, Richard und Jean. Der Verwandschaftgrad zu Georg ... ??? Die brühmten drei Fragezeichen.
... und ja, Helena und Georgs Mutter Arjana sind Schwestern, auch wenn ein Altersunterschied von 800 Jahren besteht :-)

LG von Antje
Vor ein paar Wochen - Antworten
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