Kurzgeschichte
Alter Hase - Autoren Challenge 19

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"Alter Hase - Autoren Challenge 19"
Veröffentlicht am 01. Mai 2017, 14 Seiten
Kategorie Kurzgeschichte
© Umschlag Bildmaterial: Andrea Minutillo
http://www.mystorys.de

Über den Autor:

Ich - eindeutig rot - freiheitsliebend - in mir drin schon mal unsicher, beinahe verklemmt - nach außen der Fels in der Brandung - die Person, auf die man sich verlassen kann - auch mal anlehnen, kein Problem - ein dunkles samtiges Rot also - richtig viel Farbe - dicke Haufen davon auf der Leinwand - Struktur - Kunstschule Zürich - zahlreiche Ausstellungen in der Region - flippig - flapsig - bunt in mir drin - auch mal ...
Alter Hase - Autoren Challenge 19

Alter Hase - Autoren Challenge 19

Bin sowas, was man einen „alten Hasen“ nennt. Alt ja, aber Hase? Weiß nicht. Häsin. Volksmund eben. Weiß nur, dass jeder gern seine Problemchen zum besten gibt. Sie vor mir ausschüttet. Heranschleppt und ausbreitet. Niemand wird enttäuscht.

Denn eine Lösung gibt es immer. Selbst dann, wenn es sich nur nach Lösung anhört. Ja, selbst dann fühlt sich jeder verstanden. Und was soll es? Wenn das Gefühl stimmt … Nur für mich, ja, für mich hält niemand die Befreiung griffbereit.



Wenn sie sich anschleichen. Auf schleimigen Synapsenpfaden. Die Wichtigkeit der Ereignisse mein Befinden in den Hintergrund drängt. Mein Befinden! Unhaltbar! Und dann kriechen sie heran. Übellaunig und zielsicher. Meine ureigenen Dämonen.



Fies grinsen sie mir ins Gesicht und blecken ihre ekelerregenden gelben verdreckten Zähne. Wollen mich aufsaugen. Vollends. Unkontrolliert tropft der Geifer aus ihren Mundwinkeln. Sie werden meinen Verstand sprengen. Ich kenne sie gut.

Zu gut.


Hetzen mein Herz. Unbeirrt. Treiben es an, bis es zusammenbricht. Mir das Blut tsunamimäßig durch die Ohren schwappt. Jeder Muskel sich verspannt. Wenn die klappernden Zahnreihen schmerzhaft aufeinanderstoßen. Die Zunge ausblutet. Dunkelroter Speichel im Hemdkragen. Der Blick in den Spiegel,

unerträglich. Schrill stechende Augen. Sich die Pupillen weiten und mein Sehvermögen verschärfen, ähnlich dem fassettenreichen Blick einer Fliege. Ein hämmerndes Vibrieren am Nasenflügel.

Die Klimaexperten in meinem Hirn stellen alle Kanäle auf Schweißausbruch. Erhabene Ringe unter den Achseln. Nass klebt sich der Stoff auf meine aufgestellten Nackenhaare. Der Atem flacht ab. Der Mund so trocken, als hätte ich die Wüste Gobi durchwandert. Ja, es ist an der Zeit. An der Zeit, zusammenzubrechen. Das ist mein Weg. Ausweg. Steil nach unten. Kurz wollen sich die Finger im Waschbecken verankern. Zwecklos. Sinke ein.

Ruhe. Endlich. Sollen sie ohne mich weitermachen. Ich bin raus.


Ding, Däng, Dong „Bitte alle Teilnehmerinnen der Tanzgruppe „Meereselfen“ zum Bühnenaufgang B“







Na gut! Ich muss raus. Drücke mich hoch. Ein kritischer Blick in den Spiegel. Streife das Hemd ab.

Darunter: Das Meerfrauenkostüm … Eilig und voller Erwartung tänzele ich in Richtung Bühnenaufgang.


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Hörbuch

Über den Autor

Frettschen
Ich
- eindeutig rot
- freiheitsliebend
- in mir drin schon mal unsicher, beinahe verklemmt
- nach außen der Fels in der Brandung
- die Person, auf die man sich verlassen kann
- auch mal anlehnen, kein Problem
- ein dunkles samtiges Rot also
- richtig viel Farbe - dicke Haufen davon auf der Leinwand
- Struktur
- Kunstschule Zürich
- zahlreiche Ausstellungen in der Region
- flippig - flapsig - bunt in mir drin
- auch mal nachdenklich
- manchmal introvertiert
- stets auf der Suche nach Neuem
- in meinem Bereich versteht sich
- Sternzeichen Löwe
- Querdenker und Rebell
- reiße mir die guten Seiten des Alltags unter die Nägel
- manchmal erwische ich auch die weniger Guten,
doch die schüttele ich hastig ab

ich liebe:
- einsame Orte
- den Wind
- das Geklapper der Taue an den Masten
- ob an Fahnen oder Booten, ist mir egal
- die Ruhe im Wald
- der Schutz eines Baumes - wenn man sich darauf einlässt
- das Eintauchen in die Arbeit an der Staffelei
- wenn`s gelingt
- das sichere und untrügliche Gefühl,
etwas Besonderes entstehen zu lassen
- das Spielen mit unserer Sprache
- gutes Essen
- ein unerwartetes Lächeln
- Musik - alle Richtungen
- am besten schön laut
- Tanzen
- Ausdruck
- Profil
...

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abschuetze Klasse. Endlich bekommt jeder medizinische Terminus von Welpenweste ein Gesicht. So kann man sich doch so richtig in seinem Lampenfieber suhlen :-) Man weiß, mit wem man es zu tun hat und sich seinem Schicksal ergeben ... oder auch dagegenstellen.
Im Endeffekt geht sie halt hinaus und ... sie ist ja nicht allein. Sie weiß, dass sie es kann, unzählige Male trainiert hat und dass es auch dieses Mal klappen wird.
Schöne Geschichte. Schöne Zeichnungen.

LG von Antje
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Tintenklecks Sehr schöne Grafiken.
Aus dem Stakkato der Worte kann man eventuell eine Textboulette formen und sie braten? Doch wird man satt davon? Ich nicht. Sehr kleingehackt durchgedreht.
Naja, wie die gesamte Geschichte. Sie erzählt aus meinem Verständnis über eine egomanische durchgedrehte Person. Und wenn man solche hysterisches Gehabe vorm Spiegel abzieht, geht man dann raus und tanzt lächelnd? Ich weiß es nicht und kann es auch nicht nachvollziehen. Es wirkt sehr unglaubhaft, ja verlogen auf mich. Und das hat schlußendlich etwas mit der anfangs dargelegten Fähigkeit, die Probleme anderer lösen zu können, zu tun. Insofern ..
Dabei ist ihre Befreiung, einfach zu tanzen. Der Rest ist, wie meine Schwiegermutter mal zu einer Nachbarin sagte, "Gequirltes Selbstmitleid".
LG vom Klecks
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Frettschen Na klar ist die Tante durchgedreht :)
Und auf jeden Fall extrem egozentrisch. Ich denke schon, dass sie andrerleuts Probleme lösen kann, auch wenn nicht ihre eigenen ...
Und eigentlich geht es ihr nicht so schlecht .. sie spielt es sich vor - in gewisser Weise. Und dann streckt sie sich durch und macht ihren Job. So geht es mir auch manchmal. Dir nicht? Das ich völlig übertreibe und durchdrehe - dennoch ist es eher ein Spiel - wie ein Rollenspiel zur Entspannung. Ein kleines Rad hat sie ab, das gebe ich gern zu, aber das habe ich definitiv ebenfalls - auch wenn ich diese Geschichte ein wenig überzogen dargestellt habe.
Danke für deinen anregenden Kommentar. :)
Liebe Grüße, das Frettschen
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Gast bitte, da du neulich gerade talerchen bekommen hast, gibts diesmal ein Herzchen. Auch fein, oder?
lg Klecks
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Frettschen Auf jeden Fall! :)
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MerleSchreiber Eine ganz tolle Illustration, Frettschen! Tolles Timing beim Text. Akkurat im Moment des Zusammenbruchs nach all den durchlitten und phantasievoll beschrieben Höllenqualen kommt der Gong. Und damit die Auflösung des ganzen Dramas. Gut!! Obwohl - ich frage mich auch bei diesem Text wieder, ob ich nicht doch etwas mehr Satzkompositionen lieber hätte. Noch lieber? Hm, ich bin mir noch uneins ;-)
Das Thema hast du jedenfalls hervorragend abgedeckt.
Liebe Grüße, Merle
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Frettschen Haha! Vielen Dank! :D
Habe es gerade nochmal gelesen - - - ist schon ein bisschen her.
Und mit etwas Abstand betrachtet, muß ich gestehen - hüstel in die hohle Hand - ich finde es klasse - öhm - also mir gefällt es.
Und da du dir nicht sooo sicher warst, was diesen kurzen abgefressenen Schreibstil angeht, denke ich, ist er für so ein Psychoding, genau richtig.
Ich danke dir fürs Lesen und "sich auseinandersetzen" ;)
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Rajymbek 
Für jeden anders, aber für mich serh aufschlussreich, wie es dir ergeht. Lach

VLG Roland
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Frettschen Es ist eine Geschichte, mein Lieber ;)
Keine Biographie ...
Ich danke dir für die Talerchen :)
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mohan1948 Habe es erst auch beim zweiten Lesen mitbekommen um was es sich handelt. Die Zeichnungen sind gut gelungen
Doch am Ende ist mir klar geworden, wie für Dich Lampenfieber ist
liebe Grüße
Hannelore
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