Krimis & Thriller
Mörderische Weihnachtsknödel

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"Sie sollten speisen wie die Könige, denn dieses würde ihre letzte Mahlzeit hier auf Erden werden."
Veröffentlicht am 01. Dezember 2016, 14 Seiten
Kategorie Krimis & Thriller
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Über den Autor:

Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. In meiner Freizeit betätigt sie sich mit Lesen, Schreiben und Reisen.Ich bin zum zweiten Mal verheiratet und lebe heute zusammen mit meinem Mann, vier Söhnen, zwei Dackeln und einer Katze im Münsterland. home: angie-pfeiffer.com
Sie sollten speisen wie die Könige, denn dieses würde ihre letzte Mahlzeit hier auf Erden werden.

Mörderische Weihnachtsknödel

„Ihr Kinderlein kommet“, vor sich hin summend befestigte Maria die Silberkugel und legte ihr Werk auf den großen Haufen mit fertig gebastelten Tischdekorationen. Sie freute sie sich heuer ganz besonders auf das Fest. Die Familie würde vollständig versammelt sein. Sogar Onkel Eduard, der sein beträchtliches Vermögen gewöhnlich an der Cote d’Azur verringerte, hatte seine Anwesenheit angekündigt. Auch Tante Elisabeth, eine ständig mäkelnde alte Jungfrau, ließ sich durch die Zusicherung, die Mitternachtsmette zu besuchen locken. Maria seufzte tief. Nur ihre liebe Mutter, Gott habe sie selig, würde nicht anwesend sein. Wie

bedauerte sie, dass die Gute bereits im letzten Jahr verstorben war und so nicht an dem ausgezeichneten Mahl teilnehmen konnte. Sie sollten speisen wie die Könige, denn dieses würde ihre letzte Mahlzeit hier auf Erden werden.

Das Arsen hatte Maria kurz nach dem Tod ihrer Mutter gefunden, als sie den Dachboden aufräumte. Wie das Gift in den wurmstichigen Küchenschrank gekommen war wusste sie nicht. Ihre Mutter hatte es nie erwähnt, der Vater konnte diesbezüglich keine Angaben mehr machen, er war vor einiger Zeit an akutem Nierenversagen gestorben. Vielleicht war es irgendwann einmal zur

Ungezieferbekämpfung angeschafft und dann vergessen worden. „Arsen“, der Name stand, bekrönt von einem Totenkopf, groß und gefährlich auf der harmlos aussehenden Blechbüchse. Maria stand lange gedankenverloren auf dem Dachboden, hielt die Dose mit dem weißen Pulver in der Hand. Schließlich befeuchtete sie einen Finger, tauchte ihn vorsichtig ein und kostete. Es schmeckte leicht metallisch, aber eigentlich nach gar nichts. Langsam stieg ein Gedanke in ihr hoch.

Doch bevor Maria ihren großen Plan in die Tat umsetzen konnte, galt es zu testen, ob das Gift nicht durch die Lagerung wirkungslos geworden war. Als

Proband drängte sich der lästige Nachbarskater geradezu auf. Er hatte Maria mehr als einmal mit seiner Anwesenheit belästigt. So fand Peterchen bei seinem nächsten Abstecher in den Nachbargarten einen gut gefüllten Napf vor. Das die Menschenfrau, welche ihn sonst mit giftigen Blicken verfolgte, ihn wohlwollend bei der Nahrungsaufnahme beobachtete, irritierte ihn ein wenig, tat jedoch seinem Appetit keinen Abbruch. Im Gegenteil, er leerte den Napf bis auf den letzten Krümel Khiswas und begab sich anschließend zu einem ausgiebigen Mittagsschläfchen auf das Dach des Gartenhauses, von wo er nach einiger Zeit schmerzgeplagt in Richtung Heimat

humpelte. Voller Genugtuung beobachtete Maria das Tier. Der Kater litt offensichtlich an heftigen Krämpfen. Also hatte das Arsen nichts von seiner Wirkung eingebüßt, sie konnte es bedenkenlos verwenden. Sie nahm sich vor, der Nachbarin in der nächsten Zeit einmal einen Blumenstrauß über den Gartenzaun zu reichen, das war sie ihr schuldig, denn Peterle würde sich wohl nicht wieder erholen.

Diese Hürde war genommen, nun galt es die Familie vollständig zu versammeln. Was bot sich da eher an, als das Fest der Liebe. Maria begann damit bei jeder Gelegenheit Einladungen auszusprechen. „Wie wäre es, wenn wir uns in diesem

Jahr zu einem gemütlichen Essen versammeln würden, so wie früher, als meine liebe Mutter noch gekocht hat.“ In der Tat war das gemeinsame Weihnachtsessen in Marias Elternhaus früher die Regel gewesen. Als jedoch der Vater auf so mysteriöse Weise verstarb, wurde getuschelt, erst leise, dann immer lauter. Die Mutter war nicht mehr gern gesehen, wurde nur noch ab und zu eingeladen. Die so Geschnittene stellte den Kontakt zur böswilligen Verwandtschaft ein. „Die neiden mir nur meine gute Witwenrente“, hatte sie ihrer Tochter erklärt. Mit den Jahren war es wieder zu einer Annäherung gekommen, doch vermochte Marias Mutter ihrer

Verwandtschaft nicht zu verzeihen. „Blut sollte dicker als Wasser sein, doch unsere Verwandten haben uns in Stich gelassen und verleumdet. Das sollen sie mir irgendwann büßen!“ 

Nun, Maria würde dafür sorgen, dass ihrer Mutter posthum Gerechtigkeit widerfuhr! So überredete sie nach und nach die Onkel und Tanten, nebst Anhang, an einem schönen Weihnachtsessen teilzunehmen, dass sie selbst zuzubereiten gedachte. Ein traditionelles Mahl mit Gänsebraten, Blaukraut und den legendären Kartoffelknödeln nach dem Originalrezept ihrer Mutter. Diese Knödel würden allerdings eine neue

Zutat bekommen.

Sie hatte alles genau geplant und jeden Tag eine kleine Dosis Arsen zu sich genommen. Zu ihrem Erstaunen ging es ihr so gut wie nie. Sie hoffte gegen das Gift gefeit zu sein, während ihre Mitesser jämmerlich sterben würden. Wenn sie mit den Anzeichen einer Vergiftung ins Krankenhaus käme – um so besser. Doch das würde sich ergeben, jetzt galt es sich auf das Nahziel zu konzentrieren. „Heute Kinder wird’s was geben.“ Die Dekoration stand an ihrem Platz, der Tisch war hübsch gedeckt und Maria bester Dinge. Mit roten Apfelbäckchen erledigte sie die letzten Handgriffe.

Einige Zeit später allerdings stieg ihr die Zornesröte ins Gesicht, denn noch immer fehlten die Gäste. „Ach was“, murmelte Maria vor sich hin, während sie die Gans liebevoll begoss. „Ich werde die Soße jetzt anrühren und die Knödel schon einmal ins Wasser tun. Dann muss ich sie eben warmstellen.“ Eben hatte sie den Gedanken in die Tat umgesetzt, als es an der Tür läutete. Wie groß war Marias Erstaunen, als sie sich dem Ortspolizisten gegenübersah. Die Nachricht, die er überbrachte, ließ sie wohlig erschauern. Die Onkel und Tanten hatten auf das Betreiben des wohlhabenden Onkel Eduards hin einen Kleinbus gemietet, den der angeheiterte

Onkel selbst fuhr.

„Was soll ich dir sagen. Der Bus ist von der Fahrbahn abgekommen und frontal gegen einen Baum geknallt.“, Hubert, der Polizist, schüttelte traurig mit dem Kopf, während Maria seinen Schilderungen atemlos lauschte. „Und?“, fragte sie gespannt. Ein Schulterzucken und ein abgrundtiefer Seufzer waren die Antwort. „UND???“, Maria hatte vor Spannung die Finger ganz fest ineinander verschränkt. „Alle tot!“ 

Um ein Haar hätte Maria einen lauten Jauchzer ausgestoßen, doch sie fing sich im letzten Augenblick. „Darauf brauche ich einen Schnaps“, murmelte sie. Hubert folgte ihr schnüffelnd in die Küche.

„Hier riecht es aber gut!“

Maria schob ihm ein gefülltes Schnapspinnchen über den Küchentisch. „Hier, mein Lieber, den kannst du gebrauchen.“ Hubert griff beherzt zu. „Hast ja recht. Das war schon ein grausiger Anblick.“


Am nächsten Morgen erwachte Maria mit einem gehörigen Brummschädel. Mühsam richtete sie sich auf und blickte irritiert um sich. Sie lag völlig bekleidet auf dem Klappsofa im Wohnzimmer. Diese Kopfschmerzen! Sie ließ sich matt in die Sofakissen sinken, um im nächsten Moment kerzengerade zu sitzen. Es war Huberts letzter, ziemlich betrunkener

Satz, der sie alarmierte. „Weißt was, Maria. Es ist schade um das gute Essen, deine Verwandtschaft kann damit nix mehr anfangen. Ich pack das ein und bringe es den Kollegen im Präsidium, die freuen sich darüber, wo sie schon an Weihnachten Dienst schieben müssen. Ein bisschen was nehme ich mir mit nach Hause, wo ich doch deine Kartoffelknödel so sehr liebe!“ © by Angie

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AngiePfeiffer
Ich schreibe Unterhaltungsliteratur in Form von Romanen und Kurzgeschichten für Erwachsene, sowie Kinderbücher. In meiner Freizeit betätigt sie sich mit Lesen, Schreiben und Reisen.Ich bin zum zweiten Mal verheiratet und lebe heute zusammen mit meinem Mann, vier Söhnen, zwei Dackeln und einer Katze im Münsterland.
home: angie-pfeiffer.com

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trixi1303 Oh man, das wird eine Bescherung für die Polizisten. :)
Vergangenes Jahr - Antworten
AngiePfeiffer Danke und einen lieben Gruß in deinen Jahresanfang.
Angie
Vergangenes Jahr - Antworten
Anna92 Guten Morgen, Angie!
Lange habe ich dich mit meiner Anwesenheit verschont, aber jetzt ist es wieder soweit ;) Bei dieser Geschichte durfte ich eine ganz neue Seite an dir kennen lernen: ich mag die sehr! Ich habe eine Leidenschaft für diabolische Dinge. Sehr gut geschrieben, daher lasse ich auch noch ein paar Münzen da ;) Bitte mehr davon!
LG
Anna
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Hallo Anna, da bist du ja wieder.
Lieben Dank für alles und besonders für den Kommentar. So, so, sie hat eine Leidenschaft für diabolische Dinge - bemerkenswert. Das kommt mir entgegen, Humor darf ruhig schwarz sein.
Liebe Grüße und einen schönen Wochenanfang.
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
HarryAltona Haha... so platzen Träume, und Katastrophen ziehen herauf. Wie heißt es so schön: Des einen Freud, des anderen Leid.
lg... harryaltona
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer na ja, Harry, nu haben sie es ja hinter sich ... sogar die Katze.
;o)
Danke dir und schicke liebe Grüße in deinen Abend.
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
erato 
Die Wege des Herren
der über allen Geschöpfen wacht
sind unergründlich
vertrauen wir weiter seiner Fürsorge und Liebe
möge er uns führen und leiten
bis jeder seinen wurmstichigen Küchenschrank aufgeräumt hat
und wir unseren Mitmenschen Erlösung spenden können....

Exorbitant morbide Züge erkenne ich bei DIR, liebste Lady

Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Okay - auch morbide Züge sind zuweilen vorhanden, mein lieber Thomas.
Hoffe das schreckt dich nicht ...
Danke und einen schönen Abend für dich.
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
erato 
Dear Lady, sollte mein Sarkasmus
nicht vor deine Füße gefallen sein..... :-)) ?
GglG Thomas
Vor langer Zeit - Antworten
AngiePfeiffer Lieber Sir Thomas,
was ist das denn für ein Ausspruch? Den kenne ich gar noch nicht.
Falls du meinst, ich wäre verschnupft oder so - warum sollte ich. Dein Kommentar ist doch positiv! (by the way - negativ und hilfreich wäre auch gut)
Bin nicht so ne empfindliche Zicke, das solltest du dir denken können. Und auch meine Sensibilität hält sich in Grenzen - grins -
Also!
Wünsche einen schönen Wochenanfang.
Angie
Vor langer Zeit - Antworten
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